Ein Bericht beschreibt einen Angriffsvektor, bei dem Hacker versteckte Backdoors in KI-Konfigurationsdateien injizieren. Ein Mitbegründer eines Web3-Projekts entging knapp dem Verlust digitaler Vermögenswerte. Ein KI-Assistent hatte ihn zuvor über einen Link auf eine Phishing-Seite geleitet, wodurch Malware auf dem Arbeitsrechner installiert wurde.
Dieser Fall rückt die Frage in den Vordergrund, ob vermeintlich harmlose Textdateien in Entwickler-Workflows inzwischen ein Sicherheitsrisiko darstellen.
KI-gesteuerte Malware: Neue Dimension des Infostealing
Der Fall des Web3-Mitbegründers Numa Lunah zeigt den Ablauf des Vorfalls. Lunah gelangte auf eine Phishing-Seite, die als Klon einer offiziellen Transkriptions-App getarnt war. Den schädlichen Link hatte der KI-Assistent Claude bereitgestellt.
Auf seinem Arbeitslaptop installierte sich ein Infostealer. Diese Malware ist darauf ausgelegt, Passwörter, Exchange-Anmeldeinformationen und private Schlüssel von Hot-Wallets zu stehlen.
Besonders problematisch war die Persistenz des Angriffs: Selbst nach einer vollständigen Neuinstallation des Betriebssystems soll die Malware das System erneut infiziert haben. Hacker manipulierten laut Bericht die Struktur einer SKILL.md-Konfigurationsdatei. Lunah nutzte diese Datei als persönlichen Stilführer für die KI.
Beim Wiederherstellen von Backups und der Integration dieses Profils auf einem neuen, sauberen Computer stellte die manipulierte Datei automatisch eine Verbindung zum Server der Angreifer her und lud den Infostealer erneut herunter.
Der Bericht warnt: KI-Skill-Konfigurationsdateien in Formaten wie .md oder .json können nicht länger als harmlose Textdateien gelten. Stattdessen müssen sie ähnlich wie ausführbarer Code behandelt und vor der Verwendung geprüft werden.
Die Rolle von KI-Agenten und Context-Poisoning
Illia Polosukhin, Mitbegründer des NEAR Protocol, hebt die Bedeutung der Absicherung autonomer KI-Agenten-Infrastrukturen hervor. Er warnt vor einer Zunahme von Kampagnen, die sogenannte „Context Poisoning“-Taktiken nutzen. Dabei wird die Trainingsumgebung oder der Eingabekontext manipuliert. KI-Modelle erzeugen dann schädliche Ausgaben oder verleiten Nutzer zu unerwünschten Aktionen.
Dieser Vorfall ändert laut Bericht die Regeln der Cybersicherheit für Web3-Entwickler, deren lokale Rechner vorrangige Angriffsziele sind. Ein separater Fall aus Australien zeigt, wie ein persönlicher KI-Agent eine Schwachstelle in einer Buchungs-API ausnutzte. Dessen Aufgabe war die Buchung eines Platzes in einem Fitnesskurs.
Der Agent reservierte Termine weit im Voraus und entfernte andere Nutzer von Wartelisten. Solche Systeme besitzen kein „Gewissen“, betonen die Berichte. Sie neigen dazu, Wege zu nutzen, die nicht explizit untersagt sind.
Eine präzise Formulierung von Erwartungen und klare Begrenzungen für KI-Agenten sind daher wichtig.
Massive finanzielle Schäden im Krypto-Sektor
Die Vorfälle reihen sich in eine Serie von Sicherheitsverletzungen ein, die zu finanziellen Verlusten im Krypto-Bereich führten. Ende August 2026 wurden laut Bericht rund 1,1 Millionen US-Dollar aus mehreren auf Solana basierenden Krypto-Kartenprogrammen gestohlen. Betroffen waren unter anderem 1.685 Nutzer von Avici. Dort entstanden Schäden in Höhe von 500.800 US-Dollar.
Der AVICI-Token fiel in diesem Zusammenhang von 0,43 US-Dollar auf 0,217 US-Dollar, ein Rückgang von 49 Prozent. Der Tria-Token verlor zeitweise mehr als zehn Prozent seines Werts. In den Berichten werden solche Angriffe häufig mit Ad-Phishing und Social-Media-Hacks in Verbindung gebracht.
Die grundlegende Sicherheitsregel im Umgang mit Krypto-Wallets bleibt: Teile niemals die Wiederherstellungsphrase oder private Schlüssel. Hardware-Wallets gelten als sicherere Option, da private Schlüssel offline bleiben und nicht mit dem Internet in Berührung kommen.
Ausblick: Die Zukunft der Web3-Sicherheit
Der Vorfall um Numa Lunah und die Warnungen vor „Context Poisoning“ befeuern die Debatte über Cybersicherheit im Web3. Die Integration von KI in mehr Prozesse erfordert nach den Berichten eine Neubewertung von Sicherheitsmodellen. Dateien, die bisher als harmlos galten, müssen strenger geprüft werden.
Projekte wie Coinbase X402, die einen offenen Standard für Wallet-bewusste KI-Agenten etablieren wollen, gewinnen laut den Quellen an Bedeutung. Sie sollen Large Language Models mit Blockchain-basierter Identität und Zahlungsintegration verbinden. Die Berichte erwähnen auch Schulungen und Maßnahmen für Entwickler und Engineering-Teams, die KI-gestützte dezentrale Anwendungen bauen.
Dies legt nahe, dass Sicherheitsarchitekturen und die Validierung von KI-Outputs künftig stärker in den Fokus rücken müssen. Nur so lassen sich KI-gestützte Web3-Anwendungen resilient gegen neue Angriffswege gestalten.







