Leica Camera, der Premiumhersteller für Kameras, Objektive und Sportoptik, rückt erneut in den Fokus des Finanzmarkts. Die Mehrheitseigentümer, darunter Andreas Kaufmann und der Finanzinvestor Blackstone, prüfen laut Berichten einen potenziellen Anteilsverkauf. Dieser Schritt könnte das Unternehmen mit rund 1 Milliarde Euro bewerten.

Die Traditionsmarke aus Wetzlar erweitert ihr Geschäftsmodell inzwischen über klassische Kameras hinaus.

Das Interesse namhafter Investoren ist nicht neu. Blackstone hält bereits seit 2011 eine 45-Prozent-Beteiligung an Leica Camera. Als mögliche Käufer werden HSG (ehemals Sequoia Capital China) und das schwedische Unternehmen Altor genannt.

Ein solcher Deal würde eine neue Bewertung des Unternehmens festschreiben. Leica blickt auf eine Unternehmensgeschichte zurück, die bis zur Gründung des Optischen Instituts durch Carl Kellner 1849 reicht. Die Marke gilt als Inbegriff deutscher Handwerkskunst und technologischer Exzellenz.

Strategie des kontrollierten Wachstums

Leica verfolgt laut Unternehmensangaben eine Strategie, die auf limitierter Produktion in Europa basiert. Die Fertigung erfolgt hauptsächlich am Standort Wetzlar und in einem Werk in Portugal. Gleichzeitig skaliert Leica über Lizenzierungen und Kooperationen, vorrangig in China. Das Unternehmen hält die Produktion bewusst unterhalb der Nachfrage, um Premiumpreise zu sichern.

Andrea Pacella, Global Marketing Chief von Leica, äußerte, das Unternehmen habe nie in Erwägung gezogen, die Fabrikschichten zu verdoppeln. Man ziehe es vor, den Premiumpreis zu halten, statt zu überproduzieren. Dies zeigt sich am Beispiel der M-Serie: Im Wetzlarer Werk entstehen pro Tag etwa 45 M-Serien-Messsucherkameras.

Bei rund 240 Produktionstagen im Jahr entspricht dies einer geschätzten Jahresproduktion von etwa 10.800 Gehäusen.

M-Serien-Kameras bewegen sich preislich zwischen etwa 7.000 US-Dollar für die M6 Filmkamera und über 10.000 US-Dollar für die digitale M11. Diese Serie macht schätzungsweise 9 bis 14 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die Q-Serie, eine Reihe kompakter Kameras mit Festbrennweite, verkauft sich nach Angaben von Leica etwa doppelt so häufig wie das gesamte M-System.

Die Q3 wurde als meistverkaufte Digitalkamera des Unternehmens identifiziert.

Umsatzentwicklung und Profitabilität

Die finanzielle Entwicklung zeigt gemischte Signale. Für das Geschäftsjahr bis März 2026 wird der Konzernumsatz mit 573 Millionen Euro angegeben. Dies entspräche einem Rückgang von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und würde eine vierjährige Rekordserie beenden.

Leica nennt geopolitische Unsicherheit, ungünstige Wechselkurse und strengere Zollvorschriften als Gründe. Das Wachstum habe sich zuletzt hauptsächlich auf den Heimatmarkt Deutschland konzentriert.

Andere Angaben nennen für das Geschäftsjahr 2023/24 einen Konzernumsatz von 554 Millionen Euro. Berichte besagen zudem, dass der Konzernumsatz im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr auf knapp 600 Millionen Euro gestiegen sei. Die Diskrepanzen in den Zahlen lassen sich mit unterschiedlichen Bezugsperioden und Konsolidierungsebenen erklären.

Die Leica Camera AG als Teil des Konzerns wies im Geschäftsjahr 2023/24 einen Umsatz von 385 Millionen Euro aus. Der Bericht nennt rund 11 Prozent Betriebsgewinn für diese Einheit. Das Unternehmen betont, trotz eines schwierigen Umfelds weiterhin profitabel zu sein.

Expansion jenseits der Fotografie

Unter der Führung von Andreas Kaufmann, der 2004 zu investieren begann, diversifiziert Leica sein Angebot. Das Portfolio umfasst neben klassischer Fotografie Bereiche wie Mobile Imaging, hochwertige Brillengläser, Uhren und Heimkinoprojektoren. Partner sind unter anderem Xiaomi für das Leitzphone und Hisense für den Heimkino-Projektor Cine 1.

Leica arbeitet zudem an der Ko-Entwicklung eines eigenen Sensors mit dem CMOS-Hersteller Gpixel aus China. Aktuell liefern für bestimmte Modelle primär Sony-Sensoren, historisch wurden Sensoren von Kodak verwendet.

Im April wurde Andreas Voll zum CEO ernannt. Der 44-jährige frühere Berater fokussiert sich laut Berichten auf stärker videofokussierte Produkte und preislich günstigere Kameras. Dies soll jüngere Käufer ansprechen.

Historische und aktuelle Marktposition

Die Firmengeschichte reicht zurück bis 1849 mit dem Optischen Institut Carl Kellner. Oskar Barnack entwickelte ab 1913/1914 die frühe Leica-Kamera, und Ernst Leitz II entschied 1924 die Großserienfertigung. Leica-Kameras gelten heute als begehrte Sammlerstücke.

Auktionspreise dokumentieren diese Position: Eine Leica-0-Serie Nr. 105 wurde 2022 bei der 40. Leitz Photographica Auction für 14,4 Millionen Euro inklusive Aufschlag verkauft. Dies markierte laut Quellen einen Weltrekord für die teuerste Kamera.

Eine weitere 0‑Serie‑Kamera von 1923 erzielte 2023 bei einer Auktion 3,5 Millionen Euro. Frühere Verkäufe dieser Serie liegen ebenfalls im Millionenbereich.

Die Prüfung eines Anteilsverkaufs zu einer Bewertung von rund 1 Milliarde Euro wurde in mehreren Berichten genannt. Ob ein Verkauf zustande kommt, ist offen. Der Ausgang der Verkaufsgespräche wird zeigen, inwieweit mögliche neue Partner die strategische Ausrichtung von Leica beeinflussen und ob die angestrebte Bewertung realisiert wird.

Der Markt beobachtet, wie sich Leica unter neuer Führung und mit möglichen neuen Anteilseignern weiterentwickelt. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie das Unternehmen die Balance zwischen Tradition und Innovation hält.