Minecraft-Schöpfer Markus Persson bietet sein Anwesen im Viertel Trousdale Estates in Beverly Hills für 70 Millionen US-Dollar zum Verkauf an. Das Angebot fällt zeitlich mit der Abstimmung über die kalifornische Gesetzesinitiative Proposition 40 zusammen. Marktbeobachter und Makler verknüpfen beide Vorgänge in ersten Analysen.
Rechtlich bleibt ein Verkauf für den maßgeblichen Stichtag der Steuerpflicht allerdings ohne Einfluss. Immobilienexperten werten das Inserat zugleich als Beleg für eine veränderte Preisdisziplin im obersten Segment des US-Luxusmarktes.
Symbol einer Tech-Ära stagniert im Nominalwert
Persson erwarb die rund 22.300 Quadratfuß große Villa (etwa 2.070 Quadratmeter) im Dezember 2014, unmittelbar nach dem Verkauf seines Entwicklerstudios Mojang an Microsoft für 2,5 Milliarden US-Dollar. Der Gründer hielt damals rund 70 Prozent an Mojang und verfügt laut Forbes über ein geschätztes Nettovermögen von 1,5 Milliarden US-Dollar. Beim Kauf im Jahr 2014 markierte die Transaktion mit 70 Millionen US-Dollar den bis dahin teuersten Hausverkauf in Beverly Hills, wobei Persson ein Gebot von Beyoncé und Jay-Z übertraf.
Nun steht die Immobilie exakt zum damaligen Einstandspreis im Markt.
Der Entwickler Bruce Makowsky konzipierte das Anwesen ursprünglich als voll ausgestattete Luxusresidenz. Das Gebäude verfügt über 15 Badezimmer, einen sogenannten Candy Room im Wert von rund 200.000 US-Dollar, einen Weinkeller für etwa 2.500 Flaschen, ein Kino mit 18 Sitzplätzen sowie einen Autolift. Nach dem Erwerb investierte Persson zusätzliche Millionenbeträge in ein Tonstudio und einen privaten Nachtclub.
Das Co-Listing steuern Aaron Kirman und Katia De Los Reyes von Christie’s International Real Estate Southern California gemeinsam mit Branden und Rayni Williams von The Beverly Hills Estates. Kirman betont den strategischen Schwenk weg von reinen Fantasiepreisen: Die Eigentümer stellen im aktuellen Marktumfeld zunehmend Liquidität über spekulative Höchstforderungen.
Sollte der Verkauf die angestrebten 70 Millionen US-Dollar erzielen, wäre dies der teuerste Abschluss des laufenden Jahres in Beverly Hills. Im gesamten Los Angeles County rangiert die Transaktion damit auf Platz zwei. Lediglich das Anwesen „Casa Encantada“, das Peter Thiel im September im Rahmen einer Zwangsversteigerung für 130 Millionen US-Dollar übernahm, erzielte 2026 ein höheres Volumen.
Proposition 40 verschärft den Standortwettbewerb
Das Inserat fällt mit der anstehenden Abstimmung über Proposition 40 am 3. November 2026 zusammen. Die Initiative sieht eine einmalige Sonderabgabe von fünf Prozent auf das Nettovermögen von Milliardären vor.
Betroffen wären rund 250 in Kalifornien ansässige Superreiche. Die Einnahmen sollen in das Gesundheitswesen, in die Lebensmittelhilfe sowie in Bildungsprogramme fließen. Da die acht reichsten Technologie-Milliardäre des Bundesstaates zusammen ein Vermögen von etwa 2,2 Billionen US-Dollar halten, errechnet sich daraus ein theoretisches Steuerpotenzial von rund 110 Milliarden US-Dollar.
Teile der kalifornischen Demokraten unterstützen den Vorstoß, während Gouverneur Gavin Newsom die Initiative ablehnt. Parallel stehen am Abstimmungstag Proposition 41 und 42 auf dem Stimmzettel. Erhalten diese Vorlagen mehr Ja-Stimmen als Proposition 40, setzen sie die Vermögensabgabe außer Kraft.
Prominente Investoren wie Mark Cuban, Peter Schiff und Kevin O’Leary warnen vor massiven Kapitalabflüssen und bereiten rechtliche Schritte vor.
Tatsächlich verlegten mehrere führende Branchenvertreter in den vergangenen Monaten Vermögenswerte oder ihren Wohnsitz. Larry Page transferierte im Dezember 2025 sein Family Office nach Delaware und kaufte Immobilien in Miami für 173,4 Millionen US-Dollar. Sergey Brin verlegte seinen Hauptwohnsitz nach Nevada und unterstützte Gegenkampagnen mit rund 102 Millionen US-Dollar.
Travis Kalanick meldete seinen Wohnsitz am 18. Dezember 2025 nach Austin in Texas um, wohin auch David Sacks zog.
Andere Konzerne wählen defensive Gegenstrategien. Meta schuf eine neue Aktienklasse, um Mark Zuckerberg zusätzliche Liquidität für potenzielle Steuerverbindlichkeiten zu verschaffen, während sich der Gründer im Gegenzug längerfristig an Kalifornien band. Nvidia-Chef Jensen Huang wiederum kündigte gegenüber Bloomberg TV an, trotz drohender Abgaben im Silicon Valley zu bleiben.
Steuerrecht setzt der Flucht-These enge Grenzen
Das Zusammentreffen des Verkaufsangebots mit dem Abstimmungstermin schürt Spekulationen über einen steuerlich motivierten Rückzug Perssons. Juristisch entfaltet ein Verkauf im November 2026 jedoch keine Relevanz für Proposition 40. Der Entwurf knüpft die Abgabepflicht strikt an den steuerlichen Wohnsitz zum Stichtag 1.
Januar 2026. Wer an diesem Tag in Kalifornien gemeldet war, fällt unter das Gesetz, unabhängig von späteren Transaktionen im selben Jahr.
Überdies schließt der Gesetzesentwurf direkt gehaltenes Immobilienvermögen von der Bemessungsgrundlage der Vermögensteuer explizit aus. Ein Verkauf der Villa ändert den steuerlichen Status rückwirkend somit nicht. Nach Angaben seines Maklerteams nutzt Persson das Anwesen ohnehin kaum noch und hält sich nur selten in Los Angeles auf.
Einen Zusammenhang mit der steuerpolitischen Debatte bestreitet die Verkäuferseite.
Signalwirkung für den Tech-Standort Kalifornien
Die Marktreaktion verdeutlicht zweierlei Entwicklungen: Einerseits zwingt das veränderte Zins- und Marktumfeld selbst wohlhabende Verkäufer zu realistischen Bewertungen, die im Fall Perssons nach zwölf Jahren Haltedauer auf eine nominale Stagnation hinauslaufen. Andererseits richtet sich der Blick der Finanzwelt auf den Ausgang der Abstimmungen über Proposition 40, 41 und 42.
Das Votum fungiert als Weichenstellung für das gesamte Wagniskapital-Ökosystem. Entscheiden sich die Wähler für die Sonderabgabe, droht Kalifornien seine Attraktivität für Tech-Milliardäre und Spitzenkräfte weiter an steuergünstige Bundesstaaten wie Texas und Florida zu verlieren. Unabhängig vom Ausgang des Urnengangs bereiten Verfassungsjuristen bereits Klagen vor.
Die rechtliche Haltbarkeit rückwirkender Stichtage dürfte die Gerichte über Jahre beschäftigen.







