Der serielle Holzbau gilt als Ansatz, den Wohnungsbedarf zu decken und Klimaziele zu erreichen. Dieses modulare Verfahren weckt Interesse, doch der Vorreiter Nokera kämpft mit einer geringen Auslastung seiner Fabriken.

Fabrik im Leerlauf

Die NOKERA AG, 2021 gegründet, hat ihren Hauptsitz laut eigenen Angaben in Rüschlikon bei Zürich. Das Unternehmen konzentriert sich auf die serielle Fertigung von Gebäuden und Gebäudeteilen aus Holz. Ziel ist, wiederholbare Arbeit in die Fabrik zu verlagern und Bauprojekte auf der Baustelle schneller sowie planbarer zu realisieren.

Nokera und Branchenpartner heben Vorteile des seriellen Holzbaus hervor. Dazu gehören deutlich kürzere Bauzeiten, die Forschung und Unternehmenskommunikation mit sechs bis neun Monaten schneller als bei konventioneller Bauweise beziffern. Weitere Vorteile sind eine höhere Präzision durch Vorfertigung und Kostenvorteile von etwa 20 Prozent gegenüber der traditionellen Bauweise.

Holz wird dabei als CO2-Speicher und ressourcenschonendes Material hervorgehoben.

Die „Green Factory“ von Nokera in Stegelitz bei Möckern, Sachsen-Anhalt, bezeichnet das Unternehmen als weltweit größte Fabrik für seriellen Holzbau. Die Angaben zur jährlichen Produktionskapazität variieren in den Quellen und reichen von etwa 15.000 bis zu 30.000 Wohneinheiten pro Jahr. Nach Angaben von Nokera ist die Fabrik mit automatisierten Produktionslinien der Dürr Group und Weinmann ausgestattet.

Die Produktionsgeschwindigkeit beschreiben Quellen mit rund zehn Minuten pro Wandelement beziehungsweise etwa 15 Minuten für Wände eines Moduls auf einer Taktstraße.

Trotz dieser technischen Ausstattung liegt die Auslastung des Werks in Möckern laut Berichten aktuell im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Bürokratische Hemmnisse und Marktkrise

Mehrere Gründe werden für die Unterauslastung genannt: die allgemeine Krise im Neubausektor und strukturelle Hindernisse für serielles Bauen in Deutschland. Ausufernde Bürokratie in den Bauämtern und lange Genehmigungsfristen gelten als Hemmnisse. Deutschland verfügt über 16 unterschiedliche Landesbauordnungen.

Quellen geben an, dass die Zahl der Bauvorschriften von rund 5.000 im Jahr 1990 auf heute etwa 20.000 angewachsen sei. Diese Komplexität erschwert laut Analyse die Anwendung von Typengenehmigungen und die Skalierung serieller Bauprozesse.

Ralph Burkhardt, Vorstandsvorsitzender der Nokera AG, kommentiert: „Wir haben 16 verschiedene Bauordnungen in 16 Bundesländern. Diese Bürokratie muss verringert werden, um die serielle Fertigung voranzutreiben.“ Dr.

Markus Lechner, Chief Product Officer und stellvertretender Vorstandssprecher der Nokera AG, äußerte in den Quellen, dass angepasste Genehmigungsverfahren, etwa hinsichtlich Typengenehmigungen, einen wesentlichen Schlüssel zur Beschleunigung des seriellen Bauens darstellen könnten.

Chancen und Herausforderungen der Industrialisierung

Nokera hat nach eigenen Angaben rund 20.000 beauftragte Wohneinheiten in den Büchern. Als Referenzen und laufende Projekte nennen die Quellen beispielsweise ein Wohnquartier in Mannheim mit 400 Wohnungen auf einem ehemaligen Kasernengelände und ein Punkthausprojekt in Stuttgart. Hinzu kommen Pilotprojekte mit Vonovia zur seriellen energetischen Gebäudemodernisierung in Heidenheim und Langenfeld.

Auch die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) und die Stadtsiedlung Heilbronn GmbH werden als Auftraggeber aufgeführt.

Die Diskrepanz zwischen den theoretischen oder kommunizierten Produktionskapazitäten und der tatsächlichen Auslastung bleibt eine Herausforderung. Quellen weisen darauf hin, dass sich das Betriebsmodell einer Fabrik von dem eines klassischen Bauunternehmens unterscheidet. Stefanie Samtleben, Gruppenleiterin Logistik- und Fabriksysteme am Fraunhofer IFF, erklärt: „Wenn beispielsweise im Winter die Nachfrage sinkt, schicken Bauunternehmer ohne serielle Fertigung ihre Mitarbeiter einfach in die Lohnpause.

Das geht in der Fabrik nicht. Hier ist Kontinuität gefragt, um die Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen.“ Sie ergänzt, die Nachfrage nach serieller Fertigung werde steigen, wenn die Preise dafür sinken.

Wer günstige Produkte anbiete, sei auch bei einer grundsätzlich niedrigen Auslastung der Branche konkurrenzfähig.

Weitere branchenweite Herausforderungen, die in den Quellen genannt werden, sind ein Mangel an Fachkräften im Bauwesen und die mittlere Struktur vieler Holzbauunternehmen, wodurch Skaleneffekte schwerer zu realisieren sind.

Ausblick: Reformbedarf und Marktdruck

Die Situation von Nokera bewerten die Quellen als Beispiel für strukturelle Probleme im deutschen Bausektor. Die Recherchebasis nennt einen Bedarf von rund 700.000 Wohnungen in Deutschland. Gleichzeitig wird ein hohes Effizienzsteigerungspotenzial im Bauwesen durch Digitalisierung und industrielle Fertigung angegeben. Quellen beziffern dieses Potenzial mit 50 bis 60 Prozent.

Aus den Quellen ergibt sich die Forderung, die regulatorischen Rahmenbedingungen zu prüfen und Genehmigungsverfahren anzupassen, um serielle Bauweisen zu erleichtern. Für Nokera ist die fristgerechte Umsetzung der beauftragten Projekte von Bedeutung, um die Auslastung der Fabriken zu erhöhen und die Wirtschaftlichkeit des Modells zu belegen. Beobachter nennen die Zusammenarbeit mit Partnern wie Vonovia als einen Prüfstein dafür, ob serielle Ansätze skaliert werden können und ob sich die Kapazitäten der „Green Factory“ besser auslasten lassen.