Die Deutsche Lufthansa federt den geopolitischen Kerosinpreisschock im dritten Quartal ab. Nach einem massiven operativen Rückschlag im Frühjahr weist der DAX-Konzern für das Sommerquartal einen Rekordumsatz von 12,2 Milliarden Euro sowie einen bereinigten Betriebsgewinn (Adjusted EBIT) von gut 1,4 Milliarden Euro aus. Höhere Ticketpreise auf der Langstrecke sowie robuste Erträge im Fracht- und Wartungsgeschäft kompensieren die zusätzlichen Treibstoffausgaben von mehr als einer halben Milliarde Euro.
Preissetzungsmacht dämpft den Kerosinschock
Der Konzernüberschuss steigt im dritten Quartal um 30 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro und übertrifft damit die Markterwartungen. Das bereinigte operative Ergebnis legt im Vorjahresvergleich um sechs Prozent zu. Entgegen der Sorge, dass Konsumenten angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten Flugreisen meiden, setzt der Konzern spürbare Preiserhöhungen durch.
Besonders das Premium-Segment und die Verbindungen nach Asien stützen das Ergebnis durch eine stabile Nachfrage. Vorstandschef Carsten Spohr fasst die Marktlage zusammen: Die Menschen wollen fliegen und können sich dies auch zu höheren Preisen leisten.
Während der Konzern im zweiten Quartal lediglich rund 60 Prozent der Kerosinmehrkosten an die Passagiere weitergeben konnte, gleicht die Überwälzung im Sommer Mehrausgaben von über 500 Millionen Euro vollständig aus. Entlastung bringen zudem diversifizierte Versorgungswege durch Kerosinimporte aus Nigeria sowie gestiegene Raffineriekapazitäten.
Die Belastungen des Krisenfrühjahrs
Die jüngsten Zahlen markieren eine operative Erholung nach einem verlustreichen ersten Halbjahr. Der militärische Konflikt der USA und Israels gegen den Iran seit Ende Februar 2026 führte zu schweren Störungen an der Straße von Hormus und trieb die Rohölpreise weltweit an. Der Weltluftfahrtverband IATA veranschlagt die Treibstoffkosten der weltweiten Fluggesellschaften für das laufende Jahr auf 350 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 252 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.
Im zweiten Quartal traf die Kostenexplosion die Lufthansa empfindlich. Trotz einer Absicherungsquote von über 80 Prozent kletterten die Kerosinkosten im Frühjahr um rund 750 Millionen Euro. Gleichzeitig schmälerten sechstägige Streiks des Cockpit- und Kabinenpersonals im April das operative Ergebnis um mindestens 150 Millionen Euro.
Die Arbeitskämpfe zwangen das Management, den Flugbetrieb der Regionaltochter Lufthansa Cityline vorzeitig einzustellen und rund 20.000 Sommerflüge in Europa zu streichen. In der Folge brach das bereinigte EBIT im zweiten Quartal um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein, während die operative Marge von 8,4 auf 3,4 Prozent absackte.
Der Nettoüberschuss reduzierte sich um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro. Zudem rutschte der bereinigte freie Cashflow mit minus 365 Millionen Euro tief in den negativen Bereich. Europäische Wettbewerber wie Air France-KLM mit einem EBIT-Rückgang von 33 Prozent und die British-Airways-Mutter IAG mit einem Minus von 25 Prozent kamen vergleichsweise glimpflicher durch das Krisenquartal.
Segmente entwickeln sich uneinheitlich
Die Bilanz offenbart erhebliche Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Geschäftsfeldern. Die Kernsparte Network Airlines, zu der Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und ITA Airways zählen, verbuchte im zweiten Quartal ein bereinigtes EBIT von 137 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um 490 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Zusätzliche Belastung brachte ein negatives Beteiligungsergebnis von 108 Millionen Euro bei ITA Airways, das vorrangig auf währungsbedingten Bewertungseffekten von Leasingverbindlichkeiten beruht.
Die Point-to-Point-Sparte um die Kernmarke Eurowings rutschte im Frühjahr mit minus 37 Millionen Euro in die roten Zahlen, nachdem im Vorjahr noch 64 Millionen Euro Gewinn zu Buche standen. Neben zusätzlichen Kerosinkosten von 71 Millionen Euro drückten Aufwendungen für die Flotteneinführung der Boeing 737-8 MAX und ein schwächeres Türkeigeschäft der Beteiligung SunExpress das Resultat.
Dagegen stabilisieren die margenstarken Dienstleistungstöchter den Konzern. Lufthansa Cargo steigerte das operative Ergebnis um 42 Millionen Euro und erzielte eine bereinigte EBIT-Marge von über elf Prozent. Parallel dazu hielt Lufthansa Technik das operative Ergebnis mit 157 Millionen Euro stabil und baute die Erlöse um elf Prozent aus.
Hohe Treibstoffrechnung engt Jahresprognose ein
Trotz des starken Sommers belasten die Nachwehen des ersten Halbjahres die Jahresbilanz nachhaltig. Im August rechnete der Vorstand noch mit jährlichen Treibstoffausgaben von 8,7 Milliarden Euro. Mit Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal korrigiert die Konzernführung diesen Posten auf 9,3 Milliarden Euro nach oben, was einer Zusatzbelastung von 600 Millionen Euro entspricht.
Infolgedessen kappt die Unternehmensleitung das obere Ende der Zielspanne. Finanzvorstand Till Streichert peilt für das Gesamtjahr nun ein bereinigtes Betriebsergebnis zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro an. Zuvor lag der Zielkorridor bei 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro, nach rund zwei Milliarden Euro im Vorjahr.
Ein Kapazitätswachstum wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Der ursprünglich geplante Ausbau der Flugkapazitäten um bis zu vier Prozent bleibt für das Gesamtjahr vollständig gestrichen.
Am Kapitalmarkt reagieren Investoren zurückhaltend. Nach Vorlage der Halbjahreszahlen fiel die Lufthansa-Aktie auf ein Zwischentief von 8,48 Euro im Xetra-Handel, was einem Tagesverlust von 8,21 Prozent entsprach. Analyst Jaime Rowbotham von Deutsche Bank Research stuft den Titel unverändert mit „Hold“ und einem Kursziel von 8,00 Euro ein.
Marktbeobachter verweisen vorrangig auf die gedämpfte Entwicklung des freien Cashflows und den wieder aufflammenden Preiswettbewerb. Insbesondere Golf-Airlines wie Emirates und Qatar Airways, deren Drehkreuze zu Jahresbeginn beeinträchtigt waren, drängen im touristischen Segment wieder mit aggressiven Ticketpreisen in den Markt.







