Der Regensburger Transformatorenhersteller SGB-Smit bereitet seinen Gang an den deutschen regulierten Kapitalmarkt vor. Der Finanzinvestor One Equity Partners treibt das Vorhaben für das erste Quartal 2027 voran und mandatiert dafür die Investmentbanken Goldman Sachs, J.P. Morgan sowie Morgan Stanley. Im Raum steht eine angestrebte Unternehmensbewertung von 4,0 bis 5,0 Milliarden Euro.
Vervielfachung des Kapitals für One Equity Partners
Für One Equity Partners bedeutet das Börsendebüt den geplanten Ausstieg. Die Beteiligungsgesellschaft übernahm die SGB-Smit-Gruppe im Jahr 2017 für knapp unter 700 Millionen Euro von BC Partners. Erreicht das Unternehmen die anvisierte Bewertung, vervielfacht sich der damalige Unternehmenswert um das Fünf- bis Sechsfache.
Das Zielvolumen der Platzierung liegt bei rund 1,0 Milliarde Euro. Als Rechtsberater agiert Freshfields Bruckhaus Deringer. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die SGB-Smit-Gruppe einen Konzernumsatz von rund 1,6 Milliarden Euro bei zweistelligen Zuwachsraten.
Die operative Ertragskraft beläuft sich auf etwa 300 Millionen Euro, wobei Marktquellen zwischen Vorsteuergewinn (EBIT) und EBITDA unterscheiden. Bei einem angenommenen EBITDA von 300 Millionen Euro entspricht die Bewertung von 4,0 bis 5,0 Milliarden Euro einem EV/EBITDA-Multiple von etwa 13,3 bis 16,7. Zuvor prüfte der Eigentümer mithilfe der M&A-Beratung Evercore alternative Strukturen über ein Continuation Vehicle, entschied sich nun jedoch für den Gang an die Börse.
Ein Superzyklus treibt die Nachfrage
Transformatoren wandeln elektrische Spannungen um und bilden die neuralgischen Knotenpunkte in Übertragungs- und Verteilnetzen. Die Dekarbonisierung, die Netzanbindung von Wind- und Photovoltaikanlagen sowie die Modernisierung veralteter Infrastruktur in Europa und Nordamerika treiben die Nachfrage massiv an.
Hinzu kommt der Bau großer Rechenzentren für Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Hyperscaler benötigen enorme Anschlussleistungen, die sich ausschließlich mit industriellen Leistungstransformatoren realisieren lassen. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey steigen die weltweiten Investitionen in Stromnetze zwischen 2025 und 2035 von rund 407 Milliarden US-Dollar auf 627 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Transformatoren machen dabei typischerweise 20 bis 25 Prozent des gesamten Netzinvestitionsvolumens aus.
Im Unterschied zu Gemischtkonzernen wie Siemens Energy oder GE Vernova agiert SGB-Smit als reiner Spezialist für Transformatoren. „In unseren Märkten liegt die Nachfrage deutlich über dem Angebot“, betont CEO Holger Ketterer. Die Unternehmensführung erwartet, dass dieser Zyklus über die kommenden zehn Jahre anhält, insbesondere weil auf Ebene der kommunalen Verteilnetze und Stadtwerke die nächste Modernisierungswelle bevorsteht.
Das Marktumfeld honoriert diese Entwicklung bereits mit spürbaren Kursgewinnen. GE Vernova und Siemens Energy verzeichnen kräftige Kurszuwächse auf Jahressicht. Zudem legte der spezialisierte Zulieferer Asta Energy Solutions seit seinem Börsengang Ende Januar rund 50 Prozent zu, während die Papiere von Pfisterer seit dem Handelsstart im Mai 2025 um rund 120 Prozent stiegen.
Volle Auftragsbücher treffen auf Manufakturgrenzen
Gleichzeitig steht das Geschäftsmodell vor operativen Herausforderungen. Die Produktionskapazitäten der Gruppe mit Standorten in Deutschland, den Niederlanden, Rumänien, Malaysia und den USA sind für die kommenden zwei bis drei Jahre ausgelastet. Bei besonders großen Leistungstransformatoren reichen die Vorlaufzeiten noch weiter in die Zukunft.
Ein rascher Hochlauf der Fertigung stößt an strukturelle Grenzen. Da Netzbetreiber und Energieversorger mit proprietären Spezifikationen arbeiten, bleibt fast jeder Großtransformator eine kundenspezifische Einzelfertigung. Eine vollautomatische Fließbandproduktion ist daher kaum realisierbar.
Zudem bremst der Fachkräftemangel das Tempo. Qualifizierte Mechatroniker, Elektrotechniker und Schweißer sind rar, was die Unternehmensführung als wesentlichen Engpass für den Kapazitätsausbau einstuft. Um die Fertigung dennoch auszuweiten, eröffnete der Konzern Mitte 2026 ein zusätzliches Werk im rumänischen Botoșani und übernahm die Mehrheit an COMEL Transformatori.
Bereits Anfang 2025 sicherte sich SGB-Smit die US-amerikanische Southwest Electric.
Weichenstellung für das Börsenjahr 2027
Mit den Mandaten an Goldman Sachs, J.P. Morgan und Morgan Stanley laufen die Strukturierungsarbeiten für das Börsendebüt planmäßig an. Die Konsortialbanken bereiten die Ansprache institutioneller Investoren vor, um die anvisierte Bewertungsspanne von 4,0 bis 5,0 Milliarden Euro am Markt zu verankern.
Für Kapitalmarktteilnehmer wird vor allem entscheidend sein, ob das Unternehmen seine operative Marge trotz steigender Arbeitskosten und des Fachkräftemangels stabil halten kann. Bis zum anvisierten Handelsstart im ersten Quartal 2027 kommt es für das Management darauf an, die Integration der jüngsten Zukäufe abzuschließen und die Verlässlichkeit in der Auftragsabwicklung unter Beweis zu stellen.







