Die Cargoboard GmbH & Co. KG aus Paderborn digitalisiert den Palettenversand im Logistiksektor Europas. Unter der Leitung von Gründer und CEO Lukas Petrasch positioniert sich die digitale Spedition als Plattform für die Online-Buchung von Stückguttransporten auf Paletten. Das 2019 gegründete Unternehmen will den Transport von Stückgut so zugänglich machen wie eine Flug- oder Hotelbuchung.
Digitale Logistik und systematische Ausrichtung
Cargoboard agiert als digitale Spedition mit Fokus auf Straßentransporte von Stückgut, das keinen ganzen Lkw füllt. Das Geschäftsmodell basiert auf einer eigenen Online-Plattform mit Eingabemaske. Hierüber buchen Kunden Palettentransporte national und international innerhalb Europas, einschließlich Drittländern wie der Schweiz.
Lukas Petrasch, 29 Jahre alt und ehemaliger Auszubildender im Speditionsverkauf, beschreibt die Ausgangssituation: „Einen Flug um die halbe Welt kann ich in Minuten buchen, aber ein Lkw von Paderborn nach München braucht fünf E-Mails.“ Die Plattform greift direkt auf die Systeme angeschlossener Speditionen zu und wickelt Buchungen nach Unternehmensangaben zu 98 Prozent vollautomatisch ab. Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt die Plausibilitätsprüfung von Aufträgen, etwa bei Gefahrgutunterlagen.
Cargoboard entwickelte ein eigenes Transport Management System (TMS), das die operative Abwicklung steuert und Qualitätsprozesse sichert. Die Zusammenarbeit mit mittelständischen Speditionen bildet einen wichtigen Bestandteil der Strategie.
Cargoline, ein Zusammenschluss mittelständischer Spediteure, ist Hauptgesellschafterin von Cargoboard. Diese Konstellation ermöglicht den Zugriff auf ein bestehendes Logistiknetzwerk, was Forschende und Beteiligte als Vorteil gegenüber risikokapitalfinanzierten Konkurrenten sehen. Cargoboard selbst tritt als Vertragspartei gegenüber den Kunden auf und vergibt die Aufträge an die Dispositionen der Mitgliedsspeditionen.
Dies soll ein einheitliches Qualitätsmanagement sicherstellen. Petrasch betont, Cargoboard wolle ein Gegenangebot zu großen Playern wie Dachser, DSV oder DHL Freight aufbauen. Zugleich soll die Plattform zur höheren Auslastung bereits fahrender Lkw beitragen.
Wachstum, Finanzierung und Kundenzentrierung
Cargoboard wächst mit rund 30 Prozent jährlich und nähert sich nach eigenen Angaben einem Umsatz von 100 Millionen Euro (Stand 2026). Die Mitarbeiterzahl beträgt rund 100 Personen, darunter etwa 20 Programmierer. Im Oktober 2024 wickelte das Unternehmen mehr als 30.000 Sendungen ab.
Die Marke von einer Million Sendungen überschritt das Unternehmen 2024. Weitere Zahlen nennen rund 50.000 Ladungen pro Monat sowie täglich mehr als 1.500 Transporte. Der Kundenstamm umfasst etwa 100.000 Unternehmen.
Bislang ist keine externe Finanzierung durch Risikokapitalgeber dokumentiert. Das Unternehmen verweist auf organisches Wachstum und die Partnerschaft mit Cargoline als Finanzierungsbasis.
Zur Kundenorientierung gibt Cargoboard folgende Kennzahlen an: eine mittlere Antwortzeit im Kundenservice von 80 Sekunden, eine Steigerung des Net Promoter Scores (NPS) um 11 Prozent sowie eine Verbesserung der Pünktlichkeitsquote bei Abholungen und Zustellungen um 15 Prozent. Anfang 2025 erfolgte der Relaunch der Plattform unter dem Projektnamen „Cargoboard 2.0“. Die Überarbeitung der Nutzerführung und Menüanordnungen beschleunigte den Buchungsprozess nach Unternehmensangaben um 15 Prozent.
Zudem existiert eine chinesischsprachige Eingabemaske sowie spezifische Schnittstellenintegration für Kunden.
Evolutionäre Schritte und offene Fragen
Die Idee zu Cargoboard entstand bereits vor etwa acht Jahren während Petraschs Ausbildungszeit. Die offizielle Gründung erfolgte 2019. Cargoboard entwickelte sich aus einem Projekt-Workshop zur „Zukunft der Speditionsbranche“ an der Universität Paderborn, begleitet vom Startup-Inkubator Garage33 und in Kooperation mit CargoLine.
Rüdiger Kabst von der Universität Paderborn hebt hervor, dass die enge Kooperation mit einem Speditionsverbund und der frühzeitige Zugriff auf dessen Netz einen strategischen Vorteil darstellten. Cargoboard bezeichnet „Open Transport“ als zentralen Teil seiner Mission, Transporte fairer, transparenter und zugänglicher zu machen.
Das Unternehmen war ursprünglich asset-light aufgestellt. Aktuell bereitet Cargoboard die Einführung eigener Lastkraftwagen vor. Wie sich dieser Schritt auf Kostenstruktur und operative Effizienz auswirkt, bleibt aus Sicht externer Beobachter eine offene Frage.
Ob Cargoboard seine Wachstumsziele und die angestrebte Marktposition gegenüber etablierten Anbietern dauerhaft erreichen kann, werden die kommenden Jahre zeigen. Die Fokussierung auf eine digitale Buchungsplattform und die Einbindung mittelständischer Speditionen bilden die Grundlage der weiteren Expansionspläne.







