Der norwegische Staatsfonds, der größte weltweit, äußert sich besorgt über die Schwächung von Aktionärsrechten in globalen Märkten. Diese Entwicklung gefährdet die langfristige Wertschöpfung aus Aktien, so die Einschätzung. Norges Bank Investment Management (NBIM), der Verwalter des Fonds, kündigt an, proaktiv gegen diese Erosion vorzugehen, um den Aktionärsschutz in seinen relevanten Märkten zu wahren und auszubauen.

Die Warnung des Government Pension Fund Global, auch als Ölfonds bekannt, richtet sich primär gegen Stimmrechtsmodelle. Dabei halten einzelne Aktionäre, etwa Gründer oder Insider, überproportional viele Stimmrechte im Verhältnis zu ihrem Kapitalanteil. Der Fonds nennt als Beispiele Alphabet mit seinen verschiedenen Aktienklassen sowie SpaceX.

Bei SpaceX kontrolliert Elon Musk über 80 Prozent der Stimmrechte, obwohl er nur eine Minderheit der Anteile besitzt.

Globale Sorge um Aktionärsrechte

Die Bedenken des Fonds, dessen Vermögen rund 2,3 Billionen US-Dollar beträgt, beschränken sich nicht auf einzelne Unternehmen oder Regionen. Carine Smith Ihenacho, Chief Governance and Compliance Officer des Fonds, bezeichnet die Schwächung der Aktionärsrechte als globales Phänomen. Es betreffe nicht nur die USA, sondern auch das Vereinigte Königreich, Europa und Hongkong.

Der Fonds kritisiert zudem, dass Berichtspflichten an manchen Orten freiwilliger ausgestaltet werden und der Zugang, Unternehmen und Vorstände zu verklagen, eingeschränkt wird. Nicolai Tangen, CEO von NBIM, sieht als einen Grund für diesen Trend den intensiveren Wettbewerb zwischen Börsenplätzen um neue Börsengänge. Dies führe dazu, dass die Börsen oft Abweichungen von üblichen Governance-Standards erlauben.

Der Fonds, der im Durchschnitt 1,5 Prozent aller weltweit börsennotierten Unternehmen hält und an mehr als 7.000 Firmen beteiligt ist, will diesen Entwicklungen nicht tatenlos zusehen.

Langfristige Ausrichtung trifft Marktdynamik

Der Fonds wurde 1996 gegründet und finanziert rund ein Viertel der norwegischen Staatsausgaben. Seit seiner Gründung erzielte das Portfolio im Schnitt eine Rendite von etwa sechs Prozent. NBIM betont die langfristige Ausrichtung und Diversifikation seiner Anlagen. Zu den größten Einzelpositionen zählen unter anderem Nvidia, Apple und Alphabet.

Nicolai Tangen warnt Anleger, nicht mit der Fortsetzung der zuletzt starken Aktienrenditen zu rechnen. NBIM bereitet sich auf ein Jahrzehnt niedrigerer, möglicherweise sogar negativer Renditen vor. Als besonders relevantes Risiko nennt er die Inflation.

Tangen bezeichnet die vergangenen rund drei Jahrzehnte mit niedrigen Steuern, niedriger Inflation und niedrigen Zinsen als eine abnorme Phase, in der der Fonds stark gewachsen ist.

Die Warnung vor der Aushöhlung von Aktionärsrechten ist Teil einer breiteren Strategie, sich aktiv in Governance-Debatten einzubringen. NBIM betont zudem die Notwendigkeit transparenter Nachhaltigkeitsinformationen. Diese sollen beurteilen helfen, wie Unternehmen Nachhaltigkeits-Auswirkungen entlang ihrer Wertschöpfungsketten handhaben.

Das verschafft Investoren die nötige Transparenz zur Beurteilung dieser Aspekte.

Ausblick auf Unternehmensführung und Investorendialog

Die Positionierung des norwegischen Staatsfonds signalisiert einen verstärkten Fokus auf Corporate Governance und Aktionärsrechte. NBIM plant, den Dialog mit Marktteilnehmern zu intensivieren und sich aktiv für die Wahrung und den Ausbau von Aktionärsschutzrechten einzusetzen. Wie Börsenplätze und Regulierungsbehörden auf diese Appelle reagieren, wird zeigen, inwieweit sich der Trend zur Aushöhlung von Aktionärsrechten umkehren oder verlangsamen lässt.

Die kommenden Monate werden relevante Indikatoren liefern, wie Finanzmärkte auf diese Forderungen reagieren.