Matter Labs stellt die Ausführungsumgebung EraVM innerhalb der kommenden sechs Monate ein. Die Entscheidung betrifft ZKsync und dürfte weitreichende Folgen für Web3-Startups haben, die auf kompatible Infrastruktur angewiesen sind. OneSafe, ein Finanztechnologieunternehmen für globales Krypto-Banking, analysiert die Hintergründe dieser Entwicklung und die damit verbundenen Herausforderungen für das Ökosystem.

Die Einstellung der EraVM ist eng mit dem bevorstehenden Atlas-Upgrade von ZKsync verknüpft. Dieses Upgrade zielt auf eine verbesserte Kompatibilität mit der Ethereum Virtual Machine (EVM) sowie auf eine robustere Protokollentwicklung. In der Ankündigung wird zudem betont, dass die Änderungen die Integrität von Smart Contracts stärken und Entwicklern mehr Reaktionszeit bei Sicherheitslücken ermöglichen sollen.

Web3-Sicherheit im Fokus

Die Einstellung von EraVM unterstreicht die Bedeutung von Sicherheit und Kompatibilität in der dezentralen Internet-Ära. Web3 gilt als nächste Phase der Internetentwicklung, gekennzeichnet durch Dezentralisierung, Blockchain-Technologie und Smart Contracts. Das Ziel ist es, Nutzern mehr Kontrolle über Daten und Vermögenswerte zu geben.

Gleichzeitig erhöht die technische Komplexität den Bedarf an einer starken Sicherheitsarchitektur, um Angriffsflächen zu reduzieren. Im Rahmen des Atlas-Upgrades schlagen die Verantwortlichen konkrete Maßnahmen vor: eine Verlängerung der Ausführungsverzögerung von drei auf 24 Stunden sowie die Zurückhaltung neuer Protokollcode-Veröffentlichungen für drei Monate nach Upgrades. Diese Schritte sollen Entwicklern mehr Zeit für Reaktionen auf entdeckte Schwachstellen geben.

Herausforderungen für Web3-Startups

Für Gründer eines Web3-Startups bedeutet die Umstellung von EraVM technische Anpassungen an Projekten und Protokollen, die auf dieser Umgebung basieren. OneSafe, spezialisiert auf globales Krypto-Banking für Web3-Startups, verweist in seinen Ausführungen auf die erhöhte Komplexität für junge Unternehmen.

OneSafe wurde 2021 von Chris Shei und Brian Ko gegründet. Das Unternehmen agiert nicht als Bank, sondern arbeitet in Partnerschaften mit kryptofreundlichen Banken, um Web3-Firmen Konten und Banking-Dienstleistungen anzubieten. Chris Shei berichtet in Interviews, dass er zuvor Erfahrungen mit dem Debanking durch Großbanken wie JPMorgan und Citibank gemacht hat.

Die Sicherheitslage im DeFi-Sektor bleibt angespannt: Im ersten Quartal 2026 gingen Berichten zufolge über 168 Millionen US-Dollar durch Exploits in 34 DeFi-Protokollen verloren. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 1,58 Milliarden US-Dollar. Als Beispiel nennt die Recherche einen Social-Engineering-Angriff auf das Drift-Protokoll mit einem Verlust von rund 280 Millionen US-Dollar.

Auch Friend.tech, das im August 2023 startete und kurz nach dem Launch ein ausstehendes Volumen von 38.884 Ether (etwa 60 Millionen Euro) verzeichnete, wurde bereits Anfang September 2023 von Check Point Research auf Schwachstellen hingewiesen.

Attraktives Feld für Sicherheitsforscher

Parallel zu den Sicherheitsherausforderungen wächst die Rolle von White-Hat-Forschern im Web3-Ökosystem. Die Solana Foundation und Asymmetric Research starteten im April 2026 gemeinsam die Sicherheitsinitiative STRIDE.

Bug-Bounty-Plattformen wie Immunefi haben Auszahlungen von über 120 Millionen US-Dollar registriert, wodurch 30 neue Millionäre entstanden sein sollen. Die höchste dokumentierte Einzelauszahlung an einen Web3-White-Hat betrug 10 Millionen US-Dollar für die Entdeckung eines kritischen Fehlers in der Wormhole-Bridge. Manche Web3-Sicherheitsexperten erzielen laut Bericht jährliche Einnahmen von bis zu 14 Millionen US-Dollar.

Das durchschnittliche Gehalt in der traditionellen Cybersicherheit liegt demnach bei etwa 300.000 US-Dollar. Diese Zahlen belegen die finanziellen Anreize und die hohe Nachfrage nach spezialisierten Sicherheitsleistungen im Web3-Bereich.

Ausblick auf eine sichere Zukunft

Die Einstellung von EraVM durch Matter Labs ist Teil eines Konsolidierungsprozesses, bei dem eine stärkere Orientierung an EVM-kompatiblen Standards erfolgt. Für Unternehmen wie OneSafe bleibt die Rolle als Vermittler zwischen dem Krypto-Ökosystem und traditionellen Finanzinstituten relevant. Sie ermöglichen Web3-Firmen weiterhin Konto- und Banking-Zugänge in Partnerschaft mit kryptofreundlichen Banken.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie ZKsync die Migration gestaltet und welche technischen Anpassungen im Web3-Ökosystem vorgenommen werden, um auf die dokumentierten Bedrohungen zu reagieren. Die genannten Maßnahmen – längere Ausführungsverzögerungen, verzögerte Codeveröffentlichungen und die Förderung von Sicherheitsinitiativen – sind Bestandteile der aktuellen Diskussion um die Stabilität und Sicherheit dezentraler Anwendungen.