Die rasante Entwicklung von Smart Glasses und Robotaxis trifft zunehmend auf Skepsis bei Regulierungsbehörden und in der Öffentlichkeit. Während Datenbrillen mit Kameras und Mikrofonen erhebliche Datenschutzbedenken aufwerfen, insbesondere bei der Aufzeichnung im öffentlichen Raum, stehen autonome Taxis wegen Sicherheits- und rechtlicher Fragen im Fokus. Diese Technologien stellen die Gesetzgebung vor Herausforderungen, da bestehende Regelwerke oft nicht auf ihre Besonderheiten zugeschnitten sind.

Smart Glasses: Datenschutz im Fokus

Die Diskussion um die Smart Glasses von Meta, die zusammen mit dem Ray-Ban-Hersteller EssilorLuxottica entwickelt wurden, konzentriert sich auf Datenschutzfragen. Integrierte Kameras und Mikrofone ermöglichen die Aufnahme von Personen in öffentlichen Räumen, häufig ohne deren Wissen oder Zustimmung. Kritiker bemängeln, dass die kleine LED-Anzeige, die eine laufende Aufnahme signalisieren soll, unzureichend ist.

Sie kann bei schlechten Lichtverhältnissen übersehen oder manipuliert werden. Meta deaktivierte daraufhin Kameras, deren Aufnahmelichter manipuliert worden waren.

Die rechtliche Lage variiert international. In den USA erschweren verfassungsrechtliche Schutzbestimmungen wie das First Amendment breite Einschränkungen von Aufnahmegeräten, wie G.S. Hans, Direktor der Civil Rights and Civil Liberties Clinic an der Cornell Law School, hervorhebt.

Europäische Länder und Städte erwägen hingegen strengere Regelungen bis zu Verboten. Die EU-Abgeordnete Veronika Cifrova Ostrihonova hat die Europäische Kommission zur Einhaltung von Datenschutz- und KI-Regeln befragt. Ihr Kollege Alex Agius Saliba fordert ein Verbot, bis die Sicherheit der Brillen nachgewiesen sei.

In Großbritannien sammelte eine Petition gegen den Verkauf von Smart Glasses mehr als 9.100 Unterschriften.

Auch die kommerzielle Nutzung aufgezeichneter Inhalte verschärft die Problematik. In Indien wurde ein Fall bekannt, in dem eine Frau heimlich gefilmt und das Material in Verbindung mit „Flirt-Coaching“ kommerzialisiert wurde. Der mutmaßliche Betreiber wurde verhaftet.

Die Internet Freedom Foundation (IFF) unterstützt eine zweite Klage wegen heimlicher Aufnahmen. Der polnische Entwickler Pawel Szydlowski hat die App „Zuckoff“ zur Erkennung von Meta-Brillen entwickelt. Diese verzeichnete im September 2026 rund 5.000 Nutzer.

Robotaxis: Innovation trifft Sicherheitsbedenken

Robotaxis stoßen ebenfalls auf rechtliche und regulatorische Hürden, wobei die Sicherheit im Vordergrund steht. Städte und Bundesstaaten in den USA treiben Regulierungen voran, angetrieben von Sorgen um Arbeitsplätze und die öffentliche Sicherheit. In mehreren Fällen haben autonome Fahrzeuge Rettungsfahrzeuge behindert oder sind in aktive Notfallszenen eingefahren, was die Diskussion befeuert.

Die NHTSA leitete eine Untersuchung gegen Zoox ein, nachdem ein unbesetztes Zoox-Fahrzeug in einen aktiven Brandherd in Austin gefahren war. Die Behörde spricht von einem „clear pattern“ der Interferenz von autonomen Fahrzeugen bei Einsatzstellen. Technische Probleme wie hartes Bremsen und plötzliche Manöver führten 2025 zu Verletzungen bei Testfahrern.

Transdev, das Testfahrer für Waymo einsetzt, meldete elf Verletzungen in San Francisco, Los Angeles und Phoenix. In einem Fall war ein Fahrer mehr als 150 Tage arbeitsunfähig.

Die Selbstzertifizierung von Fahrzeugen ohne Lenkrad und Pedale wird von der NHTSA hinterfragt. Die Agentur prüft unter anderem, ob Teslas Cybercabs die bestehenden Sicherheitsstandards einhalten, die weiterhin gelten. Mit Stand vom 3.

September 2026 waren in Texas 314 Robotaxis von Tesla registriert, darunter 45 Cybercabs. Ein Audit Query der NHTSA (AQ26002) betrifft etwa 1.000 Cybercabs in Austin.

In Minneapolis haben die Stadträte Jason Chavez, Aurin Chowdhury, Robin Wonsley und Jamal Osman eine Verordnung vorgeschlagen, die menschliche Sicherheitsmonitore in autonomen Fahrzeugen vorschreibt. Robin Wonsley argumentiert, ohne solche Regeln seien Arbeiter und Anwohner verwundbar. Waymo bezeichnete den Vorschlag als faktisches Verbot und betonte, mit Behörden an einer Lösung arbeiten zu wollen.

Ausblick auf die Regulierung

Die Herausforderungen für Gesetzgeber bleiben bestehen. Im Herbst wird ein Bericht des European Data Protection Board zur „sozialen Akzeptanz“ von Smart Glasses erwartet. In den USA wird die Debatte um autonome Fahrzeuge in Minnesota erneut aufgenommen. Die NHTSA untersucht weiterhin die Full-Self-Driving-Software von Tesla in rund 3,2 Millionen Fahrzeugen.

Bei den Cybercabs gibt es widersprüchliche Darstellungen: Tesla bewirbt die Fahrzeuge als „vollständig autonom“ und „ohne Lenkrad“, doch in New York City wurden Cybercabs mit einer Person am Steuer und einem Lenkrad gesichtet. Ob dies eine Anpassung an lokale Vorgaben oder ein Widerspruch ist, bleibt unklar. Ebenso offen ist, wie Regulierungsbehörden mit „always-on“-Funktionen von KI-Agenten in Smart Glasses umgehen, die nicht notwendigerweise klassische Aufnahmen erzeugen, sondern kontinuierlich Daten erfassen.

Auch ist unklar, welche Auswirkungen eine NHTSA-Bewertung der Selbstzertifizierung auf die Marktexpansion von Teslas Robotaxis haben wird.

Analysten wie Itay Michaeli von TD Securities erwarten einen langsamen Start des Cybercab, da die Kosten für autonomes Fahren bislang nicht so wettbewerbsfähig sind, wie Anbieter es versprochen haben. Beobachter sehen Anpassungsbedarf bei rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen, um Nutzervertrauen und öffentliche Sicherheit zu adressieren.