KSP Engel gewinnt Architektenwettbewerb für Berlins Urbane Mitte Süd

Berlin, 26. August 2026. Das Architekturbüro KSP Engel hat den Realisierungswettbewerb für die Bebauung der südlichen Baufelder des Projekts „Urbane Mitte Am Gleisdreieck“ in Berlin gewonnen. Dies gab die Entwicklungsgesellschaft Periskop Development GmbH bekannt.

Gemeinsam mit nsp Landschaftsarchitekten Stadtplaner setzte sich KSP Engel gegen sechs weitere Planungsteams durch. Der Entwurf sieht ein Ensemble aus zwei unterschiedlich hohen Baukörpern vor, die einen gemeinsamen Sockel verbinden. Damit nimmt ein seit über einem Jahrzehnt geplantes und politisch umstrittenes Bauvorhaben am Gleisdreieckpark eine konkrete Form an.

Die geplante „Urbane Mitte Süd“ umfasst rund 23.750 Quadratmeter Geschossfläche. Periskop Development treibt das Projekt voran, der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen.

Städtebauliches Signal am Gleisdreieck

Der Entwurf von KSP Engel und nsp Landschaftsarchitekten Stadtplaner überzeugte das Preisgericht mit einer klaren städtebaulichen Setzung und einer robusten architektonischen Haltung. Geplant sind zwei Hochpunkte mit rund 49 Metern und 25 Metern Höhe. Diese sollen sich präzise in die stadträumliche Situation einfügen.

Der gemeinsame Sockelbereich öffnet sich zum Gleisdreieckpark und bildet damit die Schnittstelle zwischen Stadt, Park und Gebäude.

Dieser Sockel ist darauf ausgelegt, öffentlich zugängliche Nutzungen aufzunehmen. Dazu zählen Gastronomie, kleinteiliges Gewerbe, Sportflächen und eine Mehrzweckhalle. In den oberen Geschossen des Ensembles sind Beherbergungsangebote wie Hotels oder Mikrohotels, Büros sowie temporäres Wohnen vorgesehen. Dauerhaftes Wohnen ist aufgrund der Lärmbelastung am Standort nicht genehmigungsfähig.

Für Dr. Simon Kempf, Geschäftsführer der Periskop Development GmbH, liefert der Siegerentwurf eine überzeugende architektonische Antwort auf die spezifischen Anforderungen des Standorts. Berlins Senatsbaudirektorin Prof.

Petra Kahlfeldt betont die Bedeutung des Designs für die Einbindung in das Parkumfeld. Der Entwurf begegne diesem besonderen innerstädtischen Ort mit Robustheit und gestalterischer Kraft, heißt es.

Nachhaltigkeit und Effizienz im Fokus

Nachhaltigkeit und Flächeneffizienz waren zentrale Kriterien des Wettbewerbs. Das Gesamtquartier ist bereits von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) in Platin vorzertifiziert. KSP Engel plant die Obergeschosse des Gebäudes als Holz-Hybrid-Tragwerk, während massive Bauteile in Recyclingbeton ausgeführt werden sollen.

Das Energiekonzept ist fossilfrei konzipiert. Es umfasst Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen sowie Speicher. Ein kompaktes Gebäudedesign mit reduziertem Verglasungsanteil soll zudem den Wärme- und sommerlichen Wärmeschutz optimieren.

Ferner wird ein Regenwasserkonzept nach dem Prinzip der Schwammstadt umgesetzt. Die Null-Abfluss-Strategie sieht Retentionsflächen, Mulden, Rigolen und versickerungsfähige Bereiche vor. Dies soll zum Erhalt bestehender Bäume beitragen und durch Klimabäume ergänzt werden.

Die Freiraumgestaltung wird als Fortsetzung des Gleisdreieckparks entwickelt. Dazu gehören Vorplätze, Caféterrassen und vielfältige Aufenthaltsflächen.

Politische Turbulenzen und juristische Herausforderungen

Die Entwicklung der „Urbanen Mitte“ blickt auf eine lange Historie zurück. Politische Debatten und Widerstände prägten diese Zeit. Die Ursprünge reichen bis zu einem Rahmenvertrag aus dem Jahr 2005.

Dieser sah Baurechte an der Parkrandbebauung als Ausgleich für die Schaffung des Gleisdreieckparks vor. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellte sich über Jahre hinweg gegen die Pläne, bis Bausenator Christian Gaebler das Projekt an sich zog.

Zuletzt reichte der Umweltrechtsanwalt Philipp Schulte im Juli 2026 im Auftrag der Naturfreunde Berlin e. V. einen Normenkontrollantrag gegen den Bebauungsplan „Urbane Mitte Süd“ ein. Der Antrag zielt auf eine rechtliche Überprüfung und potenzielle Unwirksamkeitserklärung des Bebauungsplans beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ab.

Während an der Luckenwalder Straße bereits Abrissarbeiten begonnen haben, blicken Entwickler und Kritiker gleichermaßen auf die juristische Klärung und die anstehenden Bauphasen. Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts wird den weiteren Projektverlauf maßgeblich beeinflussen und könnte den Zeitplan sowie die Kostenstruktur erheblich verändern.