Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist mit Michael Hüther, seinem Direktor, in die Debatte um den Euro eingetreten. Hüther fordert, den Euro zur globalen Leitwährung zu entwickeln. Er plädiert zudem dafür, das Tabu gemeinsamer europäischer Verschuldung zu brechen und perspektivisch Euro-Bonds einzuführen.
Die internationale Währungsordnung sieht er unter Druck und bezeichnet einen möglichen „Trump-Schock“ durch US-Eingriffe in Devisen- und Anleihemärkte als Chance für Europa, die Position des Euro auszubauen.
Strategie zur Leitwährung
Michael Hüther betont, Europa müsse den Euro zur globalen Leitwährung entwickeln. Ein Mittel dazu sei die Schaffung eines größeren Euro-Anleihemarktes durch gemeinsame europäische Verschuldung. Dies könnte, so Hüther, mittel- und langfristig die Finanzierungskosten der gesamten Währungsunion senken und zugleich einen geopolitischen Gewinn darstellen.
Er warnt davor, bei dem Begriff Euro-Bonds reflexartig Scheuklappen aufzusetzen. Hüther verdeutlicht, dass Euro-Bonds nicht zwangsläufig eine Vergemeinschaftung aller Schulden bedeuten. Er fordert außerdem, die Verteidigungsfähigkeit und die Währungspolitik der Union zusammenzudenken.
Gegenüber dem Handelsblatt erklärte Hüther, dass bestimmte Bedingungen für eine gemeinsame Verschuldung gelten müssten.
Bruch eines deutschen Tabus
Die Forderung nach Euro-Bonds berührt ein in Deutschland lange als Tabu geltendes Thema. Die gemeinsame Haftung für Schulden wurde traditionell abgelehnt. Hüther ordnet seinen Vorstoß vor dem Hintergrund eines Vertrauensverlusts des US-Dollars und einer unter Druck geratenen internationalen Währungsordnung ein.
Insbesondere einen potenziellen „Trump-Schock“, bei dem die USA in Devisen- und Anleihemärkte eingreifen könnten, sieht er als Treiber für Europa, die Rolle des Euro zu stärken.
Ein größerer Euro-Anleihemarkt würde, so Hüthers Argumentation, die Attraktivität des Euro für internationale Anleger erhöhen. Die Nachfrage nach Euro-basierten Anlagen könnte dadurch steigen, was die internationale Akzeptanz der Gemeinschaftswährung untermauern würde.
Ausblick und offene Fragen
Hüthers Vorschläge haben eine Debatte über die Zukunft des Euro und die europäische Finanzintegration angestoßen. Obwohl er im Interview auf die Notwendigkeit von Bedingungen für eine gemeinsame Verschuldung hinweist, sind konkrete Mechanismen oder detaillierte Konditionen, die eine Vergemeinschaftung nicht aller Schulden ausschließen könnten, in der vorliegenden Recherche nicht dokumentiert. Ebenso fehlt ein spezifischer Zeitrahmen für die Umsetzung derartiger Maßnahmen.
Diese offenen Punkte bleiben Gegenstand weiterer politischer und wirtschaftlicher Diskussionen. Die Reaktionen aus den Mitgliedstaaten der Eurozone und seitens der Europäischen Zentralbank auf diesen Vorstoß werden entscheidend sein für die weitere Entwicklung der Debatte.







