Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk plant die Markteinführung einer Abnehmtablette in Deutschland zum 1. September. Eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte, dass ausreichend Ware verfügbar sei, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.
Die Europäische Union erteilte die Zulassung für die Wegovy-Tabletten bereits im Juli. Die Tablette enthält den Wirkstoff Semaglutid, der auch in der Abnehmspritze Wegovy verwendet wird. Endokrinologin Nina Meyer von der Berliner Charité bezeichnet die Effekte auf das Gewicht als vergleichbar mit der Spritze.
Die Tablette schafft eine neue Behandlungsoption für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Die Behandlung setzt ein ärztliches Rezept voraus.
Neue Therapieoption für Adipositas
Die Tablette basiert auf dem Wirkstoff Semaglutid, einem GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Dieser Wirkstoff signalisiert dem Gehirn Sättigung und verzögert die Magenentleerung. Beide Effekte können zu geringerer Nahrungsaufnahme und Gewichtsabnahme führen.
Semaglutid war in Deutschland bisher primär als Injektionspräparat verfügbar, beispielsweise als Wegovy zur Gewichtsreduktion oder als Ozempic für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Eine Sprecherin von Novo Nordisk versichert: „Wir haben ausreichend Ware verfügbar, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.“
Die EU-Zulassung für die Wegovy-Tabletten erfolgte im Juli. Die Tabletten sind für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung vorgesehen. Ein ärztliches Rezept ist dabei zwingend erforderlich.
Anwendung und Dosierung im Detail
Obwohl der Wirkstoff identisch ist, unterscheiden sich Tablette und Spritze in Anwendung und Dosierung. Die Spritze wird einmal wöchentlich injiziert. Die Tablette hingegen ist täglich morgens einzunehmen.
Vor der Einnahme der Tablette müssen Patienten mindestens acht Stunden nüchtern sein. Anschließend folgt eine 30-minütige Phase, in der nichts gegessen, getrunken oder andere Medikamente eingenommen werden dürfen.
Ein weiterer Unterschied liegt in der benötigten Wirkstoffmenge. Magen und Dünndarm nehmen nur einen geringen Teil des Wirkstoffs auf. Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München, erklärt: „Sie brauchen vom gleichen Wirkstoff 70-mal so viel, wenn Sie das in Tablettenform geben, als wenn Sie das spritzen.“
Die maximale Dosierung der Spritzentherapie liegt bei 2,4 Milligramm. Für die Tabletten wird eine Maximaldosis von 25 Milligramm verfügbar sein. Nina Meyer betont, dass die Effekte auf das Gewicht vergleichbar seien. Die orale Option bietet zudem eine Wahlmöglichkeit, etwa für Patienten mit Spritzenangst.
Kosten und begleitende Maßnahmen
In Deutschland müssen Patienten die Kosten für Abnehmmittel in der Regel selbst tragen. Diese Präparate gelten als sogenannte „Lifestyle-Arzneimittel“ und werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bisher kostete die Therapie mit den Abnehmspritzen „einige Hundert Euro pro Monat“. Die genauen Kosten für die neuen Tabletten sind noch nicht bekannt.
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes wird die Behandlung mit Semaglutid unter dem Produktnamen Ozempic von den Krankenkassen erstattet.
Expertinnen und Experten betonen, dass die medikamentöse Behandlung allein nicht ausreicht. Nina Meyer sagt: „Es ist keine alleinstehende Therapie.“ Ärztliche Begleitung sowie unterstützende Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Verhalten sind wichtig für den Therapieerfolg.
Studien zur Abnehmspritze zeigten eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von etwa elf bis 17 Prozent, das entspricht rund zehn bis zwölf Kilogramm. Eine britische Studie ergab, dass Patienten nach Absetzen der Spritzentherapie im Schnitt etwa 60 Prozent des verlorenen Gewichts innerhalb eines Jahres wieder zunehmen. Ungefähr ein Viertel des Gewichtsverlusts kann längerfristig erhalten bleiben.
Mögliche Nebenwirkungen einer Semaglutid-Behandlung umfassen Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung. Diese traten überwiegend mild bis moderat auf.
Markterwartungen und Sicherheitsaspekte
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) informiert über die korrekte Anwendung der neuen Tabletten und warnt gleichzeitig vor dubiosen Online-Angeboten. ABDA-Präsident Thomas Preis kritisiert, dass unseriöse Anbieter keine ausreichende ärztliche Betreuung oder pharmazeutische Kontrolle gewährleisten. Er sagt: „Arzneimitteltherapiesicherheit entsteht nicht durch Klicks im Internet, sondern durch persönliche Beratung und pharmazeutische Kontrolle.“
Er fügt hinzu: „Wer den Eindruck erweckt, solche Therapien ließen sich per Mausklick organisieren, verkennt die Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten.“
Die Verfügbarkeit einer oralen Option erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Übergewicht und Adipositas in Deutschland erheblich. Wie sich die Preisgestaltung der Tabletten im Vergleich zur Spritzenform entwickelt, bleibt derzeit abzuwarten. Die weitere Marktentwicklung und die Akzeptanz bei Patienten und Ärzten werden zeigen, welchen Stellenwert die orale Darreichungsform von Semaglutid zukünftig einnimmt.
Analysten beobachten zudem, wie Novo Nordisk die Produktionskapazitäten skaliert, um sowohl die Spritzen- als auch die Tablettenform global zu versorgen.







