Microsofts Gaming-Sparte Xbox durchläuft eine umfassende Restrukturierung, um die Effizienz nach der Übernahme von Activision Blizzard zu steigern. Das Unternehmen veräußert Studios, strafft Entwicklerteams und streicht Tausende Stellen. Ziel ist es, die Profitabilität der Sparte zu erhöhen und die Betriebskosten zu senken, nachdem die Margen zuletzt deutlich niedriger als bei vergleichbaren Unternehmen lagen.

Der Technologiekonzern Microsoft konsolidiert seine Videospielsparte Xbox. Die Umstrukturierung ist eine direkte Folge der Akquisition von Activision Blizzard und des Drucks, die Profitabilität des Gaming-Segments zügig zu erhöhen. Berichten zufolge lag die Marge der Xbox-Sparte im Juli 2026 bei drei Prozent.

Asha Sharma, CEO von Xbox, beschrieb diese Marge als drei- bis zehnmal niedriger als bei vergleichbaren Unternehmen.

Effizienzsteigerung durch Personalabbau

Microsoft hat sich zum Ziel gesetzt, verstreute Entwicklerkapazitäten zu bündeln, doppelte Verwaltungsstrukturen abzubauen und unrentable Projekte einzustellen. Der Konzern plant, die Belegschaft der Xbox-Division um rund 20 Prozent zu reduzieren. Insgesamt sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 etwa 3.200 Mitarbeiter abgebaut werden, davon 1.600 bereits im Juli 2026.

Eine weitere Welle von Entlassungen im September 2026 betraf rund 500 Mitarbeiter, primär in der Xbox-Gaming-Sparte. Darunter fielen 268 Stellen in Halo Studios, weiteren First-Party-Studios sowie auf der Management- und Zentralfunktionsebene der Xbox Game Studios (XGS). Matt Booty, Chief Content Officer von Xbox, erklärte, dass die Maßnahmen seit Juli, inklusive der Studioveräußerungen, die Restrukturierung zu etwa drei Vierteln abgeschlossen haben.

Die Stellenstreichungen hatten Folgen für einzelne Studios. Id Software verlor 136 Mitarbeiter, was einem Großteil seiner Belegschaft entspricht. Anne Barrett, eine entlassene Mitarbeiterin von Bethesda Game Studios Austin und Mitglied des Verhandlungsausschusses der Gewerkschaft, berichtete von abrupten Kommunikationsabläufen, die viele langjährige Beschäftigte schockierten.

Morgan Goin, ehemalige Mitarbeiterin von ZeniMax Online Studios, beschrieb eine Atmosphäre der Trauer und Unsicherheit unter den Betroffenen. Für entlassene US-Mitarbeiter bot Microsoft im Juli 2026 Abfindungspakete von bis zu 39 Wochen Basislöhnen an. Zusätzlich wurden mindestens 60 Tage Abfindung sowie weitere Zeit basierend auf Seniorität und Betriebszugehörigkeit gewährt.

Strategische Neuordnung der Studio-Landschaft

Als Teil der Neuausrichtung veräußerte Microsoft mehrere Studios und reorganisiert die Zuständigkeiten innerhalb der verbleibenden Einheiten. Im August 2026 kehrten Compulsion und Double Fine mit ihren IPs, Backkatalogen und Startkapital an ihre Management-Teams zurück. Undead Labs wurde zu ähnlichen Konditionen veräußert; das Studio teilte mit, es habe sich von einer signifikanten Anzahl von Kollegen getrennt und will State of Decay 3 Day One im Game Pass mit einem neuen Publisher veröffentlichen.

Für Ninja Theory scheiterten zwei Verkaufsvereinbarungen. Microsoft begann daraufhin Konsultationen mit Mitarbeitenden über eine vorgeschlagene Schließung. Bei Arkane (Lyon) laufen Konsultationen, die voraussichtlich bis Ende 2026 andauern.

Die verbleibenden Studios werden neu geordnet. Activision erweitert seinen Zuständigkeitsbereich auf World’s Edge und Rare. Activision soll zudem den nächsten Halo-Titel entwickeln, geleitet von einem neuen, zweckgebundenen Team, das getrennt von der Call of Duty-Entwicklung agiert.

Bethesda erweitert sein Zuständigkeitsfeld auf Obsidian. Obsidian setzt Projekte wie Grounded und ein neues Fallout-Projekt in Zusammenarbeit mit Bethesda Game Studios fort.

King übernimmt Microsoft Casual Games, um die Arbeit an Casual-Design und Live-Operations zu bündeln. Playground und Turn 10 werden zusammengeführt und konzentrieren sich künftig auf die Forza- und Fable-Franchises.

Neuausrichtung auf Content und Services

Parallel zu den internen Umbauten reorganisiert Microsoft die gesamte Geschäftstätigkeit in zwei Hauptsegmente: „Agents & Infra“ (KI und Cloud) und „Devices & Consumer“ (Windows und Xbox). Xbox wird dem Segment „Devices & Consumer“ zugeordnet. Die Berichtsmetriken sollen unverändert bleiben.

Auf der Xbox-Webseite fehlen seit Mitte 2025 dezidierte Unterseiten oder Referenzen zu „Xbox Game Studios“. Zukünftige Pläne für Xbox fokussieren sich auf „content and services revenue growth“, also Einnahmen aus erst- und drittanbieterbasierten Inhalten (einschließlich Spiele und In-Game-Inhalte), Xbox Game Pass und anderen Abonnements, Xbox Cloud Gaming, Werbung und anderen Cloud-Diensten.

Geplant ist zudem die Einführung von kostenpflichtigen Cloud-Stunden-Paketen für xCloud-Streaming, einer kostenlosen, werbefinanzierten Streaming-Option sowie eines „Disc-to-Digital“-Programms.

Analysten und Marktbeobachter richten den Blick auf die kommenden Monate. Matt Booty kündigte an, dass beim am 6. Oktober 2026 geplanten Xbox Town Hall die Fortschritte der Umstrukturierung und das zukünftige Line-up thematisiert werden sollen. Die Konsultationen mit betroffenen Studios laufen weiter. Die Kürzungen sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2027 umgesetzt werden.