Mastercard forciert die Integration von Stablecoins in seine Zahlungssysteme, um Transaktionen im Web3-Bereich zu optimieren. Das globale Zahlungsnetzwerk will die Lücke zwischen traditioneller Finanzwelt und digitalen Assets schließen. Dies geschieht, indem es Stablecoins für die Abwicklung von Kartentransaktionen einsetzt.

Diese strategische Ausrichtung zielt darauf ab, die Nutzung von Stablecoins so einfach wie die von herkömmlichem Bankguthaben zu gestalten. Das Unternehmen reagiert damit auf ein deutlich gestiegenes Stablecoin-Transfervolumen.

Mastercards strategische Neuausrichtung im Web3

Mastercards Engagement im Bereich der digitalen Assets intensiviert sich. Das Unternehmen integriert Stablecoins direkt in seine Zahlungssysteme, um die Abwicklung im Web3-Ökosystem effizienter zu gestalten. Dieser Schritt folgt einer Entwicklung, die 2021 mit der Unterstützung von Kryptowährungsnetzwerken begann.

Sie setzte sich über die Einführung von Krypto-Karten, das proprietäre Multi-Token Network (MTN) sowie die Integration von Stablecoin-Netzwerken fort. In den vergangenen fünf Jahren baute Mastercard die Stablecoin-Abwicklungsdienste kontinuierlich aus.

Die Motivation hinter dieser Strategie liegt in den Eigenschaften von Stablecoins. Sie bieten Preisstabilität, vergleichbar mit Fiat-Währungen, kombiniert mit der Geschwindigkeit und Effizienz der Blockchain-Technologie. Dies ermöglicht schnelle Transfers, programmierbare Zahlungen und eine nahezu sofortige Abwicklung über globale Netzwerke.

Mastercard reagiert damit auf ein starkes Wachstum: Das Stablecoin-Transfervolumen übertraf 2025 27,6 Billionen US-Dollar. Laut einer anderen Quelle waren es 33 Billionen US-Dollar. Damit lag das Volumen über dem kombinierten Volumen von Visa und Mastercard in traditionellen Netzwerken.

Die Ausgaben mit Stablecoin-Karten stiegen im selben Jahr auf 4,5 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 673 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Fokus liegt auf der Abwicklung (Settlement) von Kartentransaktionen.

Stablecoins sollen den Transfer von Geldern zwischen ausgebenden (Issuing) und annehmenden (Acquiring) Banken unterstützen. Dies soll eine rund um die Uhr verfügbare Abwicklung unabhängig von traditionellen Banköffnungszeiten ermöglichen.

Partner und Technologien treiben die Adaption voran

Für diese Integration setzt Mastercard auf ein Netzwerk von Partnern und proprietäre Technologien. Unternehmen wie Morph Payments, OKX, Nuvei, Circle und Paxos kooperieren mit Mastercard. Sie wollen die Nutzung von Stablecoins für Zahlungen und deren Abwicklung fördern.

OKX arbeitet mit der OKX Card an der Web3-Integration. Nuvei und Circle fungieren als Händler-Abwicklungspartner, um Händlern die Akzeptanz von Stablecoins zu ermöglichen. Circle zielt auf die Ausweitung von USDC- und EURC-Abwicklungen in Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika ab.

Auch MetaMask ist ein Partner für Wallet-Anbindungen und Kartenausgabe.

Ein zentrales technisches Element ist Mastercards Multi-Token Network (MTN), eine proprietäre, permissionierte Blockchain. Dieses Netzwerk dient als Vertrauensmotor. Es ermöglicht die Entwicklung automatisierter Zahlungsflüsse sowie Smart Contracts.

Es unterstützt verschiedene Formen von Token-Geld, darunter Stablecoins, tokenisierte Bankeinlagen und digitale Darstellungen von Fiat-Währungen. Bereits Finanzinstitutionen wie JPMorgan Chase und Standard Chartered sind für institutionelle Abwicklungen mit dem MTN verbunden.

