Die im September 2026 von Microsoft im Rahmen des monatlichen Patch Tuesday veröffentlichten kumulativen Sicherheitsupdates verursachen Störungen bei den Remotedesktopdiensten (RDS) auf Windows-Servern. Nach der Installation der Patches kommt es bei Windows Server 2019, 2022 und 2025 zu Problemen. Neue RDP-Verbindungsversuche bleiben im Status „Verbindung wird hergestellt“ hängen.

Die Deinstallation der Updates stellt die Funktionalität zwar wieder her, öffnet aber zugleich die zuvor geschlossenen Sicherheitslücken. Für Unternehmen entsteht damit ein Sicherheitsdilemma.

Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung oder Stellungnahme von Microsoft zu diesen Störungen.

Weitreichende Funktionsstörungen nach Patch Tuesday

Die Störungen betreffen insbesondere Windows Server 2019 (Kumulatives Update KB5122876, Build 17763.9245), Windows Server 2022 (KB5122882, Build 20348.5622) und Windows Server 2025 (KB5122871, Build 26100.33438). Berichten zufolge arbeiten RDS-Server nach der Aktualisierung zunächst stundenlang fehlerfrei. Neue RDP-Verbindungsversuche werden jedoch später dauerhaft blockiert.

Bestehende Sitzungen lassen sich demnach nicht ordnungsgemäß trennen. In einigen Fällen wird ein Hard Reset zur Wiederherstellung der Funktionalität genannt. Das Problem kann anschließend erneut auftreten.

Parallel dazu friert der Task-Manager ein, da er den Local Session Manager nicht erreicht. Anwendungen, die den Windows-Sitzungsstatus berühren, reagieren ebenfalls nicht mehr. Systemprotokolle zeigen häufig das Ereignis 20498, das auf überlange Antwortzeiten der Remotedesktopdienste hinweist.

Als mutmaßliche technische Ursache wird ein Deadlock innerhalb der Komponente „RDPSERVERBASE!WDLIB_Close“ in Verbindung mit dem Local Session Manager während des Sitzungsabbruchs vermutet.

Vereinzelt werden zudem Probleme bei Windows-11-Nutzerprofilen gemeldet. Dazu zählen verschwindende Benutzerkonten oder die Fehlermeldung „User Profile Service failed the sign-in“.

Rekordzahl an Patches und das Dilemma der Sicherheit

Der Patch Tuesday im September 2026 war in der Berichterstattung besonders umfangreich. Die genaue Zahl der behobenen Schwachstellen variiert zwischen den Quellen. Sie liegt im Bereich von 964 bis 974 CVEs. Einige Quellen sprechen von 974 CVEs. Die Anzahl der als kritisch eingestuften Schwachstellen wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben und liegt in den Berichten bei etwa 105 bis 119.

Unter den geschlossenen Lücken befanden sich auch zwei aktiv ausgenutzte Zero-Day-Schwachstellen. Eine dieser Schwachstellen, CVE-2026-69525, betrifft die Remotedesktopdienste und wird mit einem CVSS-Score von 9.8 angegeben. Weitere in Berichten hervorgehobene Schwachstellen sind CVE-2026-65669 im SQL Server (CVSS 9.6) sowie CVE-2026-85880 (Windows ALPC, CVSS 7.8) und CVE-2026-81963 (Windows Update Stack, CVSS 7.8).

Die Möglichkeit, Updates zurückzunehmen, um die RDS-Funktionalität wiederherzustellen, stellt Unternehmen vor ein Dilemma. Kritische Sicherheitslücken stehen dadurch erneut offen.

Hintergrund: Eine neue Ära der Schwachstellen-Entdeckung?

Die hohe Zahl an Patches reiht sich in eine längerfristige Entwicklung ein. Im Juli 2026 patchte Microsoft Berichten zufolge 570 Schwachstellen. Im August folgten je nach Quelle rund 400 bis 620 weitere CVEs. Microsoft hatte Kunden bereits zuvor gewarnt, dass der Einsatz von KI-Tools zur Schwachstellenerkennung eine Zunahme der Sicherheitsupdates zur Folge haben könnte.

Diese Entwicklung wird in der Branche diskutiert. Satnam Narang, Senior Staff Research Engineer bei Tenable, sagt, KI-gestützte Entdeckung schaffe größere „Heuhaufen“, finde aber nicht notwendigerweise mehr „Nadeln“. Dustin Childs, Head of Threat Awareness bei Trend Micro’s Zero Day Initiative, bezeichnet den Anstieg als „neue Normalität“.

Er stellt fest, dass trotz der steigenden Zahlen bislang keine korrelierende Zunahme von aktiven Exploits zu beobachten sei — „yet“. Childs äußerte zudem Bedenken hinsichtlich „wormable“ Bugs und einer möglichen globalen Wurm-Epidemie.

Jack Bicer, Director of Vulnerability Research bei Action1, hebt hervor, dass IT- und Sicherheitsteams bei Hunderten von Updates schnell zwischen kritischen und weniger kritischen Schwachstellen unterscheiden müssen. Es gilt demnach, Prioritäten bei der Beurteilung und Behebung zu setzen.

Ausblick: Microsoft und die nächsten Schritte

Eine offizielle Stellungnahme von Microsoft zu den RDS-Störungen liegt weiterhin nicht vor. Betroffene Unternehmen und Sicherheitsteams warten auf weitergehende Informationen oder Lösungen. Für IT- und Sicherheitsteams bleibt die Herausforderung, bei der Vielzahl an Sicherheitsupdates schnell zu priorisieren und abzuwägen, welche Maßnahmen nötig sind.

Dies sichert sowohl die Stabilität als auch die Sicherheit der Systeme. Analysten beobachten gespannt, wann und wie Microsoft auf diese anhaltenden Funktionsstörungen reagiert und welche Implikationen dies für zukünftige Patch-Strategien haben könnte.