L’Oréal treibt die digitale Transformation mit einer unternehmensinternen GenAI-Lösung namens „L'Oréal GPT“ voran. Der Kosmetikkonzern stattet seine Mitarbeiter weltweit mit dieser Plattform aus, um interne Prozesse zu optimieren und Kundenerlebnisse zu personalisieren. Eine Kooperation mit OpenAI untermauert diesen strategischen Schritt.

Die Zusammenarbeit wurde am 17. Juni 2026 auf der Technologiekonferenz VivaTech in Paris bekannt gegeben. Sie ist Teil von L’Oréals „Transformative AI“-Roadmap. Ziel dieser Initiative ist es, bis zu 90.000 Mitarbeiter zu befähigen, effizienter und kreativer zu arbeiten. Zugleich sollen Abläufe in Forschung, Entwicklung und Marketing optimiert werden.

L’Oréal GPT: Interne GenAI für 73.000 Mitarbeiter

Im Zentrum der digitalen Offensive steht „L'Oréal GPT“, eine eigens entwickelte, unternehmensinterne GenAI-Lösung. Die Plattform soll den sicheren Umgang mit generativer KI gewährleisten und geistiges Eigentum sowie Kundendaten schützen. Beatrice Dautzenberg, Global Director of Beauty Tech Services bei L’Oréal, betont die Rolle von L'Oréal GPT bei der Absicherung der internen GenAI-Nutzung.

Bereits 73.000 der weltweit über 95.000 L’Oréal-Mitarbeiter wurden in generativer KI geschult. Sie erhielten Zugang zu internen Tools wie L'Oréal GPT sowie persönlichen KI-Begleitern. Die Lösung basiert auf Gemini Pro 1.5.

Sie ermöglicht es Mitarbeitern, PDF-Dateien und andere Dokumente hochzuladen und in natürlicher Sprache Fragen zu stellen. L'Oréal GPT nutzt Retrieval Augmented Generation (RAG) und stellt Quellmaterial zur Überprüfung der generierten Informationen bereit.

Die Plattform agiert als „GenAI as a Service“ und nutzt Google Cloud Run sowie das LangChain-Framework. L'Oréal beschreibt die Strategie als „Augmentation, not automation“. KI soll demnach Mitarbeiter ergänzen, nicht ersetzen.

Das Unternehmen investiert in die kontinuierliche Weiterbildung der Belegschaft, bietet E‑Learning-Module wie „GenAI for All“ und „Prompt Challenges“ an und hat eine „Squad AI“ für Geschäfts- und Personalthemen eingerichtet. Asmita Dubey, Chief Digital and Marketing Officer, erläutert, L’Oréal stelle hohe Anforderungen an KI, um Kunden, Fachbereiche und Mitarbeiter optimal zu unterstützen.

Kooperation mit OpenAI und NVIDIA erweitert Anwendungsfelder

Die Partnerschaft mit OpenAI ist ein zentraler Baustein der KI-Strategie von L’Oréal. Emmanuel Marill, Geschäftsführer für EMEA bei OpenAI, hob bei der Ankündigung hervor, dass L’Oréal Wissenschaft, Kreativität und Technologie zusammenbringt. Die Zusammenarbeit soll Forschung und Innovation beschleunigen.

Sie will zudem neue Arbeitsweisen für Mitarbeiter unterstützen und intuitivere Erlebnisse für Verbraucher schaffen.

Externe Anwendungsfelder der Kooperation umfassen unter anderem die virtuelle Make‑up-Anprobe von Maybelline New York direkt in ChatGPT. Diese wird durch L’Oréals ModiFace‑Technologie unterstützt. Parallel dazu soll die Produktsuche für Marken wie Lancôme und Kérastase innerhalb von ChatGPT in den USA verstärkt werden.

Ein Pilotprojekt mit ChatGPT zielt darauf ab, KI‑native Werbung für Marken wie SkinCeuticals, CeraVe und Garnier im Moment der Kaufabsicht zu platzieren.

Auch intern ergeben sich Anwendungsfelder in Forschung und Entwicklung: Das speziell von OpenAI entwickelte Modell GPT‑Rosalind wird eingesetzt, um das Hautmikrobiom zu kartieren und die Entwicklung natürlicher Hautpflegeprodukte zu beschleunigen. Dies beginnt mit der Marke La Roche‑Posay. In Kooperation mit NVIDIA und deren Plattform Alchemy sollen Moleküle deutlich schneller entwickelt werden.

L’Oréal nennt eine Beschleunigung um das Zehnfache. GenAI kommt überdies zum Einsatz, um Produktformulierungen zu optimieren und den Einsatz erneuerbarer Inhaltsstoffe voranzutreiben. Dies dient dem Erreichen von Umweltzielen wie Klimaneutralität.

Im Marketing und der Content‑Produktion setzt L’Oréal auf „CreAItech“. Dies ist eine hauseigene GenAI‑Plattform für Beauty‑Inhalte, die Bilder und Videos im Stil der Markentradition erstellt. Sie ergänzt menschliche Kreativität.

Guive Balooch, Global Vice President Augmented Beauty and Open Innovation, äußert, L’Oréal wolle in den jeweiligen Anwendungsfeldern mit den jeweils Besten zusammenarbeiten.

Auswirkungen und Ausblick auf den Beauty‑Markt

Das Magazin Fortune zeichnete L’Oréal 2025 als innovativstes Unternehmen Europas aus. Das Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von 44,05 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben beschäftigt es mehr als 4.000 Wissenschaftler in 22 Forschungszentren sowie über 8.000 digitale Talente.

Die Befähigung von Mitarbeitern über L'Oréal GPT und die Zusammenarbeit mit Technologiepartnern wie OpenAI, Google Cloud und NVIDIA sind Teil der Strategie, technologische Innovation systematisch in das Unternehmen zu integrieren. Für die zukünftige Roadmap plant L’Oréal den Einsatz von KI‑Agenten, Graphdatenbanken und Langzeitgedächtnissystemen.

Zudem kündigte L’Oréal kürzlich die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an dem indischen Beauty‑Unternehmen Innovist an. Der Abschluss des Deals ist für die kommenden Monate vorgesehen. Diese Akquisition unterstreicht den strategischen Fokus des Konzerns auf Wachstum durch digitale Innovation und Marktdurchdringung.

Analysten beobachten, inwieweit diese Investitionen die Marktposition L'Oréals im globalen Wettbewerb weiter stärken und neue Maßstäbe in der Schönheitsindustrie setzen.