Lidl plant auf Sylt eine neue Filiale, die neben Verkaufsflächen auch 15 Wohnungen integriert. Das Projekt „Nii Kiarwai“ im Ortsteil Tinnum sieht vor, Wohnraum für Inselbewohner, Pendler und benötigte Fachkräfte zu schaffen.

Discounter als Projektentwickler: Lidl setzt auf integrierte Lösungen

Lidl entwickelt auf einem rund 16.000 Quadratmeter großen Areal eine neue Filiale mit 1.600 Quadratmetern Verkaufsfläche. Über dieser Filiale entstehen 15 Wohnungen. Die Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen bieten Größen zwischen 44 und 78 Quadratmetern.

Lidl agiert bei diesem Projekt als Vermieter. Das Unternehmen betont, es wolle einen aktiven Beitrag zur Entlastung des lokalen Wohnungsmarktes leisten.

Sylts Bürgermeisterin Tina Haltermann hebt die Bedeutung des Vorhabens hervor: „Lidl zeigt eindrucksvoll, wie flächenschonend moderner Handel gestaltet und direkt mit dringend benötigtem Wohnraum für unsere Insel verknüpft werden kann.“

Eine bestehende Lidl-Filiale zieht in das neue Gebäude um. Das bisherige Filialgebäude integriert sich in das neue Ensemble. Es soll künftig eine Apotheke, eine Drogerie und weitere lokale sowie regionale Anbieter beherbergen. Für den Autoverkehr entstehen 184 Parkplätze, ergänzt durch drei E-Ladesäulen mit sechs Ladepunkten. Die DC-Ladeleistung liegt zwischen 60 und 180 Kilowatt.

Der erste Spatenstich ist bereits erfolgt. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2028 geplant.

Nachhaltigkeit und beschleunigte Genehmigung als Modell

Das Bauvorhaben setzt auf eine Holz-Hybrid-Bauweise mit begrünten Fassaden und Dächern. Im Außenbereich kommt recycelter Beton zum Einsatz; im Innenausbau sind wiederverwertetes Glas und Aluminium vorgesehen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll zur energetischen Autarkie beitragen.

Die Abwärme der Kühlkette der Filiale nutzen Wärmepumpen, um die Wohnungen zu heizen und zu kühlen. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ergänzt das Konzept. Lidl strebt für das Projekt eine DGNB-Gold-Zertifizierung an.

Die Dauer von der Aufstellung des Bebauungsplans bis zur Erteilung der Baugenehmigung betrug zwei Jahre. Jan Brenn, Immobilien-Chef bei Lidl, bezeichnete diesen Zeitraum als „eine neue Benchmark für Deutschland“. Dies deutet auf eine vergleichsweise schnelle Genehmigungsphase hin.

Marktentwicklung: Einzelhandel als Wohnungsanbieter

Lidl ist mit diesem integrierten Ansatz nicht allein. In Berlin-Mahlsdorf realisierte Lidl bereits ein ähnliches Projekt mit 26 frei finanzierten Wohnungen über einer 1.300 Quadratmeter großen Filiale. Dort lagen die Kaltmieten bei 13 Euro pro Quadratmeter.

Aldi Süd verwirklichte ein vergleichbares Vorhaben in Bergisch Gladbach bei Köln mit einer neuen Filiale und 17 Wohnungen. Edeka plant in Berlin an der Schlossstraße in Steglitz den Abriss und Neubau eines Marktes inklusive Wohnungen.

Auch in Hamburg und Frankfurt am Main manifestiert sich dieser Trend. Die Stadt Hamburg plant insgesamt 2.200 Wohnungen über Läden; Aldi baut an zwölf Standorten. In Hamburg-Wilstorf entsteht ein Wohn- und Geschäftshaus mit 27 Wohnungen, darunter acht Sozialwohnungen.

In Frankfurt plant Lidl Metropolfilialen im Lyoner Quartier und in der Mainzer Straße im Gallus, wo bis zu 110 Wohnungen vorgesehen sind.

Analysten sehen in der Verknüpfung von Einzelhandel und Wohnraum eine wachsende Bedeutung für die effiziente Flächennutzung in dicht bebauten Gebieten. Solche hybriden Modelle, bei denen Discounter selbst als Vermieter auftreten, könnten in angespannten Märkten einen Beitrag zur Entlastung des Wohnraumangebots leisten. Lidl hat bislang keine Angaben zu den Mietpreisen für die Wohnungen auf Sylt gemacht.

Die Entwicklung der Mietkosten gilt als entscheidender Faktor für die tatsächliche Entlastung des lokalen Marktes.