Ein Förderstopp für ein zentrales Nvidia-Programm befeuert Debatten über die Finanzierung von KI-Infrastruktur. Parallel dazu erlebt das US-Verteidigungsministerium juristische Rückschläge aufgrund seiner Blacklists. Ein Bundesgericht erklärte die Einstufung des KI-Unternehmens Anthropic als Sicherheitsrisiko für rechtswidrig.

Gleichzeitig klagt der chinesische Speicherchiphersteller CXMT gegen seine Listung. Diese Entwicklungen stehen im Schnittpunkt von Unternehmensinteressen, Wettbewerbsrecht und nationaler Sicherheitspolitik.

Nvidia pausiert Milliardenprogramm für KI-Infrastruktur

Nvidia, ein führender Chiphersteller, hat sein im Juli eingeführtes Finanzierungsprogramm „AI Compute Partnership“ pausiert. Das Programm sollte KI-Cloud-Anbietern den Zugang zu Nvidias Hardware erleichtern. Mitarbeitende des Unternehmens äußerten interne Bedenken wegen eines möglichen Kartellrisikos. Dies führte zur Aussetzung des Programms.

Das Programm umfasste Verpflichtungen in Höhe von 36 Milliarden US-Dollar mit einer typischen Laufzeit von sechs Jahren. Nvidia sollte 50 Prozent des Umsatzes oberhalb eines Basisstundensatzes erhalten. Nvidia-CFO Colette Kress prognostizierte, diese neue Einnahmequelle könne dem Unternehmen mittelfristig Milliarden von US-Dollar einbringen.

Zu den ersten Partnern zählten Sharon AI und Firmus Technologies. Nach Berichten über den Stopp fiel der Aktienkurs von Nvidia am 28. August um 4,57 Prozent. Ein Nvidia-Sprecher erklärte, das „new business model… is still in place and continues to evolve due to high demand“. Diese unterschiedlichen Darstellungen deuten auf abweichende Interpretationen des Status der Initiative hin.

Gerichtsurteil entlastet Anthropic von Pentagon-Blacklist

Am 27. August entschied ein US-Bundesgericht im nördlichen Distrikt von Kalifornien, die Einstufung des KI-Unternehmens Anthropic durch das US-Verteidigungsministerium als „Lieferkettenrisiko für die nationale Sicherheit“ sei rechtswidrig und unbegründet. Richterin Rita Lin erklärte: „Der bloße Verweis auf die nationale Sicherheit ist kein Freifahrtschein, um Regierungskritiker zu bestrafen und Vergeltung an ihnen zu üben.“

Die Richterin stellte zudem fest, die fortgesetzten Geschäfte von Regierungsbehörden mit Anthropic stünden „völlig im Widerspruch zu den Behauptungen, es bestehe eine ernsthafte Sorge, dass Anthropic die nationale Sicherheit gefährden würde“. Das Pentagon hatte Anthropic, Entwickler des Chatbots Claude, Ende Februar beziehungsweise Anfang März 2026 als Risiko für die Lieferkette der nationalen Sicherheit eingestuft und die Kooperation beendet. Anthropic reichte im März 2026 Klage gegen die Regierung ein.

Eine zweite Klage in Washington, D.C., die eine separate Einstufung betrifft, ist weiterhin anhängig. Diese könnte den Zugang zu zivilen Regierungsaufträgen beeinträchtigen. Die US-Regierung kann gegen das Kalifornien-Urteil Berufung einlegen.

Anthropic schloss Ende Mai 2026 eine Serie-H-Finanzierungsrunde über 65 Milliarden US-Dollar ab. Die Post-Money-Bewertung nach dieser Runde lag bei 965 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen bereitet einen Börsengang vor.

Beobachter nennen erwartete Bewertungsannahmen von bis zu 2 Billionen US-Dollar beim IPO. Hochgerechnete Umsatzzahlen, die in Berichten genannt werden, liegen bei etwa 14 Milliarden US-Dollar im Februar und 47 Milliarden US-Dollar im Mai 2026, mit einer Erwartung von 100 bis 120 Milliarden US-Dollar bis Jahresende. Der globale KI-Markt wird in einigen Schätzungen auf rund 30 Billionen US-Dollar beziffert.

CXMT klagt gegen Pentagon-Listung

Die Liste chinesischer Militärunternehmen, oft als 1260H-Liste bezeichnet, ist weiterhin umstritten. Der chinesische Speicherchiphersteller ChangXin Memory Technologies (CXMT) reichte am 30. August 2026 Klage beim US-Bezirksgericht für den District of Columbia gegen das US-Verteidigungsministerium ein, um von der Liste gestrichen zu werden.

CXMT fordert die Streichung von der Liste und betont, in keiner Verbindung zum chinesischen Militär zu stehen. CXMT war laut Zeitlinie erstmals im Januar 2025 gelistet, wurde im Februar 2025 kurzzeitig wieder entfernt und im Juni 2025 erneut aufgenommen.

Für das erste Halbjahr 2026 werden für CXMT ein Umsatz von 150,3 Milliarden Yuan und ein Nettogewinn von 77,61 Milliarden Yuan genannt. Das Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr wird mit 874 Prozent angegeben. Beim Börsengang an der Shanghai Stock Exchange am 27.

Juli 2026 stieg der Kurs am ersten Handelstag um 471 Prozent auf 8,66 RMB. Die Marktkapitalisierung wurde mit 3,54 Billionen RMB angegeben. Ein Abschnitt des National Defense Authorization Act für das Haushaltsjahr 2023 verbietet US-Bundesbehörden ab Dezember 2027 die Verwendung von Gütern, die Halbleiter der CXMT-Technologie enthalten.

Die Klage von CXMT reiht sich in eine Serie ähnlicher Rechtsstreitigkeiten ein, in denen auch Konzerne wie Huawei, SMIC und Alibaba gegen US-Behörden vorgehen. Ein US-Berufungsgericht gab zudem dem Drohnenhersteller DJI eine neue Möglichkeit, eine Überprüfung seiner Einstufung zu erreichen.

Ausblick auf anhaltende Spannungen und Rechtsstreitigkeiten

Die Entwicklungen rund um Nvidias Finanzierungsprogramm und die juristischen Auseinandersetzungen mit dem Pentagon spiegeln konkurrierende rechtliche und politische Interessen im globalen Tech-Sektor wider. Kartellrechtliche Bedenken, nationale Sicherheitsfragen und Fragen des Marktzugangs überlagern das Ringen um Marktanteile im KI-Sektor.

Marktbeobachter verfolgen, wie Nvidia sein Geschäftsmodell anpasst und ob eine überarbeitete Version des Programms wieder aufgenommen wird. Die juristischen Auseinandersetzungen zwischen Tech-Unternehmen und US-Behörden bleiben ein zentrales Thema. Das Urteil in Kalifornien gilt als wichtige Entscheidung, doch die anhängige Klage in Washington sowie mögliche Berufungen können die rechtliche Lage weiter verändern.

Anthropic plant, nach dem US-Feiertag Labor Day seinen Börsenprospekt zu veröffentlichen und im Herbst an der US-Börse zu debütieren.

Die Klage von CXMT und die Entwicklung im Fall DJI zeigen, dass Streitigkeiten über US-Blacklists und ihre Folgen für chinesische Unternehmen anhalten. Berichten zufolge erwarten Analysten, dass ähnliche Rechtsstreitigkeiten zunehmen. Dies kann operative Planung und Marktzugänge von Hochtechnologieunternehmen beeinflussen.