Lars Hinrichs, Gründer des Business-Netzwerks Xing und ehemaliges Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Telekom, fordert etablierte Mobilfunkkonzerne mit seinem neuen Dienst Simsalasim heraus. Das Angebot, das in dieser Woche startet, verspricht unbegrenzte mobile Daten für zehn Euro pro Monat in rund 100 Ländern. Mit diesem Zehn-Euro-Tarif und einer schlanken, KI-gestützten Struktur tritt Hinrichs als virtueller Netzbetreiber gegen Branchengrößen wie Telekom und Vodafone an.
Radikaler Tarif und internationales Roaming
Simsalasim positioniert sich mit einem unlimitierten Datentarif für zehn Euro monatlich, gültig in etwa 100 Ländern. Das Angebot umfasst ebenso unbegrenzte Telefonie und SMS in rund 50 Ländern. Der Preis soll dauerhaft gelten und nicht als Lockangebot dienen, wie Hinrichs betont. Eine Anschlussgebühr entfällt.
Technologisch läuft der Dienst vollständig digital über eSIM, was eine rein digitale Aktivierung ermöglicht. Simsalasim schließt die Nutzung des Smartphones als Hotspot, also Tethering, für Laptops oder andere Geräte aus. Damit soll die Nutzung als stationärer Internetzugang begrenzt werden.
Simsalasim gibt an, es gebe keine Drosselung des Datenvolumens. Die vollständigen Tarifbedingungen sind jedoch noch nicht veröffentlicht, sodass mögliche Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Fair-Use-Regeln bislang unklar bleiben.
Schlanke Struktur durch KI und externe Netzkapazitäten
Das Geschäftsmodell von Simsalasim verzichtet auf eigene Mobilfunkinfrastruktur und klassische Ladengeschäfte. Stattdessen kauft das Unternehmen Netzkapazitäten ein und agiert als virtueller Netzbetreiber. In Deutschland nutzt Simsalasim Kapazitäten von Telefónica (O₂).
Bei der Bundesnetzagentur sind dem Anbieter eigene Kennungen zugeteilt, darunter der Mobile Network Code 262-26 und der Rufnummernblock 015-333.
Einen zentralen Beitrag zur Kostenkontrolle soll ein hoher Automatisierungsgrad durch Künstliche Intelligenz leisten. Software und KI sollen Bereiche wie Programmierung, Abrechnung, Marketing und Kundenservice weitgehend automatisieren. Das Unternehmen nennt eine Personalstärke von 25 Beschäftigten.
Hinrichs verfolgt das Konzept eines „One-Person-Unicorn“, also eine sehr hohe Bewertung bei geringer Personaldecke. Die monatlichen Kosten für KI-Dienste beziffert das Unternehmen auf knapp 80.000 Euro.
Hinrichs’ Kritik an der Telekommunikationsbranche
Lars Hinrichs, der von Oktober 2013 bis April 2025 im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom saß, kritisiert etablierte Telekommunikationsunternehmen für fehlende Innovationen. Er erklärt, die Branche habe in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren vorrangig über Zeit, Preis und Datenvolumen konkurriert. Hinrichs bezeichnet Simsalasim als einen „schwarzen Schwan“, der bestehende Geschäftsmodelle infrage stellen könnte.
Das Unternehmen plant zudem weitere KI-gestützte Funktionen. Dazu zählen Telefonie-Assistenten für Konferenzschaltungen, Gesprächsmitschriften und Übersetzungen sowie Werkzeuge zur Mobilfunkkontrolle für Eltern. Die Einbindung dieser Features könnte den Mehrwert für bestimmte Nutzergruppen steigern.
Finanzierung und Marktvergleich
Die US-Muttergesellschaft Simsalasim Inc. meldete der US-Börsenaufsicht SEC im April 2025 die Einwerbung von umgerechnet rund 4,8 Millionen Euro von elf Investoren. Dieses Kapital soll dem Aufbau und der Skalierung des Geschäfts dienen. Die Kalkulation des Zehn-Euro-Tarifs beruht nach Unternehmensangaben auf einer Mischkalkulation.
Dabei sollen viele moderat verbrauchende Kunden die Kosten für wenige Vielnutzer mittragen.
Als Vergleich wird oft Mint Mobile genannt. Die Muttergesellschaft von Mint Mobile wurde im Mai 2024 von T-Mobile US für bis zu 1,17 Milliarden Euro übernommen. Mint Mobile setzte ebenfalls auf ein Discount-Modell mit dem Einkauf externer Netzkapazitäten.
Michael Dobler (Herausgeber von Dr. Web) weist darauf hin, dass sich eine derartige Zehn-Euro-Flatrate nur mit überwiegend wenig verbrauchenden Kunden rechne. Als Kalkulationsreferenz dient zudem ein Roaming-Großhandelspreis, der seit Januar 2026 mit 1,10 Euro pro Gigabyte angegeben wird.
Reaktionen und offene Fragen
Telekommunikationsexperte Peter Winzer von der Hochschule Rhein-Main äußert sich skeptisch zum Nutzwert einer globalen Datenflatrate. „Die wenigsten werden es wirklich brauchen“, so seine Einschätzung. Die Ankündigung von Simsalasim fällt in ein Umfeld, in dem etablierte Anbieter reagieren. Die Deutsche Telekom verkauft seit dem 21. September eigene Reise-eSIMs unter dem Namen T-Travel.
Obwohl Simsalasim in dieser Woche starten soll, können sich Interessierte auf der Webseite derzeit lediglich auf eine Warteliste eintragen. Unklar bleiben die genauen Strukturen der internationalen Partnerschaften und die Konditionen, zu denen Datenkapazitäten im Ausland eingekauft werden. Ebenso sind die konkreten, messbaren Kostenvorteile der angekündigten KI-Integration nicht detailliert öffentlich dargestellt.
Ob Hinrichs' Modell etablierte Anbieter wie Telekom und Vodafone unter Druck setzt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen. Marktbeobachter erwarten gespannt, wie sich Simsalasim in einem wettbewerbsintensiven Umfeld behaupten kann.