Mastercard nutzt zudem das Crypto Credential für sichere und konforme Blockchain-Transaktionen. Es ersetzt lange Wallet-Adressen durch lesbare Aliase. Mit Mastercard Move bietet das Unternehmen eine Suite von Geldtransferlösungen.

Diese ermöglichen die Auszahlung von Stablecoins auf traditionelle Bankkonten. Im März 2026 akquirierte Mastercard BVNK, ein Stablecoin-Infrastrukturunternehmen, für bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme brachte ein Lizenznetzwerk mit, das 130 Länder umfasst.

BVNK bedient unter anderem Kunden wie Worldpay, Deel und Flywire.

Eine weitere Partnerschaft besteht mit SoFi Technologies. Deren Stablecoin SoFiUSD wird für die Abwicklung von Mastercard-Kredit- und Debitkartentransaktionen durch die SoFi Bank, N.A. genutzt. Die Galileo Financial Technologies Plattform von SoFi ermöglicht zudem anderen Banken und Fintech-Ausstellern die Stablecoin-Abwicklung.

Als eine der unterstützten Blockchains für die On-Chain-Abwicklung wählte Mastercard Polygon aus. Im Mai 2026 verarbeitete Polygon Stablecoins im Wert von 79 Milliarden US-Dollar. Dies macht 26 Prozent der gesamten Stablecoin-Aktivität aus und brachte Polygon in dieser Kategorie an die Spitze.

Polygon unterstützt über 3.800 Transaktionen pro Sekunde bei Gebühren von weniger als einem Cent.

Herausforderungen und Ausblick

Der Vorstoß in den Stablecoin-Bereich ist nicht ohne Herausforderungen. Marktbeobachter äußern Bedenken, dass die Strategie zu einem "permissioned, compliance-driven system" führen könnte. Dies würde die Dezentralisierung einschränken. Es wird auf Risiken wie Überwachung, Wallet-Blockierung und umfassende Compliance-Systeme hingewiesen.

Mastercard betont zugleich die Notwendigkeit, Stablecoins als Zahlungsinstrument breiter zugänglich zu machen. Jorn Lambert, Chief Product Officer bei Mastercard, weist darauf hin, dass rund 90 Prozent des Stablecoin-Volumens derzeit für den Handel mit anderen Kryptowährungen genutzt werden. Sie dienen bisher nicht als allgemeines Zahlungsmittel.

Die Technologie bringe Vorteile in Geschwindigkeit und Verfügbarkeit, doch dies allein reiche nicht aus, um Stablecoins allgemein als Zahlungsmittel zu etablieren.

Ein weiteres Risiko ist die regulatorische Unsicherheit. Zwar gibt es Fortschritte bei der Stablecoin-Gesetzgebung in den USA, und Mastercard erhielt im Mai 2026 eine New Yorker BitLicense. Die praktische Umsetzung der Regularien bleibt jedoch eine offene Variable.

Mastercard ist sich auch des Kannibalisierungsrisikos bewusst. Stablecoins könnten traditionelle Kartenzahlungsschienen umgehen. Die Strategie zielt darauf ab, dieses Risiko in Umsatzwachstum umzuwandeln.

Die Marktkapitalisierung von Stablecoins lag im März 2026 bei rund 314 Milliarden US-Dollar. Prognosen erwarten, dass das monatliche Transaktionsvolumen bis Ende 2026 die Marke von einer Billion US-Dollar überschreitet. Mastercard erweiterte im Juni 2026 seine Abwicklungsfähigkeiten auf Intraday-, Wochenend- und Feiertagsoptionen unter Einbeziehung geregelter Stablecoins.

Wie sich die Integration von Stablecoins auf die Margen von Mastercard auswirkt und ob sich Stablecoins als weitverbreitetes Zahlungsmittel durchsetzen, wird die weitere Marktentwicklung zeigen. Analysten beobachten dabei auch das Wettbewerbsumfeld, in dem unter anderem Visa und Stripe eigene Stablecoin-Infrastrukturen aufbauen.