Levi Strauss & Co. verzeichnete im dritten Geschäftsquartal 2026 das langsamste Wachstum seiner Direktvertriebskanäle (DTC) seit Ende 2022. Eine Marketing-Fehlkalkulation in den USA trug wesentlich dazu bei: Die Back-to-School-Kampagne konzentrierte sich auf Baggy Jeans, während sich der Markt hin zu Low-Rise-Jeans bewegte. Trotz dieses Dämpfers hob das Unternehmen seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr an, beeinflusst durch unerwartete Zollerstattungen.
Gedämpftes Direktgeschäft in den USA und Europa
Im dritten Quartal, das am 30. August 2026 endete, erreichte der Gesamtumsatz von Levi Strauss 1,61 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von vier Prozent auf berichteter Basis und fünf Prozent auf organischer Basis gegenüber dem Vorjahr. Analysten hatten mit 1,62 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Das Wachstum im Direktvertrieb war abgeschwächt: Die DTC-Umsätze stiegen um zwei Prozent, die vergleichbaren Umsätze blieben nahezu unverändert. Der DTC-Kanal macht 45 Prozent des Gesamtumsatzes aus. In den USA sanken die DTC-Umsätze um ein Prozent, in Europa um zwei Prozent.
In Asien legte der Umsatz um acht Prozent auf berichteter Basis zu, organisch um elf Prozent. Der E-Commerce wuchs um zehn Prozent auf berichteter und organischer Basis.
Die Back-to-School-Werbung in den USA fokussierte sich auf Baggy- und „loose“-Stile, während sich die Marktenergie auf Low-Rise verlagerte. CEO Michelle Gass, seit 2024 im Amt, erklärte, das DTC-Geschäft sei insgesamt hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ursächlich waren vorrangig schwächere Besucherfrequenzen in den USA und Europa.
Das Unternehmen reagierte rasch und stellte Marketing sowie Warenpräsentation in den Läden auf Low-Rise-Jeans um.
Zollerstattungen stützen die Gewinnprognose
Trotz des verhaltenen DTC-Wachstums verbesserte sich die Profitabilität. Die Bruttomarge stieg um 450 Basispunkte auf 66,2 Prozent, die operative Marge auf 13,8 Prozent. Im Vorjahr lag diese noch bei 10,8 Prozent. Das bereinigte unverwässerte Ergebnis je Aktie erreichte 0,48 US-Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen von 0,36 US-Dollar.
Ein wesentlicher Faktor war eine Zollerstattung. Sie trug 490 Basispunkte zur Bruttomarge und 490 Basispunkte zur operativen Marge bei. Nach Reinvestitionen von 120 Basispunkten in die Bruttomarge und 160 Basispunkten in die operative Marge ergab sich ein Nettoeffekt von 0,11 US-Dollar je Aktie aus den Erstattungen.
Die Herstellungskosten sanken um 79 Millionen US-Dollar. Rund 25 Millionen US-Dollar der Erstattung investierte Levi Strauss in Marketing und Verkaufsaktionen. Für das Gesamtjahr plant das Unternehmen, 60 Millionen US-Dollar der Zollerstattung zu reinvestieren, davon 35 Millionen US-Dollar im vierten Quartal.
Angehobene Jahresprognose und strategische Ausrichtung
Auf Basis der verbesserten Margen und der Effekte aus der Zollerstattung hob Levi Strauss die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2026 an. Das bereinigte unverwässerte Ergebnis je Aktie wird nun mit 1,54 bis 1,56 US-Dollar erwartet, zuvor mit 1,46 bis 1,52 US-Dollar. Für den Umsatz prognostiziert Levi Strauss ein Wachstum von etwa sieben Prozent, am unteren Ende der bisherigen Spanne von sieben bis 7,5 Prozent.
Das organische Umsatzwachstum wird bei rund sechs Prozent erwartet, die bereinigte EBIT-Marge bei circa 12,5 Prozent.
Die Anpassung von Marketing und Warenpräsentation führte bereits im September 2026 zu positiven Trends im US-DTC-Bereich, wie CEO Gass betonte. Neil Saunders, Managing Director von GlobalData, bewertete die Zollerstattung als hilfreich für die Quartalsgewinne. Er hob hervor, dass die beabsichtigte Reinvestition zeigt, dass Levi’s weiteres Umsatzpotenzial sieht.
Kapitalmaßnahmen und Personalwechsel
Parallel zur Ergebnisveröffentlichung kündigte Levi Strauss ein beschleunigtes Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an. Die vierteljährliche Dividende wird um 14 Prozent auf 0,16 US-Dollar pro Aktie erhöht. Die Auszahlung erfolgt am 4. November 2026.
Zum 1. November 2026 übernimmt John Vandemore, zuvor bei Skechers USA Inc., die Position des Chief Financial Officers. Der bisherige Finanzchef Harmit Singh bleibt bis zum 30. November 2026 als Berater an Bord.
Die Aktie fiel am Veröffentlichungstag im vorbörslichen Handel um bis zu 2,1 Prozent und verlor im nachbörslichen Handel mehr als fünf Prozent. Sie schloss am 1. Oktober bei 19,92 US-Dollar.
Beobachter werden verfolgen, wie sich die umgestellte Marketingstrategie und die geplanten Reinvestitionen der Zollerstattungen in den kommenden Quartalen auf Wachstum und Profitabilität auswirken, etwa im Weihnachtsgeschäft und bei den Vorbuchungen für den europäischen Markt im Frühjahr/Sommer 2027.







