Angesichts steigender Zinsen suchen Anleger nach attraktiven Alternativen zu klassischen Sparprodukten. Spezielle Anleihe-ETFs, sogenannte Laufzeit-ETFs, positionieren sich aktuell als Option, die Festgeldkonten in puncto Rendite übertreffen kann. Eine aktuelle Analyse hebt hervor, dass mit diesen Produkten Renditen von bis zu 4,4 Prozent pro Jahr möglich sind.

Die besten Festgeldangebote liegen laut Raisin bei 4,00 Prozent. Tagesgeldkonten bieten indes oft befristete Aktionszinsen.

Die Anleihe-Logik als Renditetreiber

Laufzeit-ETFs basieren auf einem Portfolio von Anleihen. Anleihen sind Schuldverschreibungen, die Staaten oder Unternehmen zur Kapitalbeschaffung ausgeben. Im Gegenzug erhalten Anleger über eine festgelegte Laufzeit regelmäßige Zinszahlungen.

Ein Anleihe-ETF bündelt dabei eine Vielzahl solcher Wertpapiere, um das Risiko zu streuen. Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Anleihe-ETFs besteht in einem festen Enddatum: Zu diesem Zeitpunkt enden die Fonds in einem festgelegten Jahr, und das verbleibende Fondsvermögen wird an die Anleger ausgeschüttet.

Diese Struktur schafft eine Parallele zur planbaren Ausgestaltung eines Festgeldes. Sie kombiniert jedoch die Flexibilität des Börsenhandels mit der Aussicht auf höhere Renditen. Festgeld ist eine Geldanlage mit einem festen Zinssatz über eine vereinbarte Laufzeit.

Das Kapital ist während der Laufzeit in der Regel nicht verfügbar. Die Zinssätze variieren je nach Anbieter, Anlagebetrag und Laufzeit. Tagesgeld bietet tägliche Verfügbarkeit, hat jedoch variable Zinsen und häufig befristete Aktionsangebote für Neukunden.

Renditevergleich: Laufzeit-ETFs überholen Festgeld

Ein Blick auf die aktuellen Marktzinsen verdeutlicht das Renditeumfeld. Während die Analyse von bis zu 4,4 Prozent Rendite pro Jahr spricht, bieten Festgeldkonten laut Raisin derzeit maximal 4,00 Prozent p. a. für eine 120-monatige Laufzeit. Kürzere Festgeldlaufzeiten liegen niedriger: Für zwölf Monate nennt Raisin Spitzenwerte von 3,55 Prozent, für 36 Monate 3,70 Prozent.

Tagesgeldkonten erreichen für Neukunden teils höhere Zinsen, oft jedoch nur befristet und unter Bedingungen. Beispiele aus dem Marktdatenbestand: Revolut bietet 4,25 Prozent p. a. für Neukunden für bis zu vier Monate (maximal 25.000 Euro). Der Aktionszinssatz ist an Bedingungen wie Girokontoeröffnung und Kartenzahlungen gebunden; der Basiszinssatz liegt niedriger.

Die Renault Bank direkt vergibt 4,10 Prozent p. a. für vier Monate (maximal 250.000 Euro) für Neukunden. Danach greift der Basiszins von 1,0 Prozent p.a.

Die Inflationsrate in Deutschland lag im August bei 2,9 Prozent. Dies kann reale Erträge aus Fest- und Tagesgeld schmälern.

Risiken und Chancen: Mehr als nur Zinsen

Die potenziell höhere Rendite von Laufzeit-ETFs geht mit spezifischen Risiken einher, die bei Festgeld nicht auftreten. Zwar generieren die Fonds Zinserträge aus den zugrunde liegenden Anleihen, doch können Zinsänderungen auf dem Kapitalmarkt den Marktwert der ETFs beeinflussen. Steigende Marktzinsen drücken den Wert bestehender Anleihen und damit den Wert des ETFs.

Sinkende Zinsen wirken umgekehrt.

Wechselkursschwankungen spielen eine Rolle, wenn ein ETF in ausländische Anleihen investiert. Zudem bestehen Bonitätsrisiken der Emittenten, da Ausfälle einzelner Schuldner möglich sind.

Festgeld, das bei Banken innerhalb der Europäischen Union angelegt wird, ist in der Regel durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt. Laufzeit-ETFs sind Sondervermögen und damit im Fall einer Insolvenz des Anbieters abgesondert. Sie schützen jedoch nicht vor Kursverlusten der enthaltenen Anleihen.

Die breitere Streuung innerhalb eines ETFs reduziert das Risiko einzelner Ausfälle, beseitigt es jedoch nicht vollständig.

Markt- und Zinsentwicklung: Die EZB als Einflussfaktor

Die Zinsentwicklung wird maßgeblich von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank beeinflusst. Im Juni 2026 erhöhte die EZB den Leitzins; im Juli 2026 beließ sie ihn bei 2,25 Prozent. Für die EZB-Sitzung am 10.

September 2026 erwarteten Analysten eine weitere Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Solche Entscheidungen beeinflussen die allgemeinen Marktzinsen und damit sowohl Fest- als auch Tagesgeldangebote sowie die Renditen von Anleihen und Laufzeit-ETFs.

Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox Finanzvergleich, kommentiert die aktuelle Marktsituation: „Die Geldhäuser nutzen fest angelegte Spargelder zur Refinanzierung ihrer ausgegebenen Kredite und verdienen an der Zinsdifferenz.“ Ende 2022 lagen Festgeldzinsen über sämtliche Laufzeiten über dem EZB‑Einlagezins. Im März 2026 lag der durchschnittliche Zinssatz für einjähriges Festgeld bei 2,00 Prozent; der Zinssatz, zu dem Banken sich für zwölf Monate Geld leihen, betrug damals 2,23 Prozent.

Bis August 2026 stieg das einjährige Festgeld auf durchschnittlich 2,43 Prozent, während der Banken-Zinssatz 2,99 Prozent erreichte.

Ausblick: Anpassungsdruck auf Banken und neue Produkte

Die Präsenz von Laufzeit-ETFs als renditeorientierte Alternative dürfte den Wettbewerb um Einlagen verstärken. Analysten erwarten, dass sich der Wettbewerb um Anlegergelder intensiviert. Dies kann mittelfristig zu Anpassungen der Zinskonditionen führen. Für Anleger stellt sich die Frage, inwiefern sie bereit sind, für potenziell höhere Renditen ein höheres Risiko einzugehen.

Die Entwicklung des EZB-Leitzinses bleibt ein entscheidender Faktor für die Marktdynamik. Zudem wird zu beobachten sein, ob weitere Finanzdienstleister spezielle Laufzeit-ETFs auflegen, um auf die wachsende Nachfrage zu reagieren.