Deutsche Hochschulstädte verzeichnen steigende Mietbelastungen, die Studierende finanziell stark fordern. Eine Analyse des Finanzdienstleisters MLP und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zeigt, dass die BAföG-Wohnkostenpauschale von derzeit 380 Euro in den meisten deutschen Hochschulstädten nicht mehr ausreicht, um die Mieten für studentisches Wohnen zu decken. Laut MLP-Studierendenwohnreport 2025 kann die Pauschale für eine 30 Quadratmeter große Musterwohnung nur noch in Chemnitz vollständig die Kosten abdecken.
Die gestiegenen Mietpreise für kleine Wohnungen und WG-Zimmer führen dazu, dass Studierende einen erheblichen Teil ihres verfügbaren Einkommens für Wohnkosten aufwenden müssen. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die finanzielle Situation vieler Studierender.
Mietpreise steigen bundesweit
Die Mietpreise für studentisches Wohnen sind laut MLP/IW-Analyse bundesweit gestiegen. Im Vergleich zum vorherigen Wintersemester erhöhten sich die Preise für kleine Wohnungen um 3,5 Prozent, für WG-Zimmer um 2,3 Prozent und für möblierte Wohnungen auf Zeit um 2,0 Prozent. Auf Dreijahressicht lag der jährliche Anstieg im Durchschnitt bei 4,0 Prozent.
Das Moses-Mendelssohn-Institut (MMI) beziffert die durchschnittliche Warmmiete für ein WG-Zimmer zum Sommersemester 2026 auf 512 Euro und zum Wintersemester 2025 auf 505 Euro. Seit 2020 sind die Mietpreise für WG-Zimmer nach Angaben des MMI um rund 21 Prozent gestiegen.
Die Differenz zur BAföG-Wohnkostenpauschale ist in vielen Großstädten erheblich. Während die Pauschale 380 Euro beträgt, kostet eine 30 Quadratmeter große Musterwohnung in München durchschnittlich 880 Euro. In Berlin, Frankfurt, Köln, Hamburg und Heidelberg liegen die Warmmieten für solche Wohnungen laut MLP/IW-Analyse zwischen 700 und 720 Euro.
Eine Immowelt-Analyse für 40 Quadratmeter große Wohnungen bestätigt diese Entwicklung: In München betrug die Kaltmiete im August 2024 725 Euro, in Konstanz 550 Euro. Städte wie Halle (349 Euro) oder Bochum (332 Euro) weisen Kaltmieten unter der BAföG-Wohnkostenpauschale auf. Dennoch leben 83,4 Prozent der Studierenden an Hochschulstandorten, in denen die Mieten über der BAföG-Wohnkostenpauschale liegen, wie aus MMI-Daten und weiteren Studien hervorgeht.
Finanzielle Überlastung der Studierenden
Studierende, die einen eigenen Haushalt führen, gaben dem Statistischen Bundesamt zufolge im Jahr 2024 im Schnitt 53 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Miete aus. Bei der Gesamtbevölkerung betrug dieser Anteil 25 Prozent. In dieser Gruppe der studentischen Haushalte gelten 62 Prozent als überlastet, verglichen mit zwölf Prozent der Haushalte in der Gesamtbevölkerung.
Die Mietbelastung im Verhältnis zum BAföG-Höchstsatz von 992 Euro bleibt hoch. Für eine 40 Quadratmeter große Wohnung entfallen nach Immowelt-Rechnungen in München 87 Prozent des Höchstsatzes, in Frankfurt am Main 69 Prozent, in Stuttgart 61 Prozent und in Berlin 59 Prozent. Auf Landesebene lagen die Anteile für eine 40 Quadratmeter große Wohnung in Bayern bei 47 Prozent und in Baden-Württemberg bei 46 Prozent.
Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender von MLP, warnt: „Hohe Wohnkosten dürfen nicht darüber entscheiden, welche Bildungswege jungen Menschen offenstehen.“ Diese Situation droht die Chancengleichheit im Bildungssystem zu gefährden.
Maßnahmen und Forderungen
Das Deutsche Studierendenwerk (DSW) und der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) fordern eine Erhöhung der BAföG-Förderung und den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum. Aktuell stehen laut Bundesregierung und beteiligten Studien rund 241.000 staatlich geförderte Wohnheimplätze für Studierende zur Verfügung. Der Bedarf an zusätzlichen Plätzen wird bis 2040 auf über 200.000 geschätzt.
Die Bundesregierung hat das Bund-Länder-Programm „Junges Wohnen“ aufgelegt. Der Bundesanteil dieses Programms soll ab 2027 auf eine Milliarde Euro jährlich erhöht werden. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) betont, die Länder bei der Schaffung und Modernisierung bezahlbarer Wohnheimplätze unterstützen zu wollen.
Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des DSW, warnt ebenfalls vor einer sozialen Auslese über die Miete. Er und weitere Verbände fordern eine Anhebung der BAföG-Förderung sowie mehr öffentlich geförderten Wohnraum. Dies soll sicherstellen, dass der Zugang zu Bildung nicht von finanziellen Möglichkeiten abhängt.
Verbände und Expertinnen fordern konkret eine Anpassung der BAföG-Wohnkostenpauschale und stärkere Investitionen in öffentlich geförderten Wohnraum. Die Debatten über eine BAföG-Reform und die Ausgestaltung des Programms „Junges Wohnen“ laufen weiterhin, und die Wirksamkeit der geplanten Maßnahmen wird sich in den kommenden Jahren zeigen müssen.







