München treibt eine umfassende Infrastrukturoffensive voran. Die Landeshauptstadt setzt dabei auf Nachverdichtung und Neubauprojekte, um den Wohnraummangel zu bekämpfen und das Stadtbild nachhaltig zu entwickeln. Zahlreiche Großprojekte in den Bereichen Wohnungsbau, Verkehr und digitale Infrastruktur befinden sich in Planung oder bereits in Umsetzung.
Diese Initiativen sollen den steigenden Bedarf an Wohnraum decken.
Neue Wohnungen gegen die Knappheit
Die Landeshauptstadt München reagiert mit einer Neubaustrategie auf den Wohnraumbedarf. Der Stadtrat plant, im ersten Quartal die Genehmigung für den Bau von rund 4.000 neuen Wohneinheiten zu erteilen. Dies markiert einen entscheidenden Schritt zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes.
Auf dem ehemaligen Knorr-Bremse-Areal im Oberwiesenfeld entstehen 620 neue Wohnungen, von denen 180 öffentlich gefördert werden. In Freiham sind 2.800 weitere Wohnungen vorgesehen, die Hälfte davon ebenfalls gefördert. Für den zweiten Realisierungsabschnitt in Freiham sind insgesamt 6.200 Wohneinheiten projektiert.
An der Freisinger Landstraße planen die Verantwortlichen 600 Wohnungen, darunter rund 120 geförderte.
Im Tucherpark, auch bekannt als Eisbachviertel, sehen die Planungen 600 Wohnungen, 2.500 Arbeitsplätze, ein großes Hotel sowie ein KI-Rechenzentrum vor. Im Euro-Industriepark könnten langfristig zwischen 700 und 1.000 Wohnungen entstehen. Diese Projekte tragen zur Diversifizierung des Wohnangebots bei und schaffen gleichzeitig neue Arbeitsplätze.
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Münchner Wohnen plant die Fertigstellung von 969 Wohneinheiten im kommenden Jahr. Im Vorjahr realisierte sie 1.217 Einheiten. Die meisten neuen Wohneinheiten der Münchner Wohnen entstehen auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne in Neufreimann mit 225 Einheiten.
Es folgen die Hanauerstraße mit 126, die Plinganserstraße mit 76 und Ramersdorf mit 156 Einheiten. Im Werksviertel am Ostbahnhof sollen bis 2030 rund 1.500 neue Wohnungen bezugsfertig sein.
Milliardeninvestitionen in die Verkehrsinfrastruktur
Parallel zum Wohnungsbau treibt München den Ausbau seiner Verkehrsinfrastruktur voran. Der S-Bahn-Nordring gilt als zentrales Projekt des Münchner Olympiakonzepts. Er soll das geplante Olympische Dorf sowie einen neuen Stadtteil im Raum Englschalking/Daglfing erschließen. Die Kostenschätzung für dieses Vorhaben beläuft sich auf mehrere hundert Millionen Euro.
Die Stadt taxiert die Verlängerung der U4 vom Arabellapark über Englschalking bis zur Messestadt West mit 2,4 Milliarden Euro. Für die U9 sind offiziell 3,25 Milliarden Euro veranschlagt. Der Interimsbahnhof am Hauptbahnhof-Südausgang verursacht Kosten von 20 Millionen Euro. Diese Investitionen unterstreichen die Notwendigkeit, das Verkehrsnetz an das Wachstum der Stadt anzupassen.
Die Fertigstellung der zweiten S-Bahn-Stammstrecke erwarten Experten zwischen 2035 und 2037. Die Deutsche Bahn nennt 2038 als voraussichtlichen Fertigstellungstermin für den Hauptbahnhof. Es gibt jedoch auch Berichte, die 2039 angeben. Die Umsetzung von 14 neuen Radschnellwegen soll 2025 starten und die nachhaltige Mobilität fördern.
