Österreichs Wirtschaftsministerium plant, Betreibern kritischer Infrastruktur umfassende Befugnisse zur Drohnenabwehr einzuräumen. Medienberichte erwähnen die Absicht, den Betreibern das Abschießen von Flugdrohnen zu erlauben. Eine Bestätigung dieser konkreten Initiative findet sich in den verfügbaren Quellen allerdings nicht.
Unabhängig davon intensiviert sich die internationale Debatte über Schutzmaßnahmen gegen Drohnenangriffe auf Energieversorger und andere essenzielle Infrastrukturen.
Wachsende Bedrohung erfordert neue Strategien
Der Schutz kritischer Infrastruktur vor unbemannten Flugobjekten gewinnt global an Bedeutung. Im Bereich der Cybersicherheit avancierten Fertigungsbetriebe in den vergangenen vier Jahren zum Hauptziel von Ransomware-Angriffen. Sie stellen 22 Prozent aller offengelegten Angriffe dar.
Parallel dazu rückt die physische Bedrohung durch Drohnen verstärkt in den Fokus von Schutzmaßnahmen. Litauen reagiert bereits proaktiv auf diese Entwicklung.
Litauen plant für das künftige Umspannwerk Gizai, das 30 Kilometer westlich der russischen Exklave Kaliningrad entsteht und Teil der Stromnetzverbindung Harmony Link mit Polen ist, umfangreiche physische Sicherungsmaßnahmen. Dazu zählen Zäune, die einem Lastwagen mit Sprengstoff standhalten sollen, Sensoren zur Tunnelerkennung und Beton-Sarkophage für Transformatoren. Litgrid gibt an, das Design sei auf die Abwehr „multipler Shahed-Drohnen“ mit 100 Kilogramm Sprengstoff ausgelegt.
Das litauische Militär berät Litgrid bei der physischen Sicherung; die zusätzlichen Sicherungskosten belaufen sich auf mindestens 48 Millionen Euro. Litauen möchte die Europäische Union um einen beträchtlichen Anteil dieser Kosten bitten. Auch Polen und die baltischen Staaten fordern eine verstärkte EU-Finanzierung für die Sicherung der Netzinfrastruktur.
Internationale Reaktionen und technologische Entwicklungen
Die Ukraine ergreift ihrerseits Maßnahmen zur Drohnenabwehr. Quellen zufolge steht die Ukraine bereit, ein Drohnenabwehrabkommen mit den USA zu unterzeichnen, um die Entwicklung und Produktion ukrainischer Verteidigungstechnologie in den USA auszuweiten. Präsident Wolodymyr Selenskyj strebt eine Produktion von zehn Millionen Drohnen in diesem Jahr an.
Die Ukraine setzt bereits spezielle Abfangdrohnen gegen russische Shahed-Modelle ein, darunter jetgetriebene Varianten. Ukrainische Firmen wie Skyfall erzielen Erfolge im Rahmen des US-Drone-Dominance-Programms. Das US-Verteidigungsministerium beabsichtigt, bis 2027 mehr als 200.000 Drohnen zu erwerben.
Auf Technologie- und Anbieterseite entwickeln Unternehmen spezialisierte Abwehrsysteme. Das australische Unternehmen DroneShield plant, das Fractl-Lasersystem von Aim Defence in sein DroneSentry C-UAS zu integrieren. Aim Defence erhält hierfür Mittel in Höhe von 21,3 Millionen australischen Dollar zur Weiterentwicklung des tragbaren Hochenergie-Lasersystems Fractl.
Ericsson testet in Finnland die Integrated Sensing and Communication (ISAC)-Technologie gemeinsam mit Erillisverkot. Ziel ist es, mobile Netzwerkstandorte als verteilte Sensorplattformen zur Drohnenüberwachung zu nutzen. Potenzielle Anwendungen betreffen sensible Standorte wie Häfen und Grenzen.
Wirtschaftliche Implikationen und Ausblick
Die wachsende Bedrohung und der Bedarf an Abwehrmaßnahmen führen zu erheblichen Investitionen in Verteidigungstechnologien und -infrastruktur. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat einen Rekordverteidigungshaushalt von fast 140 Milliarden Euro für 2027 beantragt. Zudem plant er ein Förderprogramm für zivile Universitäten und Forschungsinstitute, die an verteidigungsrelevanten Technologien wie Künstlicher Intelligenz und unbemannten Systemen arbeiten.
Tekever, ein portugiesisch-britisches Drohnenunternehmen, wurde nach einer Finanzierungsrunde von 580 Millionen US-Dollar mit 6,4 Milliarden US-Dollar bewertet.
Die Berichte über eine österreichische Gesetzesänderung finden in den zugänglichen Quellen keine Bestätigung. Sollten sich die Berichte als zutreffend erweisen, blieben die genauen Bestimmungen und Umsetzungsmechanismen vorerst unklar. Die konkrete Ausgestaltung technischer Maßnahmen, rechtliche Grenzen und deren Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen würden dann Gegenstand der Beobachtung für Marktteilnehmer und Technologieanbieter sein.
Analysten werden prüfen, welche Impulse dies für den europäischen Markt für Drohnenabwehrsysteme setzen könnte.







