Massiver Bitcoin-Diebstahl erschüttert Liquid Network

Das Bitcoin-verknüpfte Blockchain-Netzwerk Liquid Network ist Ziel eines Sicherheitslecks geworden. Hacker entwendeten rund 4.000 Bitcoin im Wert von etwa 320 Millionen US-Dollar aus einem Liquid Federation Wallet. Unmittelbar nach der Entdeckung stoppte das Netzwerk alle neuen Transaktionen.

Der Exploit und die mutmaßlichen „White-Hat-Hacker“

Der Vorfall ereignete sich am 6. September 2026. Gegen 14:05 Uhr UTC transferierten unbekannte Akteure L-BTC – die im Liquid Network gesperrten Bitcoin-Einheiten – von einem zentralen Wallet.

Nur 23 Minuten später wurden die entsprechenden Bitcoin durch die Federation ausgezahlt. Insgesamt wurden 4.000 der 4.200 Bitcoin, die sich im Liquid Federation Wallet befanden, entwendet. Dies entspricht einem Verlust von rund 95 Prozent des Bestands.

Die Täter hinterließen in der Blockchain eine Nachricht. Darin forderten sie Liquid auf, sie „on chain“ zu kontaktieren, und bezeichneten sich selbst als „White-Hat-Hacker“. Analysten und Kommentatoren sehen in dieser Behauptung einen Hinweis auf die Absicht, Schwachstellen aufzudecken und die Gelder möglicherweise gegen eine Gebühr zurückzugeben.

Technische Details und die Rolle von Blockstream

Liquid Network ist ein 2018 von Blockstream gestartetes Sidechain-Netzwerk für Bitcoin. Nach Angaben der Entwickler wurde das Netzwerk nicht über kompromittierte Schlüssel angegriffen. Blockstream führt den Vorfall auf einen Softwarefehler in der Elements-Software zurück.

Es wird vermutet, dass ein sogenannter „Elements rangeproof cache bug“ ausgenutzt wurde. Für diesen Fehler war kurz zuvor ein Fix in öffentlichen Commits verfügbar. Es besteht die Möglichkeit, dass Angreifer den Fix überwacht und die Lücke vor dessen vollständigem Rollout ausgenutzt haben.

Das Problem liegt auf Knotenebene der Transaktionssoftware. Es ermöglichte offenbar der Transaktionsplattform SideSwap, über die der Abzug erfolgte, nicht zwischen realen und durch den Bug erzeugten Coins zu unterscheiden. Betroffen sind ausschließlich Bitcoin, genauer L-BTC.

Andere Assets wie USDT oder DePix im Liquid Network blieben unangetastet.

Erste Reaktionen und Skepsis gegenüber den Tätern

Liquid Network meldete den Vorfall am 6. September 2026 um 22:42 Uhr EDT über einen Post auf X. Das Netzwerk schrieb, Liquid Wallets seien betroffen. Es entschuldigte sich zugleich „for any inconvenience“. Die Mitglieder der Federation arbeiteten „actively on resolving this so we can restore normal network activity“.

Die Behauptung der Täter, „White-Hat-Hacker“ zu sein, stößt in der Krypto-Community auf Skepsis. Charles Guillemet, CTO von Ledger, zog Parallelen zum Ronin-Hack. Er äußerte Zweifel an der White-Hat-Absicht und wies darauf hin, dass kriminelle Gruppen normalerweise keinen Kontakt aufnehmen.

Gleichwohl entspreche diese Art der Kontaktaufnahme nicht der typischen Vorgehensweise verantwortungsvoller Offenlegung. Guillemet schrieb zugleich, es bestehe die Möglichkeit, dass es sich um Akteure mit guten Absichten handeln könnte, die nicht an verantwortungsvolle Offenlegung gewöhnt seien.

Ausblick: Die Suche nach Antworten und entwendeten Mitteln

Die Empfängeradresse der gestohlenen Coins, bc1ql4mfu6aundtkksxklfajs2h3t9nzcd6gyqjlte, zeigt bislang keine Veränderung der Bestände. Ob und wann die entwendeten Bitcoin zurückgegeben werden, bleibt ungewiss. Die Krypto-Community und die Liquid Federation beobachten die weiteren Schritte der Angreifer und die Bemühungen des Netzwerks.

Ziel ist es, den Vorfall zu klären und die gestohlenen Mittel zurückzuerlangen.

Der Vorfall verweist auf anhaltende Sicherheitsherausforderungen in der Blockchain-Branche. Zudem unterstreicht er die Bedeutung robuster Softwarearchitekturen sowie schneller Reaktionsmechanismen. Analysten werden die Entwicklung verfolgen, da die Art der Rückführung oder des Verlusts der Gelder weitreichende Implikationen für das Vertrauen in Bitcoin-Sidechains haben könnte.

Zugleich beeinflusst dies die Risikobewertung von Krypto-Infrastrukturen.