Ausbau der digitalen Infrastruktur
Die Stadtwerke München (SWM) und ihre Telekommunikationstochter M-net forcieren gemeinsam mit der Telekom den flächendeckenden Glasfaserausbau. Die Kooperation umfasst perspektivisch rund 550.000 Anschlüsse in von den SWM erschlossenen Wohn- und Geschäftseinheiten. Dieses Vorhaben soll München zu einer digitalen Metropole entwickeln.
Die Telekom bindet hierfür sukzessive 54 Glasfaserknotenpunkte der SWM an das eigene Netz an. Immobilieneigentümer können ihre Gebäude kostenfrei von FTTB auf FTTH aufrüsten lassen. Der Ausbau erfolgt unabhängig von bestehenden Glasfaser-Internetverträgen der Bewohner. Dies gewährleistet eine zukunftssichere Infrastruktur und Wahlfreiheit bei den Anbietern.
Christoph Bernik, Vertriebsleiter der Telekom für die Wohnungswirtschaft in Bayern, betont die Partnerschaft: „Die Kooperation verlagert den Wettbewerb vor den Endkunden. Wir arbeiten bei der Erschließung partnerschaftlich zusammen. Unser Fokus liegt auf Qualität und Geschwindigkeit, davon profitiert auch die Wohnungswirtschaft: weniger Baustellen, eine zukunftssichere Vierfaser-Infrastruktur und volle Wahlfreiheit für die Bewohner.“
Andreas Brand, Leiter Wohnungswirtschaft bei M-net, ergänzt: „Die Kooperation bietet einen enormen Mehrwert für die Wohnungswirtschaft sowie die Mieter. Mit der Weiterführung der Glasfaseranschlüsse durch die Stadtwerke München vom Keller bis in jede Wohnung und Geschäftseinheit werden die Immobilien auf den neuesten technologischen Standard gebracht. Die Bewohner können Highspeed-Internet mit einer breiten Anbietervielfalt nutzen.
Schlüssel zum Erfolg wird eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Wohnungsunternehmen sein.“
Der digitale Bauantrag soll ab 2025 stadtweit verpflichtend eingeführt werden. Dies digitalisiert und beschleunigt die Genehmigungsverfahren für Bauvorhaben.
Ausblick und kritische Einschätzungen
Die Infrastrukturvorhaben in München stoßen auf unterschiedliche Reaktionen im Markt und bei Beobachtern. Stadtbaurätin Elisabeth Merk sieht die Entwicklungen positiv: „Bei vielen Bebauungsplanverfahren kommen wir in den nächsten Monaten in eine spannende Abschlussphase.“ Dies deutet auf konkrete Fortschritte bei der Umsetzung der Projekte hin.
Die Öffentlichkeitsbeteiligung für die Entwicklung des Euro-Industrieparks zu einem gemischt genutzten Stadtquartier beginnt im Februar 2026. Für den Tucherpark plant der Stadtrat einen Billigungsbeschluss Ende 2026. Diese Termine zeigen den langfristigen Planungshorizont der Stadtverwaltung.
Kritische Stimmen, beispielsweise von Berthold Maier vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr (ANN), warnen indes vor überzogenen Erwartungen bei den U-Bahn-Projekten. Maier befürchtet, der Bau der U29 und U4 könnte die Fertigstellung der U5 nach Freiham in die 2050er-Jahre verschieben. Er begründet dies mit begrenzten Bau-, Planungs- und Finanzierungskapazitäten.
Die Verlängerung der U4 bis zur Messestadt hält er für utopisch. Dies gelte, es sei denn, die maximale Bebauungsvariante des Olympischen Dorfes mit 30.000 neuen Einwohnern werde tatsächlich realisiert.
Die von Pro Bahn und ANN favorisierte Olympia-Tram durch den Englischen Garten bleibt weiterhin umstritten. Der Freistaat als Eigentümer hat diese Option mehrfach abgelehnt. Die Reaktivierung des ehemaligen Olympia-Bahnhofs ist im Konzept der Stadt bisher nicht vorgesehen.
Die Landeshauptstadt muss Pläne, verfügbare Ressourcen und die Interessen verschiedener Akteure kontinuierlich abwägen, um die Infrastrukturprojekte erfolgreich umzusetzen.







