Die chinesische KI-Plattform Niejie automatisiert die Erstellung von Kurzfilm-Drehbüchern und sucht eine Frühphasenfinanzierung. Gründer Li Boze positioniert das Unternehmen an der Schnittstelle von generativer Künstlicher Intelligenz und Content Creation. Damit will Niejie Drehbuchautoren und unabhängigen Filmproduzenten die Arbeit erleichtern.
Die Entwicklung spiegelt einen breiteren Trend wider, bei dem KI zunehmend in kreativen Prozessen zum Einsatz kommt. Besonders in China sind bereits über 95 Prozent der Micro-Dramen KI-generiert.
Niejie digitalisiert den Drehbuch-Workflow
Niejie Technology (Shenzhen) Co., Ltd. bietet eine KI-gestützte Plattform für die Entwicklung von Kurzfilm-Drehbüchern. Die Plattform deckt den gesamten Workflow ab, von der Ideenfindung bis zur finalen Skriptfertigstellung. Sie soll den Aufwand für Drehbuchautoren, unabhängige Content Creator und kleine Produktionsteams reduzieren.
Das Unternehmen setzt auf ein zahlungspflichtiges Modell. Nutzer können Inspiration-Punkte aufladen und Projekte freischalten. Ein erstes Kurzfilm-Projekt kostet 29,9 Yuan, umgerechnet etwa 3,80 Euro (Stand: 14. September 2026). Jedes Projekt kann dabei die Planung von bis zu 100 Episoden umfassen.
Gründer Li Boze, selbst erfahren in Informatik und natürlicher Sprachverarbeitung, betont den kontinuierlichen Workflow der Plattform. Niejie konzentriert sich auf die Akkumulation von Story-Assets, anstatt lediglich einmalige Generierungsaufgaben zu übernehmen. Dieses Vorgehen soll Kreativen ermöglichen, sich stärker auf ihre kreative Entscheidungsfindung zu konzentrieren, während die KI wiederholende und mechanische Aufgaben erledigt.
„KI sollte keine Entscheidungen für Kreative treffen, sondern ihnen helfen, die Schwelle professioneller Prozesse zu überschreiten“, erklärt Li Boze.
Wachstum im chinesischen Micro-Drama-Markt
Niejie bewegt sich in einem schnell wachsenden Marktsegment, insbesondere in China. Dort stieg die Produktion von Micro-Dramen im ersten Quartal 2026 auf 128.000 Stück. Über 95 Prozent dieser Produktionen wurden mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Diese Zahlen verdeutlichen die Verbreitung von KI-Tools in der chinesischen Filmindustrie für kurze Formate. Niejie hat nach eigenen Angaben bereits mehrere zahlende Nutzer gewonnen und sucht derzeit eine Frühphasenfinanzierung. Das Kapital soll in die Verbesserung der Generierungsqualität und Produktstabilität fließen, sowie in die Produktentwicklung und den Aufbau von Kundenakquisekanälen.
Die Zukunftspläne von Niejie umfassen zudem die Optimierung des Nutzererlebnisses bei Szenen- und Episodenaufteilung, die inhaltliche Verbindung von Elementen und die kontrollierbare Modifikation von Skripten. Gleichzeitig plant das Team, in Content-Operationen zu investieren und Kundenakquisekanäle aufzubauen. Langfristig soll Niejie zu einer umfassenden „Content Workbench“ weiterentwickelt werden, welche Kreativität, Planung und Produktion von Kurzfilmen integriert.
Das Unternehmen strebt überdies Kooperationen mit weiteren Kurzfilm-Creatoren, Produktionsteams und Industriepartnern an, um seine Reichweite und die Funktionalität der Plattform zu erweitern.
Offene Fragen zur Markt- und Arbeitsauswirkung
Niejies Plattform zielt darauf ab, den Workflow für Drehbuchautoren und Produzenten von Kurzfilmen zu optimieren. Die angestrebte Frühphasenfinanzierung soll die Produktentwicklung und die Markterschließung unterstützen. Ungeklärt bleibt, welche konkrete Höhe das Unternehmen für diese Finanzierungsrunde anstrebt und wie viele zahlende Nutzer sich hinter der Formulierung „multiple paying users“ verbergen.
Die Entwicklung generativer KI in der Content-Produktion, wie Niejie sie vorantreibt, wirft Fragen für den Arbeitsmarkt auf. Während Niejie den Workflow optimieren und Kreative unterstützen will, zeigen andere Quellen Besorgnis in Hollywood hinsichtlich der möglichen Verdrängung menschlicher Arbeit durch KI-Technologien. Die weitere Adaption und die Auswirkungen auf die Beschäftigungsstrukturen in der globalen Film- und Medienbranche bleiben ein zentraler Beobachtungspunkt für Analysten und Branchenkenner.







