Der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) prägt den Hardwaremarkt. Die steigende Nachfrage von KI-Rechenzentren nach spezialisierten Speicherchips wie High Bandwidth Memory (HBM) führt zu Komponentenengpässen und treibt die Preise für Endverbrauchergeräte wie Laptops und Smartphones in die Höhe. Käufer stehen infolgedessen vor einer knapperen Auswahl und höheren Preisen für Konsumentenelektronik.

Produktionsverlagerung treibt Preise

Auslöser ist das rasante Wachstum von KI-Rechenzentren und die damit verbundene Nachfrage nach leistungsfähigen Speicherchips. Die drei größten Speicherchiphersteller – SK Hynix, Samsung und Micron – verlagern Teile ihrer Produktion von traditionellen DRAM- und NAND-Chips auf HBM. Mit dieser Umstellung sinkt das Angebot an herkömmlichen Chips, die in Geräten wie Laptops, Smartphones, Kameras und Spielkonsolen verbaut werden.

Hersteller zahlen für die knapper werdenden Komponenten mehr und geben die höheren Kosten an die Kundschaft weiter. Google erhöhte etwa den Preis seines Google TV Streamers von 100 auf 150 US-Dollar, was einer Steigerung von 50 Prozent entspricht. Amazon und Roku nahmen ähnliche Preiserhöhungen für Streaming-TV-Hardware vor.

GPU-Markt unter Druck

Auch Grafikkartenpreise sind gestiegen. Innerhalb eines Monats lagen die Preise für GPUs im Schnitt 15 Prozent höher. Durchschnittlich notieren Grafikkartenpreise – die RTX 5090 ausgenommen – etwa 28 Prozent über dem ursprünglichen Verkaufspreis (MSRP).

Preise für Nvidia-GeForce-Karten stiegen monatlich durchschnittlich um 19 Prozent. Die RTX 5090 wird in den USA für fast 5.000 US-Dollar angeboten, rund 145 Prozent über dem MSRP von 1.999 US-Dollar. Aufgrund dieser Ausreißer wird sie in manchen Durchschnittsbetrachtungen nicht berücksichtigt.

Die RTX 5060 Ti 16GB notiert in den USA etwa 70 Prozent über ihrem MSRP von 429 US-Dollar. AMD-Radeon-Karten verteuerten sich im Monatsvergleich durchschnittlich um elf Prozent; die RX 9060 XT 16GB stieg global um etwa 28 Prozent.

Diese Preisentwicklungen spiegeln sich in den Erwartungen und Ergebnissen der Chipfirmen wider. Nvidia rechnet für das Fiskaljahr 2028 mit einem Umsatzwachstum von rund 70 Prozent. Im zweiten Fiskalquartal belief sich der Umsatz auf 96,2 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal.

Einige der größten Nvidia-Kunden erhielten die Information, dass die Preise für Server mit deren KI-Chips Anfang des nächsten Jahres um mehr als 15 Prozent steigen könnten. Samsung Electronics hat die Preise für bestimmte fortgeschrittene Auftragsfertigungen bei neuen Bestellungen um bis zu 15 Prozent erhöht. Das Unternehmen bindet zudem bis zu 70 Prozent der Speicherkapazität in mehrjährigen Verträgen mit Rechenzentrumsbetreibern.

Broadcom prognostiziert für das Fiskaljahr 2027 einen KI-Halbleiterumsatz von mehr als 100 Milliarden US-Dollar.

Engpässe und Marktstrategien

Die durch den KI-Boom ausgelöste Knappheit an Computerkomponenten wird voraussichtlich bis Ende 2026 und über weite Teile des Jahres 2027 anhalten. Beobachter erwarten eine Entspannung der Komponentenpreise nicht vor Ende 2027 oder Anfang 2028. Micron reagiert mit dem Bau einer neuen, rund neun Milliarden US-Dollar teuren Fabrik, die Mitte 2028 in Betrieb gehen soll.

Große Tech-Konzerne sind ebenfalls betroffen. Dell meldete Rekordaufträge im KI-Bereich von 60,9 Milliarden US-Dollar und einen Auftragsbestand von 95 Milliarden US-Dollar. Apple berichtete von unerwartet starker Enterprise-Nachfrage nach Mac mini und Mac Studio.

Das Unternehmen hatte laut Berichten keine spezielle Enterprise-KI-Engineering-Strategie, stellte aber neue Mac mini Modelle mit M6- und M5-Pro-Chips vor und bewirbt die Möglichkeit, mehrere Mac Studios zu einem System zu verbinden.

China gewinnt indes an Bedeutung. CXMT (ChangXin Memory Technologies) ging im Juli 2026 an die Börse und wird mit rund 600 Milliarden US-Dollar bewertet. YMTC (Yangtze Memory Technologies) plant einen Börsengang im Jahr 2027.

Analystenblicke und offene Fragen

Die Rallye der Chipaktien hat das Marktgeschehen beeinflusst. Halbleiterunternehmen machten in diesem Jahr rund 37 Prozent der Marktwertgewinne des S&P 500 aus. Einzelwerte verzeichneten hohe Zugewinne – Micron Technology stieg in diesem Jahr um etwa 220 Prozent, Marvell Technology um rund 185 Prozent und Intel um rund 150 Prozent.

SK Hynix und Samsung trugen dazu bei, den koreanischen Kospi-Index um mehr als 60 Prozent zu treiben. Ein ETF, der Halbleiteraktien abbildet, stieg in diesem Jahr um rund 70 Prozent.

Trotz starker Quartalszahlen fiel Nvidias Aktienkurs an fünf der letzten sechs Folgetage nach Earnings-Reports. Analysten sehen zudem eine Diskrepanz zwischen Broadcoms optimistischer Prognose von über 100 Milliarden US-Dollar AI-Halbleiterumsatz und dem Aktienkurs des Unternehmens, der rund 25 Prozent unter seinem Jahreshoch liegt.

Zudem bleiben Fragen zum konkreten Return on Investment von KI-Projekten. Laut Beobachtern wie Milos Maricic von der Beratungsfirma Maximand können nur wenige US-Finanzunternehmen einen quantifizierbaren Dollarbetrag für den durch KI erzielten Nutzen nennen. Ein Unternehmen nannte in diesem Kontext einen Gesamtbetrag von rund 19 Millionen US-Dollar.

Analysten erwarten, dass sich die Marktbedingungen erst mit der Inbetriebnahme neuer Fertigungsanlagen merklich entspannen werden. Dies könnte die derzeitige Preisdynamik im Hardware-Sektor längerfristig beeinflussen, bis die Produktionskapazitäten die steigende Nachfrage decken.