Die Nachfrage nach KI-Systemen in den USA treibt einen Rechenzentrums-Bauboom voran. Mit diesen Milliardeninvestitionen wächst jedoch auch der lokale Widerstand. Ein Entwickler in Pennsylvania versucht nun, Anwohner mit Direktzahlungen zu besänftigen – ein Fall, der den Konflikt um die Infrastruktur für KI verdeutlicht.

Der Immobilienentwickler NorthPoint Development bot in Hazle, Pennsylvania, rund 4.500 Haushalten jeweils 10.000 US-Dollar an. Die Prämie ist an die Bedingung geknüpft, Proteste gegen ein geplantes Rechenzentrum einzustellen. Die Briefe wurden im Juni verschickt. Das Angebot summiert sich auf 45 Millionen US-Dollar, sofern alle betroffenen Haushalte einwilligen.

Dieser Schritt steht im Kontext eines landesweit wachsenden Widerstands gegen neue Rechenzentren.

Eskalierender Widerstand und seine Gründe

Eine Gallup-Umfrage vom Mai zeigt, dass sieben von zehn Befragten den Bau von Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft ablehnen. Eine Quinnipiac-Umfrage ergab, dass 65 Prozent der US-Bürger ein KI-Rechenzentrum in ihrer direkten Umgebung nicht wünschen. Berichten zufolge würden mehr US-Amerikaner lieber in der Nähe eines Kernkraftwerks als eines Rechenzentrums leben.

Die Ablehnung basiert auf konkreten Befürchtungen. Anwohner nennen negative Umweltauswirkungen, konstanten Lärm, sinkende Immobilienwerte und steigende Energiepreise. Gesundheitliche Probleme werden ebenfalls genannt. Auch konservative Farmer und Umweltschützer äußern Bedenken hinsichtlich Flächen-, Wasser- und Energieverbrauch der Anlagen.

Das Angebot in Hazle zeigte erste Wirkung. Rund 100 ehemals kritische Bewohner konnten Berichten zufolge überzeugt werden. Viele Anwohner bleiben jedoch skeptisch.

Einige bewerten den erwarteten Wertverlust ihrer Immobilien als höher als die angebotene Summe, andere sehen die Zahlung als Bestechungsversuch. Ein WSJ-Leser kommentierte die Höhe des Angebots mit den Worten: „Vielleicht könnte man bei 150.000 US-Dollar anfangen zu sprechen.“

KI-Infrastruktur als Katalysator für Energieengpässe

Google, Amazon, Meta und Microsoft investierten 2025 zusammen 400 Milliarden US-Dollar in KI. Morgan Stanley schätzt, dass die großen Tech-Konzerne bis 2028 rund 3 Billionen US-Dollar in die KI-Infrastruktur investieren werden. OpenAI plant Berichten zufolge, in den nächsten acht bis zehn Jahren 1,4 Billionen US-Dollar für KI-Rechenzentren und Infrastruktur aufzuwenden.

Einzelne Projekte erreichen sehr hohe Kosten. Durchschnittlich große Rechenzentren werden in Berichten mit 500 Millionen bis 2 Milliarden US-Dollar angegeben. Ashburn in Virginia ist ein bedeutender Standort mit rund 370 Rechenzentren. Für den Bundesstaat Virginia wurden für Juli 2026 insgesamt 639 Rechenzentren genannt, gefolgt von Texas mit 506 und Kalifornien mit 292.

Der steigende Bedarf an Rechenzentren erhöht den Strombedarf. Der Anteil der Rechenzentren am US-amerikanischen Stromverbrauch wird voraussichtlich von vier Prozent (2023) auf neun bis 17 Prozent im Jahr 2030 steigen. Dies fällt in aktuellen Prognosen deutlich höher aus als noch vor zwei Jahren erwartet.

In Virginia lag der Anteil der Datacenter an der Stromerzeugung 2025 bei einem Viertel und soll sich bis 2030 verdoppeln.

