OKX startet globale Stablecoin-Plattform für Schwellenländer
Die Kryptobörse OKX hat eine eigenständige App namens „OKX Money“ eingeführt. Über die Plattform konvertiert der Nutzer mehr als 50 lokale Währungen in an den US-Dollar gekoppelte Stablecoins. Der Launch erfolgte auf dem „OKX Now Product Event“ in Singapur.
Mit diesem Schritt konzentriert sich OKX auf Schwellenmärkte in Lateinamerika, Afrika, Südasien und dem Nahen Osten. Die Plattform adressiert Herausforderungen wie Währungsschwankungen, eingeschränkten Bankzugang und hohe Devisengebühren in diesen Regionen. Ziel ist es, Sparen und globale Zahlungen zu vereinfachen.
OKX Money ermöglicht es, drei an den US-Dollar gekoppelte Stablecoins zu halten: Paxos’ USDG, Circle’s USDC und Tether’s USDT. Für berechtigte USDG-Guthaben bietet die Plattform eine jährliche Rendite von bis zu 10 Prozent (APY). Das Angebot umfasst zudem virtuelle und physische Karten ohne Devisenaufschlag sowie Empfehlungsprämien.
Das Produkt ist Teil einer Reihe neuer Angebote von OKX. Die Bedeutung von Stablecoins wächst: Laut Chainalysis stiegen grenzüberschreitende Stablecoin-Flüsse in den zwölf Monaten bis Juni 2026 um 77,5 Prozent auf 220,3 Milliarden US-Dollar. Etwa 97 Prozent des globalen Stablecoin-Marktwerts sind an den US-Dollar gebunden.
Strategische Expansion in wachsenden Märkten
OKX konzentriert diese Initiative auf Regionen mit hohem Bedarf an stabilen digitalen Währungen. Haider Rafique, Global Managing Partner bei OKX, erklärt: „Die zentrale Lücke für Personen und Institutionen ist die Abwicklung.“ Er verweist zudem auf persönliche Erfahrungen mit hohen Gebühren bei traditionellen Geldtransfers.
OKX Money soll eine effizientere und kostengünstigere Möglichkeit bieten, Werte zu speichern und grenzüberschreitend zu transferieren. Rafique betont: „Verglichen mit älteren Technologien besitzt Krypto einen Vorteil: Wir sind technologisch fortschrittlicher als das traditionelle Finanzwesen, sowohl bei Geld als auch bei Märkten.“
Die Expansion spiegelt sich in jüngsten Unternehmensereignissen wider. Die Intercontinental Exchange (ICE), Muttergesellschaft der New York Stock Exchange, investierte im März in einer Finanzierungsrunde in OKX. Diese Runde bewertete OKX mit 25 Milliarden US-Dollar. Die genaue Investitionssumme von ICE wurde nicht offengelegt; Bloomberg berichtete von etwa 20 Millionen US-Dollar.
Hintergrund und Herausforderungen
OKX wurde 2013 von Star Xu als Okcoin gegründet und firmiert seit 2022 als OKX. Das Unternehmen gibt an, weltweit über 60 Millionen registrierte Nutzer zu besitzen und Transaktionen im Wert von mehreren Billionen US-Dollar verarbeitet zu haben.
OKX expandierte in den vergangenen Jahren international: Im Juli 2022 erhielt das Unternehmen eine vorläufige Virtual Asset License in Dubai, im März 2023 beantragte es eine Lizenz in Hongkong, und im April 2023 wurde OKX in Frankreich eingetragen. Im Juni 2025 startete OKX laut Unternehmensangaben eine regulierte Krypto-Börse in Deutschland, die MiCA-konform arbeitet. Im Juli 2025 trat OKX dem Paxos Global Dollar Network bei.
Die Einführung des bis zu 10-Prozent-Yields auf USDG-Guthaben wirft Fragen auf. Ein Sprecher von OKX lehnte es ab, zu kommentieren, wie die Rendite finanziert wird. Paxos’ Global Dollar Network verteilt Gewinne aus USDG-Reserven an Partner.
Diese Reserven umfassen US-Treasuries, Geldmarktfonds und Bargeld. Dies ist relevant vor dem Hintergrund früherer Stablecoin-Yield-Produkte wie dem Anchor Protocol mit TerraUSD (UST), das scheiterte.
Auf regulatorischer Ebene sieht der US GENIUS Act ein Verbot von Zins- oder Renditezahlungen durch Payment-Stablecoin-Emittenten vor. In der Europäischen Union verbietet die MiCA-Verordnung Emittenten und Krypto-Dienstleistern, Zinsen auf Single-Currency-Stablecoins zu gewähren. OKX betont, dass der Rollout von OKX Money „Markt für Markt“ entsprechend lokalen Anforderungen erfolgen soll.
Ausblick: Regulierung und Marktdurchdringung
OKX kündigte an, die Startmärkte sukzessive entsprechend lokaler Anforderungen auszurollen. Konkrete Anfangsmärkte wurden nicht genannt. Offen bleibt, ob OKX die Renditen anbieten und gleichzeitig regulatorische Vorgaben in den verschiedenen Zielregionen erfüllen kann.
Die Diskussion um Stablecoin-Regulierung ist international präsent. Tether-CEO Paolo Ardoino hat europäische Vorschriften kritisiert. Zudem hat Revolut die Unterstützung für USDT im Europäischen Wirtschaftsraum eingestellt.
Sicherheitsfragen bleiben relevant: CertiK schätzt, dass Krypto-Plattformen in diesem Jahr rund 2,7 Milliarden US-Dollar durch Hacks verloren haben, darunter fast 388 Millionen US-Dollar bei der Konkurrenzbörse Bitget im letzten Monat. OKX hat kürzlich ein Kontoschutzprogramm namens OKX Shield eingeführt.
Ein Joint Venture von OKX mit ICE hat nach Angaben der Unternehmenskommunikation einen Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC zur Einführung einer Plattform für den Handel mit tokenisierten US-Aktien eingereicht. Wie Märkte und Nutzer in den Zielregionen auf OKX Money reagieren, bleibt abzuwarten.







