Kyriakos Mitsotakis, der griechische Premierminister, nutzt seinen Besuch in San Francisco, um Griechenland als Technologiestandort zu positionieren und griechische Talente im Ausland zur Rückkehr zu bewegen. Im Rahmen eines Endeavor Greece-Events mit dem Titel „The Future of AI Elsewhere“ traf er sich mit griechischen und griechisch-amerikanischen Gründern von KI- und Technologieunternehmen. Die Initiative zielt darauf ab, Brain Gain zu fördern und internationale Investitionen in den griechischen Technologiesektor zu lenken.
Mitsotakis, vor seiner politischen Karriere als Venture Capitalist tätig, gründete Anfang der 2000er Jahre den ersten dezidierten Tech-Fonds in Griechenland. Er hob die Erfolgsgeschichten griechischer Talente im Ausland hervor und warb für die Attraktivität seines Landes. Gleichzeitig verwies er auf staatliche Initiativen, darunter den Einsatz von EU-Post-COVID-Wiederaufbaufonds für digitale Infrastruktur.
Griechenlands Weg zum Tech-Hub
Griechenlands Transformation von einem Land der Schuldenkrise zu einem potenziellen Technologiestandort ist ein Element der Strategie von Mitsotakis. Die 10-Jahres-Anleiherendite für Griechenland lag laut Berichten vom 22. September 2026 bei etwa 4,3 Prozent, während US-Staatsanleihen zu diesem Zeitpunkt bei rund 5 Prozent notierten.
Während der griechischen Schuldenkrise 2012 hatten die Renditen Werte von über 40 Prozent erreicht. Diese finanzielle Entwicklung wird als Zeichen gewachsener Investorenzuversicht interpretiert und könnte Griechenland helfen, nächstes Jahr den Status eines Developed Market beim Indexanbieter MSCI zurückzuerlangen.
Als konkretes Beispiel nannte Mitsotakis das KI- und Analysezentrum von Pfizer in Thessaloniki. Unter der Leitung von CEO Albert Bourla, der aus Thessaloniki stammt, sei der Standort von anfänglich 200 auf mehr als 1.500 Mitarbeitende gewachsen. Mitsotakis verwies darauf, dass dies Zugang zu Talenten in Griechenland belege.
Die Gesamtinvestitionen in der griechischen Pharmaindustrie übersteigen laut Berichten derzeit 1 Milliarde Euro. Überdies ist ein neuer Supercomputer in Lavrio in Zusammenarbeit mit Hewlett Packard Enterprise geplant; er soll innerhalb weniger Monate für KI- und wissenschaftliche Forschung in Betrieb gehen.
Anreize für Rückkehrer und KI-Regulierung
Um den Brain Drain umzukehren, bietet die Regierung steuerliche Anreize: Rückkehrende Griechen können für bis zu sieben Jahre von deutlich niedrigeren Steuern profitieren. Mitsotakis betonte die Absicht, Brain Gain zu fördern und Brücken zwischen der Community im Ausland und Griechenland zu bauen, um ein dynamisches Biotechnologie-Ökosystem zu schaffen.
Beim Endeavor Greece-Event traf Mitsotakis Gründer wie Anastasios Angelopoulos (Co-Gründer und CEO von Arena), Anastasis Germanidis (Co-Gründer und Co-CEO von Runway), Nicky Goulimis (Co-Gründerin und CEO von Tunic Pay) und Spiros Xanthos (Gründer und CEO von Resolve AI). Die Diskussion wurde von Andreas Stavropoulos, Partner bei Threshold Ventures und Vizepräsident von Endeavor Greece, moderiert. Mitsotakis sagte über Erfolg als gemeinsamen Nenner: „But I think if there’s a common thread here, it’s meritocracy: it’s a sense that regardless of where you come from, what your background is, if you work hard and if you have some proper support, you can succeed.“
Neben der Talentförderung sprach Mitsotakis die globale Debatte um KI-Regulierung an und warnte in diesem Zusammenhang: „We’re already fighting yesterday’s battle.“ Er sprach sich gegen die Verlangsamung der KI-Entwicklung aus. Dies steht im Kontrast zu Aussagen von Akteuren wie Bill Gates, dessen Stiftung sich verpflichtete, 1 Milliarde US-Dollar über die nächsten zwei Jahre zur Verbesserung des globalen KI-Zugangs bereitzustellen.
Gates sagte: „If we can slow down the growth of AI, we’ll have more time to ensure the benefits outweigh the harm, and leave everyone better off.“
Frankreichs KI-Offensive im europäischen Vergleich
Vergleichszahlen zeigen Unterschiede in der europäischen KI-Finanzierung: Frankreich erhielt im Jahr 2026 fast 3 Milliarden Euro für KI-Startups, Deutschland erreichte knapp 7 Milliarden Euro, Großbritannien 14,1 Milliarden Euro. Berichten zufolge strebt der französische LLM-Entwickler Mistral eine Kapitalrunde zu einer Bewertung von 20 Milliarden Euro an. Zudem wird AMI Labs in Paris in Berichten als Labor für physische KI genannt.
Beispiele wie der Sitzwechsel des KI-Infrastruktur-Startups Pathway in die USA im Jahr 2024 illustrieren die internationalen Wettbewerbsbedingungen.
Mitsotakis’ Besuch in San Francisco lässt sich vor diesem Hintergrund als Versuch lesen, Griechenland in diesem Wettbewerb zu positionieren, von führenden Innovationszentren zu lernen und Rückkehranreize für Talente zu setzen.
Ausblick: Griechenlands Marktentwicklung und die Rolle der KI
Griechenlands Bestrebungen, sich als moderner Technologiestandort zu etablieren, sind mit der wirtschaftlichen Konsolidierung und der Aussicht verbunden, den MSCI-Status als Developed Market zurückzuerlangen. Zu den in der Berichterstattung genannten Maßnahmen gehören staatliche Förderprogramme, die Nutzung von EU-Wiederaufbaufonds und der Ausbau digitaler Infrastruktur. Der geplante Supercomputer in Lavrio wird dabei häufig genannt.
Ob Griechenland seine Investitionsziele erreicht und den angestrebten Brain Gain realisiert, bleibt offen. Als relevante Faktoren werden in der Debatte die Attraktivität steuerlicher Anreize, die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte und die Positionierung im Wettbewerb um KI-Infrastruktur und -Talente genannt. Die Frage, wie strikt KI reguliert wird, ist Teil dieser Positionierung: Mitsotakis vertritt eine Haltung, die Innovation nicht durch Verlangsamung der Entwicklung behindern will.
Marktbeobachter werden die weitere Entwicklung der griechischen Anleiherenditen und die tatsächliche Umsetzung der Digitalisierungsinitiativen verfolgen, um die Nachhaltigkeit dieses Wandels zu bewerten.







