Lenzing sichert sich frisches Kapital von rund 300 Millionen Euro. Eine Barkapitalerhöhung mit Bezugsrechten soll den Umbau des Unternehmens zu „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ finanzieren und die Kapitalstruktur des Faserproduzenten stärken. Die außerordentliche Hauptversammlung beschloss diese Maßnahme bereits am 25.
August 2026. Aktuell sorgen die Konditionen und eine Transaktion zwischen den Kernaktionären B&C und Suzano für Diskussionen unter Marktbeobachtern.
Strategische Neuausrichtung und Finanzierungsbedarf
Die Lenzing AG, ein im ATX gelisteter österreichischer Faserproduzent, will mit der Transaktion die finanzielle Flexibilität stärken und die Transformation des Geschäfts vorantreiben. Vorstandschef Georg Kasperkovitz betont, dass damit die Voraussetzungen geschaffen werden, die Profitabilität der Lenzing AG nachhaltig zu steigern und langfristigen Wert zu schaffen. Das Unternehmen strebt ein Bruttoerlösvolumen von rund 300 Millionen Euro an.
Geplant ist die Ausgabe von 34.756.362 neuen Stückaktien zum Bezugspreis von 8,65 Euro je neuer Aktie. Dieser Preis entspricht einem Abschlag von 42,50 Prozent auf den theoretischen Preis ohne Bezugsrechte, basierend auf dem Schlusskurs vom 30. September 2026. Aktionäre können für je zehn alte Aktien neun neue Anteile zeichnen. Die neuen Aktien sind ab dem 1. Januar 2026 gewinnberechtigt.
Ein Konsortium aus BNP Paribas, Unicredit, Commerzbank und Erste Group garantiert die Kapitalerhöhung. Auch die Großaktionäre B&C-Gruppe, Suzano S.A. und Oberbank AG haben Zeichnungsverpflichtungen abgegeben. Die B&C-Gruppe beteiligt sich mit rund 157,1 Millionen Euro aus der Ausübung der Bezugsrechte des Syndikats.
Suzano investiert rund 22,5 Millionen Euro und die Oberbank AG etwa 11,6 Millionen Euro.
Großaktionäre und ihre Rolle
Das Syndikat aus B&C und Suzano hält indirekt rund 52,25 Prozent der Anteile und bleibt damit ein zentraler Akteur. Vor der Kapitalerhöhung hielten B&C 37,25 Prozent und Suzano 15 Prozent der Anteile. Nach der Transaktion wird die B&C-Gruppe rund 39,64 Prozent der Anteile halten.
Suzano S.A. sinkt auf 12,6 Prozent. Zusammen ergibt dies weiterhin etwa 52,24 Prozent; der Syndikatsvertrag sichert der B&C-Gruppe die alleinige Kontrolle.
Bereits im Juni 2024 hatten B&C und Suzano eine langfristige Partnerschaft zur Mehrheitsbeteiligung an Lenzing bekannt gegeben. Damals erwarb Suzano 15 Prozent der Lenzing-Aktien von B&C zu 39,70 Euro je Aktie und erhielt eine Option auf weitere 15 Prozent bis Ende 2028. Wolfgang Hofer, Aufsichtsratsvorsitzender der B&C-Gruppe, kommentierte die Partnerschaft entsprechend.
Aufsehen erregt der Verkauf von Bezugsrechten zwischen den Kernaktionären: Suzano verkauft Bezugsrechte, die zum Bezug von 1.757.754 neuen Aktien berechtigen, an eine Gesellschaft der B&C-Gruppe. Florian Beckermann, Präsident des österreichischen Interessenverbands für Anleger (IVA), fordert die Offenlegung der wirtschaftlichen Bedingungen dieser Transaktion zwischen Großinvestoren. Lenzing gibt an, die Konditionen dieser internen Absprache nicht zu kennen.
Aktienkurs und Analystenbewertungen
Du beobachtest deutliche Kursreaktionen: Am Tag der Bekanntgabe fiel der Aktienkurs der Lenzing in der Spitze um 14,6 Prozent. Er erreichte einen Stand, der Berichten zufolge dem tiefsten seit 2009 entspricht. Analyst Sebastian Bray von Berenberg bewertet die Kapitalerhöhung als notwendigen Schritt, bezweifelt jedoch, dass sie allein ausreicht, um die finanzielle Lage vollständig zu konsolidieren.
Berenberg rechnet damit, dass die Nettoverschuldung selbst nach der Kapitalerhöhung beim Vierfachen des operativen Gewinns (Ebitda) liegen dürfte. Lenzing peilt mittelfristig weniger als das 2,5-fache an. 2023 hatte Lenzing bereits 400 Millionen Euro bei einer Kapitalerhöhung zu 33,10 Euro je Aktie eingesammelt. Beckermann vom IVA bezeichnet zwei große Kapitalerhöhungen innerhalb von drei Jahren als „kein Normalzustand“.
Er kritisiert zudem, dass Eigenkapital verbrannt worden sei. Er weist darauf hin, dass ein Bezugspreis von 8,65 Euro gegenüber einem zuletzt genannten Börsenkurs von 20,80 Euro einen erheblichen Abschlag bedeutet und die Nichtausübung der Bezugsrechte zu einer Verwässerung führt.
Ausblick auf die Unternehmensstrategie
Die finanzielle Neuausrichtung geht mit operativen Maßnahmen einher. Lenzing plant den Abbau von rund 2.000 Stellen weltweit bis Ende 2027. Geplant ist zudem die Einstellung der Faserproduktion in Heiligenkreuz (Burgenland) bis Ende 2026 mit einem Produktionsauslauf im März 2027.
Weiterhin soll das Werk in Grimsby (England) bis Ende 2027 schließen. Lenzing erklärt, sich „verantwortungsvoll auf alle Szenarien vor[zu]bereiten, sollte keine nachhaltige Fortführungslösung erreicht werden“.
Neben der Kapitalerhöhung plant das Unternehmen die Aufnahme von zusätzlich 300 Millionen Euro neuem Fremdkapital. Im Juli 2025 platzierte Lenzing eine Hybridanleihe über 500 Millionen Euro mit einem Coupon von neun Prozent, die ab 2028 refinanziert werden muss. Lenzing betont, dass das Gesamtpaket aus Eigen‑ und Fremdkapital genügend Spielraum biete und derzeit keine weiteren Kapitalmaßnahmen geplant seien.
Der Erfolg der Kapitalerhöhung und die Akzeptanz der strategischen Schritte werden sich in den kommenden Monaten an der Marktentwicklung zeigen. Insbesondere wenn die Bezugsfrist am 20. Oktober 2026 endet und die internationalen Privatplatzierungen nicht bezogener Aktien durchgeführt werden, ergeben sich neue Erkenntnisse für Beobachter und Investoren.







