Lindt & Sprüngli vollzieht einen Führungswechsel an der Konzernspitze. Adalbert Lechner, seit Anfang 2022 Konzernchef des Schweizer Schokoladenherstellers, verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Als Interimslösung übernimmt der stellvertretende Verwaltungsratspräsident Dieter Weisskopf die operative Leitung.

Die Entscheidung folgt auf zwei Umsatzwarnungen und Absatzprobleme, die den Konzern zuletzt belasteten. Ein dauerhafter Nachfolger soll erst im zweiten Quartal 2027 ernannt werden.

Weisskopf kehrt an die Spitze zurück

Dieter Weisskopf war bis 2022 Konzernchef und zuvor Finanzchef bei Lindt & Sprüngli. Seine frühere Rolle im Management und die Kenntnis des Unternehmens sind die Gründe für die interimistische Lösung.

Der Verwaltungsrat begründet den Wechsel mit der Notwendigkeit einer neuen operativen Führung. Ziel ist es, zu beständigem, starkem Wachstum zurückzukehren und die Marktchancen weltweit besser auszuschöpfen. Lechners Abgang erfolgt nach 33 Jahren im Unternehmen.

Er hatte zuvor die deutsche Tochtergesellschaft zur größten Firma der Gruppe entwickelt, bevor er Anfang 2022 die Konzernleitung übernahm.

Absatzprobleme belasten das Wachstum

Der Konzern hatte zwischen März und September 2026 bereits zweimal seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Ursprünglich peilte Lindt & Sprüngli ein organisches Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent an. Zuletzt korrigierte der Konzern diese Erwartung auf null bis zwei Prozent.

Nach Unternehmensangaben ist diese Entwicklung mit einer nachlassenden Nachfrage und den Auswirkungen von Preiserhöhungen verbunden. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte Lindt die Preise für seine Produkte im Schnitt um 11,8 Prozent, unter anderem wegen gestiegener Kakaokosten. Die Mengen gingen nach diesen Preiserhöhungen deutlich zurück.

Besonders betroffen waren Deutschland, die Schweiz und Großbritannien. Als Gegenmaßnahme senkte Lindt im Sommer die Preise einzelner Produkte und setzte kleinere Packungsgrößen ein.

Die sommerliche Hitze in Europa belastete zudem die Nachfrage. Das Geschäft in Nordamerika und Asien entwickelte sich indes besser als in Europa.

Weitere Veränderungen in der Führungsebene

Auch im deutschen Markt gibt es personelle Veränderungen: Michal Spiller, bisheriger Deutschland-CEO, verlässt den Konzern nach 23 Jahren. Seine Nachfolge tritt Ali Kulein an, der zuvor das Geschäft in Österreich leitete. Die Position des Österreich-Chefs übernimmt Fabian Reinhardt, der zuvor globaler Verkaufsleiter war. Kulein und Reinhardt treten ihre neuen Rollen am 26. Oktober an.

Aktie unter Druck

Am Tag der Bekanntgabe des Wechsels, dem 19. Oktober 2026, notierte die Lindt & Sprüngli-Aktie um 09:15 Uhr bei 92.000 Euro. Sie verzeichnete ein Tagesminus von 1,08 Prozent. Die Jahresperformance seit Anfang 2026 liegt bei minus 26,52 Prozent. Bereits am 29. September 2026, nach der zweiten Umsatzprognosesenkung, fiel der Kurs an einem Tag um rund acht Prozent auf 78,60 Franken.

Ausblick auf nächste Schritte

Der Verwaltungsrat hat Weisskopf interimistisch eingesetzt. Seine Aufgaben umfassen laut Faktenbasis, das Europageschäft zu stabilisieren, die Profitabilität zu verbessern und verstärkt in die Marken zu investieren. Die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für die Konzernspitze soll in den kommenden Monaten intensiviert werden.

Die Ernennung ist für das zweite Quartal 2027 geplant. Marktbeobachter richten den Fokus nun auf die konkreten Maßnahmen, die Weisskopf zur Steigerung der Profitabilität und zur Rückgewinnung von Marktanteilen umsetzen wird.