Die Deutsche Lufthansa AG scheiterte erneut mit dem geplanten Aufstieg in den deutschen Leitindex DAX 40. Die Indextochter der Deutschen Börse, ISS Stoxx, bestätigte am Donnerstagabend, dass die Zusammensetzung des wichtigsten deutschen Börsenbarometers unverändert bleibt. Die Lufthansa, einst Gründungsmitglied des DAX, verbleibt damit im Nebenwerteindex MDAX und wartet seit ihrem Abstieg im Jahr 2020 bereits zum dritten Mal in diesem Jahr vergeblich auf den Aufstieg.

Lufthansa scheitert erneut am Aufstieg

Für die Lufthansa bedeutet dies einen weiteren Rückschlag. Schon im März und Juni scheiterte der Konzern knapp an den Aufnahmekriterien. Die Aktie, die während der Coronakrise auf knapp über fünf Euro gefallen war, hatte sich zwischenzeitlich erholt und im Juli ein 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro erreicht.

Allerdings verlor die Aktie im August rund 15 Prozent an Wert, was die Ausgangslage für die Indexentscheidung spürbar verschlechterte. Am 28. August schloss die Lufthansa-Aktie im Xetra-Handel bei 7,992 Euro.

Die Aufnahme in den DAX richtet sich primär nach der Marktkapitalisierung des Streubesitzes. Eine Rangliste, basierend auf dem handelsgewichteten Durchschnittskurs des Monats August, ist dabei entscheidend. Ein direkter Aufstieg, ein sogenannter „Regular Entry“, ist nur möglich, wenn ein Unternehmen mindestens Rang 33 erreicht.

Lufthansa lag Ende Juli auf Rang 33, rutschte jedoch im August ab. Indexexperten wie Achim Matzke von Matzke Research stuften die Chance der Lufthansa, Rang 33 zu erreichen, zuletzt als unwahrscheinlich ein. Ein Aufstieg über die sogenannte „Fast Entry“-Regelung wäre nur möglich gewesen, wenn ein bestehender DAX-Konzern auf Rang 48 oder schlechter abgerutscht wäre.

Keines der aktuellen DAX-Mitglieder unterschreitet jedoch die „Regular Exit“-Schwelle von Rang 53.

Veränderungen in den Nebenwerten

Während der DAX unverändert bleibt, gibt es in den Nebenwerteindizes MDAX und SDAX Bewegung. Der Außenwerber Ströer steigt in den MDAX auf. Ströer hatte zuletzt von Übernahmespekulationen profitiert.

Im Gegenzug steigt der Modekonzern Hugo Boss in den SDAX ab. Der Streubesitz von Hugo Boss hatte sich nach der Erhöhung der Beteiligung durch den britischen Investor Frasers Group auf fast 50 Prozent deutlich reduziert, was die Indexrelevanz beeinflusste.

Auch im Technologieindex TecDAX gibt es eine Änderung. Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB steigt in den TecDAX auf und ersetzt den IT-Dienstleister Cancom. Diese Anpassungen treten zum 21. September in Kraft.

Herausforderungen und wirtschaftliche Faktoren für die Lufthansa

Die Lufthansa steht weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Seit dem Abstieg im Jahr 2020 infolge der Coronakrise, die zu Milliardenverlusten und einem staatlichen Rettungspaket führte, kämpft der Konzern um seine Erholung. Trotz eines Umsatzes von 39,6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025 und einer Marge von rund fünf Prozent – im Vergleich zu sechs Prozent bei Air France KLM und 15 Prozent bei IAG – belasten äußere Faktoren die Erholung.

Die Kriege in der Ukraine und im Iran führen zu anhaltenden Luftraumsperrungen, Flugausfällen und stark gestiegenen Kerosinkosten. Der Brent-Ölpreis notierte zuletzt bei 95,67 US-Dollar, ein Wochenplus von 7,1 Prozent. Operativ verzeichnete die Lufthansa im ersten Halbjahr 2026 ein bereinigtes operatives Ergebnis (Adjusted EBIT) von minus 229 Millionen Euro, konnte aber im zweiten Quartal 2026 wieder ein positives Adjusted EBIT von 383 Millionen Euro erzielen.

Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert das Unternehmen ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro.

Ein weiteres Problemfeld stellt das neue Einreise-Ausreise-System (EES) der EU dar. Kritiker bemängeln das Fehlen einer funktionierenden App, was ab dem 6. September, wenn die EU-Sonderregelung ausläuft, zu Wartezeiten von bis zu 90 Minuten für Transitreisende am Frankfurter Flughafen führen könnte. Eine bundesweite Einführung einer App wird frühestens im Jahr 2027 erwartet.

Ausblick und offene Fragen

Die Lufthansa muss sich weiter auf ihre operative Erholung konzentrieren. Das Ziel von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, bis Ende des Jahrzehnts acht bis zehn Prozent Rendite zu erzielen, bleibt bestehen. Der Verbleib im MDAX unterstreicht die Notwendigkeit, Profitabilität und Marktposition weiter zu stärken, um die Kriterien für den Leitindex in Zukunft wieder zu erfüllen.

Analysten und Marktbeobachter werden verfolgen, welche strategischen Schritte die Lufthansa unternimmt, um ihre Wettbewerbsposition gegenüber Rivalen wie Air France KLM und IAG zu verbessern und die Auswirkungen externer Faktoren wie Kerosinpreise und geopolitische Spannungen abzufedern. Die nächste reguläre Überprüfung der DAX-Zusammensetzung durch ISS Stoxx steht im Dezember an.