Die Kryptomärkte erleben derzeit Turbulenzen. Eine Welle größerer Liquidationen drückt die Kurse. Bitcoin und Ether verzeichneten innerhalb kurzer Zeiträume deutliche Rückgänge, wodurch gehebelte Positionen im Milliardenbereich liquidiert wurden. Das Ereignis löst Diskussionen über die Marktstabilität und die Rolle makroökonomischer Einflüsse aus.

Milliarden-Liquidationen erschüttern Krypto-Märkte

Der Kryptowährungsmarkt war in den vergangenen Tagen von einer Liquidationswelle betroffen. Quellen berichten von nahezu 974 Millionen US-Dollar innerhalb von 24 Stunden, wovon 896 Millionen US-Dollar auf Long-Positionen entfielen (CoinGlass). Andere Berichte sprechen von über 1,5 Milliarden US-Dollar oder sogar über 2 Milliarden US-Dollar in kurzen Zeiträumen.

Daten von CoinGlass zeigen, dass allein in einem beobachteten 24-Stunden-Zeitraum fast 1 Milliarde US-Dollar liquidiert wurden, wobei der Großteil auf Long-Positionen entfiel.

Beobachter bezeichnen die Welle als die größte Liquidationswelle im Kryptosektor seit mindestens dem 27. März. Die Liquidationen führten zu einem schnellen Ausverkauf von Bitcoin, Ether und mehreren Altcoins.

Bitcoin fiel dabei zeitweise unter 81.000 US-Dollar. Ether brach in einzelnen Berichten um bis zu neun Prozent auf rund 4.078 US-Dollar ein. Auch Altcoins wie Solana, Dogecoin und XRP verzeichneten Verluste.

Der Marktwert aller digitalen Assets schrumpfte in der Folge deutlich. Berichte sprechen von einem Rückgang um über 260 Milliarden US-Dollar und einem Fall unter die Marke von 4 Billionen US-Dollar. Der Krypto Fear & Greed Index sank laut Berichten von „Gier“ auf „Neutral“.

Bitcoin und Ether unter Druck

Bitcoin wird in einzelnen Datensätzen mit Liquidationen von etwa 238 Millionen US-Dollar in Zusammenhang gebracht. Ein anderer Datensatz nennt einen Kursrückgang von einem früheren Allzeithoch von rund 109.114,88 US-Dollar auf etwa 93.841 US-Dollar, ein Rückgang von rund 13,7 Prozent. Ein Bericht nennt zudem einen Anstieg des täglichen Handelsvolumens um 175,7 Prozent auf 96,51 Milliarden US-Dollar während des Ausverkaufs.

Die Quellen datieren diese Angaben auf unterschiedliche Zeitpunkte.

Ether führte in einigen Quellen die Liquidationen mit rund 311 Millionen US-Dollar an und wurde in einem Datensatz mit einem Rückgang von 2,52 Prozent beziffert. Berichte nennen für Ether außerdem Wochenverluste von bis zu 12,9 Prozent und in einzelnen Meldungen einen Intraday-Abfall auf rund 3.000 US-Dollar. Mehrere Quellen sprechen von nahezu einer halben Milliarde US-Dollar an liquidierten gehebelten Ether-Long-Positionen.

Berichte nennen zudem einen negativen Finanzierungszins für Ether-Perpetual-Futures, was auf eine stärkere Präsenz von Short-Positionen hindeutet.

Makroökonomische Faktoren als Auslöser

Beobachter führen die Korrektur auf eine Mischung aus makroökonomischen und krypto-spezifischen Faktoren zurück. Genannt werden steigende Ölpreise, geopolitische Spannungen und politische Maßnahmen wie Ankündigungen zusätzlicher Zölle. Zudem wurde in Berichten auf einen Anstieg der Großhandelspreise (Producer Price Index) und auf Inflationsdaten verwiesen.

Diese Daten sollen die Erwartungen an Zinssenkungen durch die Federal Reserve zurückgesetzt haben. In der Folge werden steigende Treasury-Renditen und ein stärkerer US-Dollar als belastend für risikoreichere Anlagen genannt.

James Butterfill, Head of Research bei CoinShares, wird zitiert: „Die jüngste Bitcoin-Rally wird weniger von krypto-spezifischen Faktoren als von der veränderten makroökonomischen Lage getrieben.“

Hohe Hebelwirkung und nachlassende ETF-Nachfrage

Krypto-spezifische Faktoren haben den Verkaufsdruck Berichten zufolge verstärkt. Der Markt weist nach Angaben mehrerer Quellen eine hohe Hebelwirkung auf, insbesondere bei Long-Positionen. Bevorstehende Verfallstermine für Bitcoin- und Ethereum-Optionen werden als Faktor für erhöhte Volatilität genannt.

Mehrere Quellen sprechen von nachlassender Nachfrage nach börsennotierten Vehikeln. Händler fürchten demnach, dass der Hype um Spot-ETFs („DAT-Trade“) an Schwung verliert.

George Mandres, Senior Trader bei XBTO Trading, wird zitiert: „Es scheint, als brauche der Kryptomarkt eine Verschnaufpause, da einige Teilnehmer befürchten, dass der zuletzt starke Anstieg an Schwung verliert und kurzfristig keine nennenswerten Zuflüsse mehr zu erwarten sind.“

In einzelnen Berichten verzeichneten Bitcoin-ETFs Abflüsse, Ethereum-ETFs dagegen leichte Zuflüsse.

Ausblick und offene Fragen

Die Berichterstattung macht deutlich, dass die Quellen zu Liquidationssummen und Zeitpunkten nicht einheitlich sind. Die angegebenen Summen variieren stark je nach Quelle und betrachteten Zeiträumen, was die Echtzeit-Bewertung in einem fragmentierten Markt erschwert. Es bleibt abzuwarten, ob die Federal Reserve auf die jüngsten Inflationsdaten reagiert und wie sich dies auf die Zinspolitik auswirkt.

Die Entwicklung geopolitischer Spannungen und handelspolitischer Maßnahmen werden in den analysierten Quellen ebenfalls als relevante Einflussfaktoren genannt. Marktbeobachter richten den Blick auf mögliche geldpolitische Signale der US-Notenbank.