Ein Unternehmen namens Ventra wird in einem Fachartikel genannt, der ein Elektroauto mit einem Feinstaub-Filtersystem vorstellt. Zu Ventra liegen in den öffentlich zugänglichen Quellen derzeit keine technischen Details oder bestätigten Angaben zum Herkunftsland oder zur genauen Funktionsweise dieses Systems vor.

Das unterschätzte Feinstaubproblem der Elektromobilität

Elektroautos emittieren lokal keine Abgase. Sie tragen damit zur Reduktion lokaler Emissionen im Straßenverkehr bei. Dennoch wirken sie sich auf die Feinstaubbelastung aus, primär durch Reifen- und Bremsabrieb. Studien zeigen, dass nicht-abgasbedingter Abrieb einen erheblichen Anteil der Partikelemissionen im Verkehr ausmacht.

Die OECD prognostiziert, dass ab 2035 das Feinstaubaufkommen durch Reifen, Bremsen und Aufwirbelungen das durch Verbrennungskraftmaschinen erzeugte übersteigen wird. In Hamburg verursachen Reifen- und Bremsabrieb nach Untersuchungen etwa 12 Prozent des Feinstaubs. Am Stuttgarter Neckartor stammen laut Messungen der LUBW rund 85 Prozent des verkehrsbedingten Feinstaubs der PM10-Fraktion von Reifen-, Bremsen- und Straßenabrieb sowie der Aufwirbelung.

Auf Auspuffrohre entfielen dort nur 1,9 Mikrogramm pro Kubikmeter gegenüber 11,9 Mikrogramm pro Kubikmeter durch Abrieb und Aufwirbelungen.

Das höhere Gewicht von Elektrofahrzeugen, bedingt durch Batterien, kann den Reifenabrieb verstärken. In Deutschland schätzt eine gemeinsame Analyse von Fraunhofer UMSICHT, KIT und CMU den jährlichen Reifenabrieb auf 60.000 bis 100.000 Tonnen. Dies entspricht im Schnitt etwa 1.000 Gramm pro Kopf und Jahr.

Feinpartikel unter 2,5 Mikrometer (PM2,5) können tief in die Lunge eindringen. Sie tragen zu Atemwegs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei. Die WHO schätzt, dass Luftverschmutzung jährlich zu über vier Millionen vorzeitigen Todesfällen weltweit führt.

Technologische Antworten auf den Abrieb

Neben Ankündigungen einzelner Unternehmen entwickeln mehrere Akteure bereits konkrete Lösungen für das Problem der Abriebpartikel. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat in Kooperation mit HWA den Prototyp ZEDU-1 (Zero Emission Drive Unit – Generation 1) entwickelt. Dieses Konzept zielt darauf ab, Bremsen- und Reifenabrieb deutlich zu reduzieren oder nahezu vollständig zu eliminieren.

Audi arbeitet parallel dazu mit dem Filterspezialisten Mann+Hummel am „Audi Urban Purifier“. Das System wird vor dem Kühler eingebaut. Während der Fahrt filtert es passiv Umgebungsluft.

Beim Laden wird Umgebungsluft aktiv über den vorhandenen Lüfter durch den Filter geleitet. In Tests in Stuttgart filterte das System laut Angaben so viele Partikel aus der Umgebungsluft, wie ein Audi e-tron erzeugt. In sehr verschmutzter Luft konnte das System demnach Emissionen von bis zu drei Fahrzeugen absorbieren.

Das Pilotprojekt startete 2020 und lief über mehrere Jahre. Nach mehr als 50.000 Testkilometern stellten die Entwickler keine negativen Auswirkungen auf den Fahrzeugbetrieb fest. Audi und Mann+Hummel betonen, dass nur wenige Veränderungen am Fahrzeug nötig sind, die Kosten überschaubar bleiben und ein Filterwechsel im Rahmen der turnusmäßigen Wartung erfolgen kann.

Teile des Filtersystems bestehen zudem laut Angaben zum Teil aus Rezyklat.

Weitere Ansätze zur Reduktion von Partikeln umfassen „grünere“ Reifen, wie etwa Pneus aus zertifiziertem Naturkautschuk oder Erprobungen mit Löwenzahnlatex. Abriebfestere Bremsbeläge und infrastrukturelle Maßnahmen wie gezielte Straßenreinigung und flüssigere Verkehrsführung ergänzen diese Bemühungen.

Continental und die Tochter ATE bieten Bremstechnologien an, die weniger Staub erzeugen sollen. Die Nennung von Ventra in einem Fachartikel zeigt, dass die Idee, Fahrzeuge mit Partikelfiltern auszustatten, auch von neuen Marktteilnehmern aufgegriffen wird. Die frei zugängliche Recherche liefert jedoch keine verifizierbaren technischen Details zu dem von Ventra genannten Fahrzeug oder seinem Filtersystem.

Regulierung und Marktentwicklung

Die Regulierung von nicht-abgasbedingten Emissionen gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit. Die EU-Kommission adressiert verstärkt Emissionen von Bremsen und Reifen. Das Europäische Parlament hat beschlossen, dass ab 2035 in der EU neu zugelassene Pkw und leichte Nutzfahrzeuge emissionsfrei sein müssen.

Die WHO empfiehlt strengere Luftqualitätswerte als derzeit in der EU gelten. Die EU plant eine Verschärfung der Grenzwerte bis 2030, bleibt damit aber hinter den WHO-Empfehlungen zurück.

Wie schnell und in welchem Umfang Filtertechnologien, abriebärmere Komponenten und infrastrukturelle Maßnahmen zur Praxisreife und in die Massenproduktion gelangen, bleibt abzuwarten. Die europäische Automobilindustrie steht unter dem Druck, nicht nur emissionsfreie Antriebe, sondern auch Maßnahmen gegen verbleibende Emissionsquellen wie Abrieb zu entwickeln. Dies kann neue technische Differenzierungsfaktoren und Marktchancen eröffnen.

Analysten beobachten die Entwicklung von Standards und neuen Technologien genau, da diese den Wettbewerb und die Investitionsentscheidungen in der Branche maßgeblich beeinflussen könnten.