Die Multichain-Infrastruktur avanciert zu einer Kernanforderung für die Entwicklung von KI und Web3. Multichain-Lösungen sollen die Komplexität dezentraler Anwendungen für Nutzer und Entwickler reduzieren und die Fragmentierung zwischen Netzwerken adressieren. Aktuelle Entwicklungen bei KuCoin und Circle verdeutlichen diesen Trend.
Die Blockchain-Landschaft ist durch unterschiedliche Protokolle, Liquiditätsinseln und Transaktionsökonomien fragmentiert. Dies stellt eine Hürde für die breite Adaption des Web3 dar. Multichain-Infrastrukturen zielen darauf ab, diese Isolation zu überwinden.
Sie bieten die notwendige Konnektivität, damit Anwendungen und Nutzer über einzelne Blockchains wie TRON oder BNB Chain hinweg agieren können.
Ziel ist es, Blockchain-Interaktionen für Endnutzer zunehmend unsichtbar zu gestalten. Dies wird erreicht, indem mehrere Netzwerke mit bekannten Wallet-Erfahrungen verbunden werden. Die Wallet-Infrastruktur fungiert dabei als Zugriffsschicht, die eine Verbindung zwischen Nutzer, Wallet, Anwendung und Blockchain herstellt.
Technologie-Riesen investieren in Interoperabilität
Führende Akteure der Branche reagieren auf diese Entwicklung. KuCoin, eine Kryptobörse und Betreiber des KuCoin Web3 Wallet, kündigte im September 2026 ein Upgrade seiner Web3-Wallet-Infrastruktur an. Das Update vereint Swap‑ und Limit‑Order‑Funktionalitäten in einem selbstverwalteten Interface und nutzt dafür Integrationen wie UniswapX, PancakeSwapX sowie 1inch.
Diese Ankündigung steht im Kontext breiterer Diskussionen um die Tokenisierung und erweiterte Handelswege für tokenisierte Vermögenswerte. Native Integrationen für viele Web3-Anwendungen spielen dabei eine wichtige Rolle, wie das Beispiel MetaMask zeigt.
Einen wichtigen Schritt markiert die Circle Internet Group, Inc.: Am 16. September 2026 startete das Unternehmen das Arc Mainnet, ein offenes Layer‑1‑Blockchain‑Netzwerk. Arc ist für Finanzmärkte, Echtzeit‑Geldtransfers und agentenbasierte Wirtschaftsaktivitäten konzipiert.
Jeremy Allaire, Co‑Founder, Chairman und CEO von Circle, bezeichnet Arc als die bedeutendste Markteinführung in Circles Geschichte seit USDC selbst. Das Netzwerk ist als erste Blockchain entwickelt worden, die von Grund auf für KI‑Agenten als wirtschaftliche Akteure gedacht ist.
KI‑Agenten sind Entitäten, die mit mehreren Chains interagieren, dezentrale Anwendungen nutzen, Assets bewegen und autorisierte Transaktionen ausführen müssen. Solche Szenarien verstärken die Anforderungen an Multichain‑Konnektivität.
Marktpotenzial und regulatorische Diskussionen
Prognosen sehen das Marktvolumen von Web 3.0 bei 4,63 Milliarden US‑Dollar im Jahr 2025 und erwarten einen Anstieg auf 176,32 Milliarden US‑Dollar im Jahr 2034. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 49,84 Prozent für den Zeitraum 2026 bis 2034. Dezentrale Anwendungen (DApps) sollen 2025 einen Anteil von rund 30 Prozent des Marktes ausmachen.
Nordamerika wird mit etwa 40 Prozent als größter regionaler Markt prognostiziert, gefolgt von Europa mit 25 Prozent und dem asiatisch‑pazifischen Raum mit 20 Prozent.
Die Tokenisierung von Real World Assets und die zunehmende Nutzung von Stablecoins wie USDC gelten als treibende Faktoren. USDC hatte am 16. September 2026 mehr als 74 Milliarden US‑Dollar im Umlauf und macht 98,8 Prozent des agentengetriebenen Transaktionsvolumens aus.
Arc startete mit einem Founding‑Validator‑Cohort, dem unter anderem BlackRock, The Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), Galaxy, ICE, Mastercard, MoneyGram, SBI Group, Standard Chartered, Sumitomo Corporation, Visa und Worldpay angehören. Robbie Mitchnick, Global Head of Digital Assets bei BlackRock, schätzt ein, dass zweckgebundene Blockchains die Akzeptanz digitaler Assets beschleunigen können. Arc scheine gut positioniert für Stablecoin‑ und Zahlungsanwendungen in großem Maßstab.
Trotz des prognostizierten Wachstums bleiben Regulierungsfragen ein zentraler Diskussionspunkt. Die Bedeutung von Compliance und Regulierungsdiskussionen wird betont. Circle erwähnt den „GENIUS Act“ im Zusammenhang mit Arc als Weg zur „regulatory clarity“. Nähere Details dazu liegen jedoch nicht vor.
Technische Features von Arc, etwa eine „Opt‑in privacy“‑Funktion für vertrauliche Transaktionen und Salden, befinden sich noch in Entwicklung für eine netzwerkweite Freigabe. Projekte wie Quant zielen darauf ab, ein dezentrales, nahtloses Netzwerk aus verschiedenen Blockchain‑Protokollen zu schaffen. Dies gilt als Option für Banken und Institutionen zur Automatisierung von Cashflows.
Die weitere Integration von Multichain‑Lösungen und KI‑Agenten in bestehende Finanzsysteme hängt maßgeblich von technologischem Fortschritt und den Rahmenbedingungen durch Regulierungsbehörden ab.







