Das Startup Longshot Space Technology sorgt mit einem unkonventionellen Ansatz für den Transport von Fracht ins All für Aufsehen. Auf der TechCrunch Disrupt präsentieren die Kalifornier ihre Technologie: eine Multi-Injektions-Luftdruckkanone, die Nutzlasten langfristig ohne traditionelle Raketen in den Orbit bringen soll. Ziel ist eine deutliche Senkung der Kosten für den Weltraumtransport, insbesondere für nicht-menschliche Fracht.
Neues Konzept für den Weltraumtransport
Longshot Space Technology, gegründet 2020 oder 2021, entwickelt bodengestützte Beschleunigungssysteme. Die Technologie basiert auf einer Multi-Injektions-Luftdruckkanone: Ein Projektil wird durch eine Reihe präzise getakteter Gasinjektionen entlang des Rohres beschleunigt.
Mike Grace, CEO und Mitgründer, hat einen Hintergrund in Ökonomie und Molekularbiologie. Er arbeitete zuvor als NASA Lab Tech. Nato (Nathan) Saichek, CTO und Mitgründer, traf Grace in der sogenannten Rainbow Mansion, einer Wohngemeinschaft in Mountain View.
Diese beherbergte auch Gründer von Planet Labs und Astra. Longshot Space positioniert sich kurzfristig als Anbieter von Hyperschalltests für das US-Militär und die Verteidigungsindustrie. Langfristig zielt das Unternehmen auf den Transport großer, nicht-menschlicher Frachtmengen in den erdnahen Orbit (LEO).
Mike Grace fasst die Herausforderung traditioneller Raketen zusammen: „Rockets are really expensive and fragile.“
Technologische Entwicklung und Finanzierung
Longshot Space hat bereits Prototypen getestet. Ein aktuelles Testgeschütz am Standort Barstow ist rund 21 Meter lang und hat einen Innendurchmesser von etwa 15 Zentimetern. Dieses System wurde über 100 Mal abgefeuert. Es beschleunigt Projektile bis zu Mach 4,2 und wird mit inerten Gasen wie Stickstoff und Helium betrieben.
Als nächsten Schritt plant Longshot eine 43 Meter lange Variante mit rund 76 Zentimetern Durchmesser. Diese soll nach Unternehmensangaben etwa 100 Kilogramm Nutzlast auf Mach 8 beschleunigen können. Für die Vision eines orbitalen Launch-Systems nennen Quellen eine rund zehn Kilometer lange Anlage mit Innendurchmessern von etwa drei Metern.
Die Quellen nennen unterschiedliche Zielgeschwindigkeiten und Nutzlastangaben, darunter Geschwindigkeiten bis zu 8,5 Kilometer pro Sekunde und Nutzlasten um 100 Kilogramm.
Finanziell hat Longshot Investitionen von Venture-Firmen wie Starship Ventures, Draper Associates, Aurelia und Myelin VC erhalten. Eine zusammenfassende Angabe beziffert die Summe auf rund 20 Millionen US-Dollar von Venture-Investoren. South Park Commons investierte fünf Millionen US-Dollar.
Zu den Angel-Investoren zählt Sam Altman, CEO von OpenAI. Staatliche Unterstützung umfasst eine USAF SBIR-Förderung in Höhe von 2,8 Millionen US-Dollar. Zudem gibt es Verträge und Buchungen mit dem US-Verteidigungsministerium, darunter rund acht Millionen US-Dollar an Vertragsvolumen mit Institutionen wie der U.S.
Space Force, der U.S. Air Force und dem U.S. Naval Research Laboratory.
Longshot gibt die Mitarbeiterzahl mit rund 23 an.
Kostenvorteile und zukünftige Einsatzfelder
Longshot hebt potenzielle Kostenvorteile des Kanonen-Ansatzes hervor. Das Unternehmen vergleicht die eigenen Kosten für Hyperschall-Testkampagnen, geschätzt auf etwa 150.000 US-Dollar, mit aktuellen Hyperschalltestmethoden, die laut Quellen sechs bis acht Millionen US-Dollar kosten. Angaben zu den erwarteten Kosten pro Kilogramm für orbitalen Frachttransport variieren in den Quellen.
Genannt werden etwa 50 US-Dollar pro Kilogramm, 150 US-Dollar pro Kilogramm oder vereinzelt zehn US-Dollar pro Kilogramm. Zum Vergleich wird in den Quellen ein Bedarf von rund 300 US-Dollar pro Kilogramm für derzeitige Konzepte von orbitalen Datenzentren genannt.
Anwendungsfälle, die keine menschliche Besatzung erfordern und höhere G-Belastungen tolerieren, werden in den Quellen explizit genannt. Longshot spricht von Zielwerten für die Belastung der Nutzlasten in der Größenordnung von Hunderten G. In den Quellen ist von rund 250 G die Rede, was über längere Beschleunigungsstrecken verteilt werden soll.
Derzeit testet Longshot an Standorten in Kalifornien, unter anderem in Barstow und in der Mojave-Wüste. Für eine weitere Skalierung ist ein Umzug des Testbetriebs in die Nevada-Wüste geplant. Dort soll Wasserstoff als Treibgas eingesetzt und ein Beschleuniger mit mehr als 500 Metern Länge gebaut werden, mit dem Geschwindigkeiten über Mach 5 angestrebt werden.
Herausforderungen und Marktperspektiven
Trotz des vielversprechenden Ansatzes bestehen technische und operative Herausforderungen. Die Skalierung auf rund zehn Kilometer Länge und die Etablierung eines zuverlässigen Betriebs für orbitalen Transport erfordern weitere Entwicklung und Tests. Ebenso ist die Fähigkeit von Nutzlasten, die hohen G-Kräfte zu überstehen, ein zentraler Unsicherheitsfaktor.
Longshot war als Top-20-Finalist des Startup Battlefield auf der TechCrunch Disrupt vertreten. Mike Grace äußerte sich zu den Ambitionen des Unternehmens: „I'll give Elon Mars. He can have Mars. I just want what’s left. I just want the rest.“ Das Unternehmen nennt als Ziel, bis 2029 orbitale Nutzlasten zu starten.
Ob Longshot die technischen Hürden meistert und die in den Quellen unterschiedlichen Angaben zu Kosten und Dimensionen klärt, wird die weitere Entwicklung zeigen. Analysten werden beobachten, inwiefern die Tests in Nevada und die zukünftige Finanzierungsrunde diesen Zielen näherkommen.







