Norwegens Staatsfonds, der Government Pension Fund Global (GPFG), bleibt im deutschen Immobilienmarkt aktiv. Eine aktuelle Zusage von „knapp einer Milliarde Euro“ für deutsche Büroobjekte kann die vorliegende Recherche in frei zugänglichen Quellen nicht bestätigen. Auch eine Beteiligung von Art-Invest Real Estate an einem solchen Geschäft ist dort nicht belegt.
Die dokumentierten Transaktionen und Ziele des Fonds entsprechen jedoch einer anhaltenden Ausrichtung auf Immobilien in großen Städten.
Norwegens Immobilienstrategie in Deutschland
Der Fonds ist seit Jahren im deutschen Immobilienmarkt präsent. Im Mai 2022 erwarb der GPFG eine 50-prozentige Beteiligung am Sony Center in Berlin für 677 Millionen Euro. Frühere Investments umfassen Logistikimmobilien, die der Fonds gemeinsam mit der Prologis Group tätigte; im Jahr 2021 investierte er 108 Millionen Euro für einen 47-Prozent-Anteil an elf Logistikobjekten in Berlin und im Rhein-Ruhr-Gebiet.
Der GPFG hält zudem die Hälfte der Anteile an einem Bürogebäude am Berliner Kurfürstendamm und ist Alleineigentümer des Axel-Springer-Neubaus in Berlin-Mitte. Der Gesamtwert dieser Anteile liegt nach Angaben der Quellen bei rund 8 Milliarden Norwegischen Kronen, was etwa 800 Millionen Euro entspricht. In den Jahren 2018 bis 2020 dokumentieren die Quellen weitere Transaktionen, darunter Verkäufe in Frankfurt und München.
Deutschland, insbesondere die Metropolen Berlin, Frankfurt und München, gilt als bevorzugte Region für die Immobilieninvestitionen des Fonds.
Der globale Anker: Government Pension Fund Global
Der Government Pension Fund Global ist laut den vorliegenden Quellen der größte Staatsfonds weltweit. Seine Verwaltung obliegt Norges Bank Investment Management (NBIM), einer Abteilung der norwegischen Zentralbank.
Das Fondsvermögen variiert je nach Stichtag, liegt aber in frei zugänglichen Quellen im Bereich von 1,8 bis 1,9 Billionen Euro. Der GPFG investiert die Einnahmen Norwegens aus dem Öl- und Gasgeschäft im Ausland. Dies soll künftige Generationen absichern und die norwegische Wirtschaft vor den Schwankungen der Rohstoffpreise schützen.
Immobilien stellen eine der vier Anlageklassen des Fonds dar. Nach den genannten Zahlen machen nicht börsennotierte Immobilien rund 1,9 bis 2 Prozent des Fondsvermögens aus. Die Quellen nennen zudem eine Obergrenze von bis zu sieben Prozent für börsennotierte Immobilien.
Der Fonds zielt auf hochwertige Objekte in zentraler Lage großer Städte ab, vornehmlich Büro-, Einzelhandels- und Logistikimmobilien.
NBIM und CEO Nicolai Tangen
NBIM ist für die operative Verwaltung des Fonds zuständig, während die politische Entscheidungsbefugnis über die grundlegende Anlagestrategie beim norwegischen Finanzministerium liegt. Nicolai Tangen fungiert als CEO von NBIM. Zitate von Tangen, wie „Unser Ziel ist es, möglichst viel Geld zu verdienen“, finden sich in den Quellen.
Er äußerte sich zudem mahnend zu einer veränderten Ertragslage und prognostizierte „ein Jahrzehnt niedriger Renditen“.
Als Leistungskennzahl nennt die Recherche für das erste Halbjahr 2023 einen Anlagegewinn von 698 Milliarden Norwegischen Kronen, was in den Quellen mit etwa 59 Milliarden Euro angegeben wird.
Langfristige Strategie und Marktpositionierung
Der Fonds verfolgt eine langfristige Anlageperspektive und legt Wert auf Transparenz. So sind Aktienpositionen, Abstimmungen auf Hauptversammlungen und Jahresberichte öffentlich zugänglich. Neben Direktinvestitionen in Immobilien prüft der Fonds laut Recherche auch eine Ausweitung des Engagements in Private-Equity-Fonds.
Ein Empfehlungsdokument der Zentralbank nannte dafür ein Volumen von bis zu 65 Milliarden Euro; eine endgültige Entscheidung darüber obliegt dem Parlament.
Die wiederholten Transaktionen in deutschen Immobilien spiegeln das anhaltende Engagement des Fonds in diesem Markt wider.
Ausblick: Offene Fragen
Die vorliegende Recherche in frei zugänglichen Quellen enthält keine Bestätigung für die in einzelnen Berichten genannte Summe von knapp einer Milliarde Euro für deutsche Büroobjekte. Eine mögliche Einbindung von Art-Invest Real Estate in einen aktuellen, derartigen Deal ist ebenfalls nicht belegt. Welche konkreten Objekte oder Regionen ein etwaiger neuer Erwerb betreffen würde, lässt sich aus dem vorliegenden Material nicht sicher ableiten.
Weitere Details müssten durch bestätigte Meldungen oder offizielle Dokumente nachgewiesen werden.







