Norwegen plant, den Einsatz von KI-Brillen in Teilen des öffentlichen Raums zu verbieten. Die Regierung in Oslo reagiert damit auf Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte, denn smarte Brillen können unbemerkt Aufnahmen anfertigen. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll dem Parlament, dem Storting, zeitnah vorgelegt werden.

Norwegen reguliert KI-Brillen: Schutz vor heimlichen Aufnahmen

Die norwegische Regierung strebt an, den Gebrauch von KI-Brillen mit Kameras und Mikrofonen an ausgewählten öffentlichen Orten temporär zu untersagen. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Privatsphäre der Bürger zu schützen. Digitalminister Torgeir Micaelsen äußerte die Sorge, dass Personen ohne ihr Wissen fotografiert, gefilmt oder aufgezeichnet werden könnten.

Dies bedroht die gewohnte Anonymität in öffentlichen Bereichen und Persönlichkeitsrechte. Die geplante Gesetzgebung ist als vorübergehende Maßnahme konzipiert. Gleichzeitig soll eine Expertengruppe eingesetzt werden, um am Körper getragene Technologien zu bewerten und Empfehlungen für eine dauerhafte Regulierung zu erarbeiten.

Diese Initiativen reihen sich in eine globale Debatte ein. In Westaustralien wurden Smartglasses in öffentlichen Schulen verboten. Kommunen wie Bundaberg in Queensland schränken die Nutzung in Schwimmbädern, Bibliotheken und Gemeindezentren ein.

Kinobetreiber sowie Gerichte in Großbritannien und den USA haben ebenfalls Richtlinien zu diesen Geräten eingeführt. Oslo hat bereits die Nutzung von kamerabestückten Brillen in Schulen untersagt.

Technologie und Risikopotenziale

Moderne KI-Brillen integrieren Kameras, Mikrofone, Lautsprecher und eine Internetverbindung in einem brillenähnlichen Gerät. Hersteller wie Meta Platforms mit den Ray-Ban Meta Smart Glasses zählen zu den Anbietern in diesem Segment. Neuere KI-Brillen können Objekte erkennen, Texte vorlesen, Sprachen übersetzen und die Umgebung analysieren.

Problematisch ist die Möglichkeit, unbemerkt Aufnahmen anzufertigen. Im Gegensatz zu Smartphones, bei denen der Aufnahmeprozess meist erkennbar ist, können Kameras bei Brillen direkt im Rahmen integriert sein. Meta betont, dass seine Brillen über eine LED-Leuchte verfügen, die bei Aufnahmen blinkt und sich nicht manipulieren lässt.

Berichte legen jedoch nahe, dass sich diese LEDs manipulieren oder abdecken lassen, um heimliche Aufnahmen zu ermöglichen.

Dieses Missbrauchspotenzial beschreibt Finn Lützow-Holm Myrstad vom norwegischen Verbraucherrat als „enorm“. Er fordert einen sofortigen Verkaufsstopp für Smart Glasses, bis rechtliche Klarheit besteht. Seiner Ansicht nach würde eine alleinige Einschränkung von KI-Funktionen heimliche Aufnahmen nicht verhindern.

Die niederländische Brillenkette Hans Anders stellte den Verkauf von Meta-Brillen bereits zum 1. Oktober 2026 wegen Datenschutzbedenken ein.

Wirtschaftliche Dimension und Marktbedeutung

Die Diskussion um Regulierung trifft auf einen wachsenden Markt. Seit Anfang 2023 wurden etwa neun Millionen Paare der Ray-Ban-Versionen von Meta verkauft. Andere Quellen sprechen von sieben Millionen Verkäufen einer High-Tech-Brille von Meta und Ray-Ban im Jahr 2025.

Die Ray-Ban Display-Brille von Meta wurde im September 2025 für 799 US-Dollar auf den Markt gebracht, während ein günstigeres Modell 379 US-Dollar kostete. Neben Meta ist auch Apple mit dem Mixed-Reality-Headset Apple Vision Pro Teil der Debatte. Google hatte 2013 mit Google Glass eine frühe Version smarter Brillen auf den Markt gebracht, die wegen Datenschutzbedenken auf Ablehnung stieß.

Die norwegische Regierung betont, kein generelles Verbot anzustreben. Der private Gebrauch und Nutzungen, bei denen keine Gefahr unbemerkter Filmaufnahmen besteht, sollen weiterhin erlaubt bleiben. Das Digitalisierungsministerium wird prüfen, welche Technologie genau vom Verbot erfasst werden soll — beispielsweise Brillen mit Kamera und Audioaufnahme oder auch andere am Körper getragene Technologien mit KI.

Ebenfalls wird geprüft, ob das Verbot über öffentliche Bildungseinrichtungen hinaus auch Universitäten und Hochschulen umfassen soll. Das Ministerium wies darauf hin, dass Kinder einen besonderen Schutzbedarf haben.

Ausblick: Debatte um Technik und Privatsphäre

Der norwegische Vorstoß verdeutlicht die Spannung zwischen technologischer Innovation und dem Schutz der Privatsphäre. Die eingesetzte Expertengruppe soll einen Rahmen erarbeiten, der Nutzen und Risiken abwägt und Missbrauch verhindern hilft. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Gesetzentwurf im Storting durchsetzen wird, da die Minderheitsregierung auf Unterstützung anderer Parteien angewiesen ist.

Hersteller, Datenschützer und Verbraucherschutzorganisationen beobachten die Entwicklungen in Norwegen genau. Die Entscheidung könnte Präzedenzwirkung für die Regulierung von KI-Wearables in anderen Ländern entfalten und somit die globale Debatte über digitale Privatsphäre maßgeblich beeinflussen.