Der Kryptomarkt verzeichnete am 31. August einen breiten Ausverkauf. Dabei fiel Bitcoin unter die Marke von 78.000 US-Dollar. Auslöser waren Äußerungen von Federal Reserve Chair Kevin Warsh auf dem jährlichen Jackson Hole Symposium. Warsh betonte Inflationsrisiken und dämpfte damit die Erwartungen an größere Zinssenkungen im September.

Der Kursrückgang führte zu einer Liquidationskaskade. Diese wurde durch zuvor oberhalb von 80.000 US-Dollar akkumulierte Long-Positionen verstärkt.

Fed-Aussagen belasten Kryptomarkt

Kevin Warsh, Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve, sorgte mit seinen Äußerungen auf dem Jackson Hole Symposium für eine Neubewertung der Zinserwartungen. Warsh hob die Notwendigkeit hervor, die Inflation einzudämmen. Er erklärte, die Fed habe „work to do“ („Arbeit zu erledigen“). Die Märkte interpretierten seine Aussagen teilweise als hawkish.

Nach Warshs Rede stieg die erwartete Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September von rund 34 Prozent auf über 60 Prozent. Diese veränderten Markterwartungen wirkten sich unmittelbar auf risikoreichere Anlagen wie Kryptowährungen aus.

Der von der Fed bevorzugte PCE-Preisindex liegt bei 3,7 Prozent jährlich. Dies entspricht nahezu dem Doppelten des Zwei-Prozent-Ziels der Notenbank. Zudem wiesen 54 Prozent der von der Fed beobachteten Güter und Dienstleistungen im vergangenen Jahr Preissteigerungen von über drei Prozent auf.

Diese Daten erhöhen den Druck auf die Fed, die Geldpolitik straff zu halten oder gegebenenfalls zu verschärfen.

Bitcoin-Kurs unter Druck und massive Liquidationen

Unmittelbar nach den Fed-Aussagen fiel der Bitcoin-Kurs unter 78.000 US-Dollar. Am 29. August notierte Bitcoin um 17:10 Uhr ET bei 78.062 US-Dollar.

In der Woche vor dem Rücksetzer hatte er die Marke von 81.000 US-Dollar überschritten. Dieser Rücksetzer war Teil eines breiteren Markttrends, der auch Ethereum (minus 1,3 Prozent auf unter 2.500 US-Dollar) und Binance Coin (minus 0,86 Prozent auf unter 690 US-Dollar) traf.

Der Kurseinbruch löste eine Liquidationskaskade aus. Diese wurde durch Long-Positionen oberhalb von 80.000 US-Dollar verstärkt. Innerhalb von 24 Stunden liquidierten die Börsen Vermögenswerte im Wert von rund 390 Millionen US-Dollar.

Etwa 270 Millionen US-Dollar entfielen auf Long-Positionen, was nahezu 70 Prozent der Gesamtliquidationen ausmachte. Nahezu 100.000 Trader waren von den Zwangsliquidationen betroffen. Für Bitcoin allein schloss der Markt zwangsweise Positionen im Wert von 82,7 Millionen US-Dollar, davon 87,4 Prozent auf der Long-Seite.

Andere Berichte sprechen von etwa 350 Millionen US-Dollar an Long-Liquidationen.

Die Marke von 79.000 US-Dollar gilt als kritische Unterstützung. Ein Durchbruch darunter könnte weitere Rückgänge in Richtung 78.000 US-Dollar nach sich ziehen. Marktbeobachter sehen Unterstützungsniveaus im Bereich zwischen 75.000 und 77.000 US-Dollar. Widerstand liegt bei 80.000 bis 82.000 US-Dollar.

Kapitalflüsse und Marktreaktionen

In neun Handelstagen, beginnend am 17. August, flossen amerikanischen Bitcoin-ETFs laut Berichten insgesamt 3,04 Milliarden US-Dollar zu. Am 28. August, dem Tag von Warshs Rede, verzeichneten diese Fonds jedoch Abflüsse von 201,9 Millionen US-Dollar. Trotz dieses Rückschlags registrierten Bitcoin-ETFs in der Woche des Rücksetzers dennoch netto Zuflüsse von 924,5 Millionen US-Dollar.

Die Diskussion um Bitcoins Rolle als „digitales Gold“ bleibt präsent. Die 90-Tage-Korrelation von Bitcoin mit Gold stieg auf über 50 Prozent. Anfang 2026 hatte sie noch bei knapp über null gelegen. Gleichzeitig sank die Korrelation mit dem Nasdaq 100 von über 60 Prozent auf etwa 33 Prozent.

Ausblick: Zinsentscheidung und weitere Entwicklungen

Die Kursentwicklung von Bitcoin in den kommenden Wochen hängt von weiteren Aussagen der Federal Reserve und der tatsächlichen Inflationsentwicklung ab. Die nächste Zinsentscheidung der Fed ist für den 15. und 16. September angesetzt.

Eine weitere Zinserhöhung könnte den Druck auf risikoreichere Assets wie Kryptowährungen verstärken. Analysten werden die Kommunikationsstrategie der Fed genau verfolgen, insbesondere nach Warshs Hinweis, die Notenbank wolle transparenter, aber weniger „market-moving“ kommunizieren.

Die kurzfristige Volatilität am Kryptomarkt bleibt hoch. Langfristig orientierte Investoren beobachten weiterhin die Zuflüsse in Bitcoin-ETFs und die institutionelle Nachfrage.