Der US-Halbleiterkonzern Nvidia weitet sein Aktienrückkaufprogramm aus und signalisiert damit Vertrauen in die eigene Entwicklung. Das Unternehmen stockt sein bestehendes Rückkaufprogramm um zusätzliche 150 Milliarden US-Dollar auf. Das genehmigte Volumen erhöht sich somit auf insgesamt 235 Milliarden US-Dollar, welche bis zum Geschäftsjahr 2028 umgesetzt werden sollen.

Diese Maßnahme stellt laut der Financial Times den größten angekündigten Aktienrückkauf in der Geschichte der US-Wirtschaft dar. Der bisherige Rekord lag bei 110 Milliarden US-Dollar, den Apple im Jahr 2024 festlegte. Ein Rückkauf reduziert die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien, was den Gewinn pro Aktie steigern kann, ohne den operativen Gewinn zu verändern.

Vertrauenssignal und Rekordzahlen

Nvidia-CEO Jensen Huang betont, die höheren Rückkäufe spiegeln die Zuversicht des Unternehmens in langfristige Chancen wider. Für das kommende Geschäftsjahr prognostiziert Nvidia ein Umsatzwachstum von 70 Prozent.

Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt bei rund 5,42 Billionen US-Dollar. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Umsatz um 85 Prozent auf 81,6 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn belief sich in diesem Zeitraum auf 58,3 Milliarden US-Dollar.

Das Datenzentrum-Geschäft verdoppelte seinen Umsatz auf 75,2 Milliarden US-Dollar und erwirtschaftete damit 92 Prozent der Gesamterlöse. Für das laufende Quartal prognostiziert Nvidia einen Umsatz von rund 91 Milliarden US-Dollar.

Parallel zur Aufstockung der Rückkäufe hebt Nvidia seine Dividende von 0,01 auf 0,25 US-Dollar an. Die Auszahlung erfolgt am 26. Juni an Aktionäre, die am 4. Juni im Register stehen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben: Es bewegt sich zwischen knapp 24 und dem 20-Fachen des erwarteten Gewinns für das laufende Geschäftsjahr. Letzteres wird als das niedrigste Bewertungsniveau seit Anfang 2019 bezeichnet. Für das Gesamtjahr 2026 plant Nvidia, 50 Prozent des freien Cashflows an die Aktionäre zurückzugeben.

Laut Barron’s könnte der freie Cashflow in diesem Jahr mehr als 210 Milliarden US-Dollar betragen.

Strategische Investitionen und Marktposition

Nvidia setzt nicht nur auf Kapitalrückgaben, sondern expandiert auch durch Investitionen und Kooperationen. CEO Jensen Huang kündigt an, künftig jährlich 150 Milliarden US-Dollar in Taiwan zu investieren und bezeichnet Taiwan als das „Epizentrum der KI-Revolution“. Eine neue Taiwan-Zentrale soll bis 2030 betriebsbereit sein.

Die Pläne betonen die Zusammenarbeit mit wichtigen Zulieferern wie dem taiwanesischen Auftragsfertiger TSMC sowie mit Foxconn, Wistron und Quanta Computer. Diese Unternehmen spielen beim Aufbau von KI-Servern und Infrastruktur eine Rolle.

Nvidia verhandelt zudem über Übernahme-, Beteiligungs- oder Lizenzoptionen mit KI-Chip-Designern wie Rebellions aus Korea, das auf Inferenzchips spezialisiert ist. Ende 2025 schloss Nvidia laut Berichten ein Lizenzabkommen über rund 20 Milliarden US-Dollar mit dem Inferenzchip-Spezialisten Groq. Im Bereich der Energieversorgung ging Nvidia eine strategische Partnerschaft mit einer Minderheitsbeteiligung an Cloverleaf Infrastructure ein.

Cloverleaf wird als Stromentwickler mit Projekten von mehr als sieben Gigawatt Leistung beschrieben.

Konkurrenten wie AMD planen ebenfalls Investitionen in den taiwanesischen KI-Sektor.

Ausblick: Wachstumserwartungen und Marktreaktion

Die Aufstockung des Aktienrückkaufprogramms interpretieren Marktbeobachter als Vertrauensvotum des Managements. Sie erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Nvidia seine Geschäftsfelder erweitert. Analysten werden die Umsetzung des Programms und die Auswirkungen auf den Gewinn pro Aktie beobachten.

Die erhöhte Dividende sowie Investitionen in Partnerschaften und regionale Produktionskapazitäten in Taiwan deuten auf eine längerfristige strategische Ausrichtung hin. Es bleibt offen, wie sich die Wettbewerbslandschaft im KI-Sektor entwickelt und welche Rolle Plattformen wie die Vera-Rubin-Architektur spielen werden. Als geplante Anwender dieser Plattform werden unter anderem Microsoft Azure, Google Cloud, Oracle, CoreWeave und Nebius genannt.

Auch die genaue Ausgestaltung der angekündigten jährlichen Investitionen in Taiwan und deren langfristige Wirkung auf Lieferketten und Produktionskapazitäten ist noch nicht abschließend geklärt.