Bitcoin durchbricht die 71.000 US-Dollar Marke nach massivem Short-Squeeze
Bitcoin, die größte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, überschritt die Marke von 71.000 US-Dollar. Dieser Anstieg beendete eine sechswöchige Handelsspanne und ging mit einer massiven Short-Liquidationswelle einher, einer der größten seit Beginn der Coinglass-Aufzeichnungen im Jahr 2021. Die Kursentwicklung folgte auf umfangreiche Liquidationen und makroökonomische Impulse.
Der Bitcoin-Kurs kletterte am 20. August über die 71.000-US-Dollar-Marke und erreichte laut CoinDesk zwischenzeitlich 72.021,82 US-Dollar. Innerhalb von 24 Stunden verzeichnete Bitcoin einen Anstieg von rund elf Prozent.
Dieser Sprung beendete eine Konsolidierungsphase zwischen 62.000 und 66.900 US-Dollar, die seit dem 8. Juli andauerte. Auch andere Kryptowährungen zogen deutlich an: Ethereum stieg am 19.
August um rund zehn Prozent über 2.100 US-Dollar auf 2.291,39 US-Dollar. XRP legte um 15,31 Prozent zu und Solana (SOL) um 12,70 Prozent. Dogecoin verzeichnete ebenfalls zweistellige Zuwächse, wodurch der breitere Kryptomarkt Hunderte Milliarden US-Dollar an Wert gewann.
Historische Liquidationswelle prägt den Aufstieg
Der jüngste Kursanstieg fiel mit einem massiven Short-Squeeze zusammen. Innerhalb von 24 Stunden wurden Leerverkaufspositionen im Gesamtwert von etwa 3,3 Milliarden US-Dollar liquidiert. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Coinglass-Aufzeichnungen im Jahr 2021. Allein in einer einzigen Stunde summierten sich die Liquidationen auf über eine Milliarde US-Dollar.
Bitcoin-Short-Positionen trugen etwa 1,67 Milliarden US-Dollar zu diesem Wert bei, Ethereum-Shorts rund 1,14 Milliarden US-Dollar. Das Verhältnis von Short- zu Long-Liquidationen lag bei mehr als 10 zu 1, wobei rund 92 Prozent der Liquidationen auf die Short-Seite entfielen. Von den Liquidationen waren nach den verfügbaren Zahlen etwa 172.108 Trader betroffen.
Im Kontrast dazu beliefen sich die Long-Liquidationen auf etwa 263,5 Millionen US-Dollar.
Das tägliche Handelsvolumen von Bitcoin stieg in diesem Kontext um rund 250 Prozent auf etwa 59 Milliarden US-Dollar. Zugleich sprang der Coinbase Fear-and-Greed-Index von 41 („Angst“) auf 59 („Gier“). Der Short-Squeeze folgte auf eine Phase vergleichsweise niedriger Volatilität, die zu mehrjährigen Tiefstständen geführt hatte.
Noch am 16. August verzeichneten Krypto-Analyseplattformen wie CryptoQuant ein aggregiertes Long-Short-Verhältnis von rund 1,05, das am folgenden Dienstag auf etwa 0,835 fiel.
Makroökonomische Einflüsse und politische Signale
Mehrere Faktoren trugen zu dem Kursanstieg bei. Das U.S. Treasury kündigte an, seine Rückkäufe von langlaufenden Anleihen auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln. Diese Ankündigung zog die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen von ihrem Höchststand von 5,337 Prozent, dem höchsten Niveau seit 2007, zurück. Dies stärkte Risikoanlagen.
Zudem gab es politische Signale: US-Präsident Donald Trump forderte den Kongress auf, den Clarity Act zu verabschieden. Er deutete mögliche signifikante Bitcoin-Käufe durch die USA an und erwähnte, dass Regulierungsbehörden an einem regelkonformen Weg für die dezentrale Börse Hyperliquid arbeiten. Nach Darstellung der Berichte trafen diese Kommentare den Markt Stunden, nachdem der Großteil der Kursbewegung bereits erfolgt war.
Sie dienten als zweiter Schub, der den Bitcoin-Preis über 70.000 US-Dollar hob.
Analysten wie Mike McGlone von Bloomberg Intelligence hatten zuvor gewarnt, dass das Scheitern, den Widerstand bei 69.000 US-Dollar nachhaltig zu überwinden, ein Zeichen für ein Abklingen früherer Liquiditätsstimuli sein könnte. Das kurzfristige Überschreiten dieser Marke steht im Gegensatz zu dieser Einschätzung.
Rekordzuflüsse in Spot-ETFs
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten Netto-Zuflüsse von 517,19 Millionen US-Dollar an einem einzigen Tag. Nach Angaben der verfügbaren Daten ist dies der höchste Tageswert seit dem 4. Mai 2026.
BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) führte die Zuflüsse mit 284,7 Millionen US-Dollar an, gefolgt vom ARK 21Shares Bitcoin ETF (ARKB) mit 77,7 Millionen US-Dollar und Fidelitys Wise Origin Bitcoin Trust (FBTC) mit 62,4 Millionen US-Dollar. Diese Zuflüsse spiegeln eine erhöhte Nachfrage in den US-Spot-ETF-Produkten wider. BlackRock veröffentlichte zudem eine Studie, wonach eine kleine Bitcoin-Beimischung (ein bis zwei Prozent) in Portfolios den jährlichen Renditevorteil um etwa 0,95 bis 1,85 Prozentpunkte erhöhen kann.
Ausblick und offene Fragen
Die jüngsten Ereignisse werfen die Frage auf, ob der Kryptomarkt eine nachhaltige Trendwende eingeleitet hat. Die massive Liquidationswelle hat viele Short-Positionen aufgelöst, was kurzfristig zusätzlichen Aufwärtsdruck erzeugen kann, da der Verkaufsdruck von Short-Sellern reduziert ist. Offen bleibt, wie die US-Regulierungsbehörden ihre Pläne für die Krypto-Regulierung konkretisieren werden.
Dies gilt insbesondere im Kontext der SEC-Vorschläge zur Regulation von Krypto-Assets am 18. August und der jüngsten politischen Aussagen.
Die kontinuierlichen Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs deuten auf anhaltendes Interesse an diesen Produkten hin. Ihr langfristiger Einfluss auf die Marktstabilität und die Fähigkeit, makroökonomische Unsicherheiten zu dämpfen, sind jedoch noch unklar. Die Marktreaktion auf den jüngsten Anstieg zeigt eine Verschiebung im Fear-and-Greed-Index von Angst zu Gier.
Eine nachhaltige Konsolidierung oberhalb der nun erreichten Niveaus steht jedoch noch aus. Beobachter werden verfolgen, ob die erhöhte Volatilität ein dauerhaftes Merkmal des Marktes bleibt oder ob Bitcoin erneut in eine Konsolidierungsphase eintritt.







