Bei Ninja Theory, einem in Cambridge ansässigen Spieleentwicklungsstudio und einer Tochter von Microsoft, beginnen Entlassungen. Dies wirft Fragen zur Zukunft des Studios und seiner Projekte auf. Die Entwicklungen sind eine direkte Folge gescheiterter Vereinbarungen, die das Überleben oder die Unabhängigkeit des Studios sichern sollten.
Im Zentrum der Ereignisse steht Ninja Theory, bekannt für Titel wie „Hellblade: Senua’s Sacrifice“. Nachdem Microsoft das Studio im Jahr 2018 übernahm, teilte Xbox-COO Matt Booty im September 2026 mit, dass zwei separate Vereinbarungen für Ninja Theory gescheitert sind. Diese betrafen einerseits die Fortführung des Studios und andererseits eine mögliche Loslösung als unabhängiges Studio.
Als Konsequenz begann Xbox mit Konsultationen über eine vorgeschlagene Schließung des Studios.
Hintergrund der Konsolidierungswelle
Die Entlassungen bei Ninja Theory sind Teil einer Restrukturierung des Gaming-Geschäfts von Microsoft. Im Juli 2026 kündigte Microsoft eine erste Welle von 1.600 Entlassungen in der Xbox-Sparte an. Zusätzlich wurden 268 Stellen gestrichen. Insgesamt beziffern Beobachter die Umstrukturierungen innerhalb der Xbox-Division auf rund 3.200 Positionen.
Dies entspricht etwa 20 Prozent der gesamten Division. Beobachter sehen den Personalabbau im Kontext einer veränderten Strategie unter der im Februar 2026 ins Amt gekommenen Xbox-CEO Asha Sharma. Sie hatte einen „Reset“ für das Xbox-Geschäft angekündigt.
Interne Memos und Medienberichte deuten auf Druck hin, die Profitabilität zu steigern. Xbox-Profitmargen werden in Berichten mit rund drei Prozent angegeben; als Ziel wird in einigen Berichten eine deutlich höhere Marge genannt.
Betroffene Mitarbeitende und Projektunsicherheiten
Die konkreten Auswirkungen des Personalabbaus werden sichtbar. Am 5. Oktober 2026 bestätigten erste Mitarbeitende von Ninja Theory öffentlich ihre Entlassung oder die Gefährdung ihrer Stelle. Dazu zählen Katrin Mair, Gameplay Programmer, sowie Alessio Mellina, Technical Sound Designer. Mellina arbeitete seit rund zwölf Jahren im Studio.
Weitere Betroffene sind in den Bereichen Performance Capture, Art, Audio, Gameplay und Technik tätig. Katrin Mair äußerte öffentlich, es sei „unglaublich traurig zu wissen, dass wir nicht beenden können, woran wir gearbeitet haben.“ Microsoft hat keine offizielle Zahl der bei Ninja Theory betroffenen Stellen veröffentlicht, was eine genaue Einschätzung erschwert.
Die Zukunft des angekündigten dritten „Hellblade“-Spiels, intern „Senua“ genannt und für 2027 eingeplant, ist ungewiss. Das Projekt wurde bislang nicht offiziell eingestellt. Die Kündigungen im Entwicklerteam werfen jedoch Zweifel an einer fristgerechten Fertigstellung auf.
„Senua“ war erst wenige Tage zuvor vorgestellt worden, bevor Mitarbeitende intern über die drohende Schließung informiert wurden.
Verhandlungen und offene Fragen
Quellen berichten, dass es bei den gescheiterten Rettungsversuchen um zwei Optionen ging. Dies war ein Verkauf des Studios an einen externen Käufer oder die Ermöglichung einer Loslösung als unabhängiges Studio. Trotz der beginnenden Konsultationen über eine „vorgeschlagene Schließung“ betonte Matt Booty, dass dies noch keine endgültige Entscheidung sei und man weiterhin „andere Wege“ prüfe.
Die Markenrechte an „Hellblade“ und „Enslaved“ verbleiben vorerst bei Microsoft. Dies kann eine unabhängige Fortführung durch Mitarbeitende oder einen externen Investor erschweren, da zentrale Assets nicht frei verfügbar wären.
Der Zeitpunkt der internen Kommunikation und des Beginns der Entlassungsprozesse variiert in Berichten. Interne Meetings über das mögliche Ende des Studios fanden bereits im Juni 2026 statt. Die Mitteilung über die gescheiterten Deals und beginnenden Konsultationen erfolgte im September 2026, und erste bestätigte Entlassungen wurden Anfang Oktober berichtet.
Diese Abfolge unterstreicht die Unsicherheit für die Mitarbeitenden.
Ausblick
In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob Microsoft alternative Lösungen für Ninja Theory finden kann oder ob die Konsultationen zu einer vollständigen Schließung des Studios führen. Analysten und Marktbeobachter verfolgen diese Entwicklung. Sie kann Hinweise auf die künftige Strategie von Microsoft im Gaming-Bereich und die Konsolidierungstendenzen in der Branche geben.
Offene Fragen betreffen den Umfang der endgültigen Entlassungen und die weitere Verwendung der Markenrechte. Insbesondere die weitere Entwicklung des Titels „Senua“ steht unter Beobachtung.