Die US-Energiebehörde EIA erwartet, dass der Stromverbrauch der USA von 4.195 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2025 auf 4.391 TWh im Jahr 2027 ansteigt. In Berichten wird dieser Anstieg unter anderem auf KI-Rechenzentren zurückgeführt. Große Rechenzentren können zudem erhebliche Mengen Wasser verbrauchen.

In Quellen ist von bis zu 19 Millionen Litern Wasser pro Tag die Rede, vergleichbar mit dem Verbrauch einer Stadt mit etwa 50.000 Einwohnern.

Moratorien und Regulierungen als Antwort auf den Druck

Der zunehmende Strombedarf und lokale Proteste führten zu politischen Maßnahmen. Mehr als zehn Bundesstaaten und Dutzende Gemeinden erwägen oder verhängten Baustopps. New York erließ im Juli 2026 als erster US-Bundesstaat ein temporäres Moratorium für neue Rechenzentren mit einem Energiebedarf von mehr als 50 Megawatt.

Die Gouverneurin Kathy Hochul sagte dazu, New York wolle „eine Vorreiterrolle bei der Schaffung der strengsten Standards des Landes für den Ausbau von Rechenzentren einnehmen.“

Das Parlament in Maine beschloss im April 2026 ein Moratorium für den Bau von Rechenzentren über 20 Megawatt bis Herbst 2027. Gouverneur Greg Abbott in Texas forderte das Aussetzen der Genehmigungen und verhängte Maßnahmen, um neue Datenzentren zu prüfen, bis Auswirkungen auf das Stromnetz geklärt sind.

Mehr als 70 Städte und Countys haben bereits Beschränkungen für Datenzentren erlassen. In Seattle verhängte der Stadtrat im Juni 2026 ein einjähriges Moratorium, nachdem vier Unternehmen Anträge für fünf Großprojekte mit insgesamt 369 Megawatt gestellt hatten. Louisville, Kentucky, prüft ein Verbot von Hyperscale-Datenzentren und beschränkte andere Projekte auf Industriegebiete.

Diese regulatorischen Eingriffe wirken sich auf Projekte aus. Im zweiten Quartal 2026 wurden mindestens 45 Rechenzentrumsprojekte im Wert von rund 58 Milliarden Euro (68 Milliarden US-Dollar) blockiert oder verzögert. Im ersten Quartal 2026 waren es 75 Projekte im Wert von rund 111 Milliarden Euro (130 Milliarden US-Dollar).

Zusammen beliefen sich die Störungen im ersten Halbjahr 2026 auf rund 120 Projekte mit einem Investitionsvolumen von knapp 170 Milliarden Euro.

Ausblick auf eine geteilte Zukunft

Die Zahlungen an Anwohner in Hazle sind in ihrer Konsequenz und Höhe bemerkenswert. Sie könnten Vorbildwirkung haben oder als Einzelfall bleiben. Vor dem Hintergrund der großen Investitionsbedarfe für KI-Infrastruktur ist die Skalierbarkeit solcher Zahlungen jedoch fraglich.

Große Tech-Konzerne nahmen Berichten zufolge im letzten Jahr 121 Milliarden US-Dollar an Fremdkapital auf. Dies wurde als Anstieg von 300 Prozent gegenüber der üblichen Verschuldungsquote der Branche dargestellt.

Rechenzentren sind zentral für die digitale Infrastruktur und die KI-Entwicklung. Zugleich kollidieren sie zunehmend mit lokalen Interessen und dem nationalen Energiehaushalt. Politik und Verwaltung stehen vor der Aufgabe, Investitions- und Energieinteressen abzuwägen.

Analysten beobachten, welche Modelle zur Konfliktlösung und Standortfindung sich durchsetzen und wie sich Prognosen zum Wachstum des Stromverbrauchs weiterentwickeln. Berichte nennen weitere Verschärfungen der Regulierung oder eine breitere Nutzung finanzieller Anreize als mögliche nächste Schritte.