Das Open-Source-Projekt OpenClaw veröffentlicht mit Version 2.0 die laut Projektangaben bisher größte Aktualisierung seiner KI-Agenten-Software. Mit der Einführung einer neu entwickelten Browser-Oberfläche und Shared Cloud Sessions zielt das Update darauf ab, die Bedienbarkeit zu vereinfachen und die kollaborative Entwicklung zu fördern. Es erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Projekt in einem kompetitiven Umfeld neu positionieren muss.

OpenClaw, bekannt für seine Open-Source-Natur und MIT-Lizenz, verbindet ein KI-Modell mit Dateien, Tools, Speicher und Messaging-Kanälen, um als Agent zu agieren. Die als Version 2026.8.1 offiziell am 31. August 2026 freigegebene Version 2.0 steht im Zeichen einer vereinfachten Installation und einer überarbeiteten Benutzererfahrung.

Ziel ist es, die Software für eine breitere Anwenderschaft zugänglicher zu machen.

Installation und Benutzeroberfläche überarbeitet

Ein Kernaspekt der neuen Version ist der vereinfachte Setup-Prozess. Dieser beinhaltet eine automatische Erkennung vorhandener KI-Zugänge, wie etwa ChatGPT- oder Claude-Abonnements, sowie lokaler Modelle. Die geführte Installation leitet Nutzer schrittweise durch die Konfiguration und prüft Modelle auf ihre Funktionalität, bevor diese gespeichert werden.

Ein Großteil der Einstellungen lässt sich nun direkt im Gespräch mit dem Agenten vornehmen, sodass weniger initiale Konfiguration nötig ist.

Die Benutzeroberfläche, intern als Control UI bezeichnet, wurde komplett neu entwickelt und dient als primäre Schnittstelle. Ähnlich wie bei etablierten KI-Chat-Anwendungen sind Gespräche in einer Seitenleiste organisiert, während die aktive Konversation im Zentrum steht. Die Oberfläche bietet integrierte Ansichten für Dateien, Genehmigungen, Terminals und Git-Diffs sowie ein andockbares Browserpanel.

Überdies ermöglicht eine Widget-Funktion das Ausführen von Widgets direkt im Chat, das Anheften an ein Sitzungs-Dashboard und den Export als Bilder.

Cloud-Synchronisierung und Sicherheit im Fokus

Eine der Neuerungen sind die Shared Cloud Sessions, die mehreren Nutzern erlauben, an einer bestehenden Agenten-Sitzung teilzunehmen, ohne den Kontext zu verlieren. Administratoren können dabei Lese-, Vorschlags-, Entwurfs- oder volle Teilnahmeberechtigungen vergeben. Die Funktion unterstützt Konzepte wie „Multiplayer-Coding“ und geteilte Agenten-Umgebungen und bietet Sitzungsbesitz, Teilnehmerzuordnung, Präsenzanzeigen und Tippindikatoren.

Peter Steinberger, der Gründer von OpenClaw, kommentiert diese Entwicklung: „Multiplayer coding + infinite compute with nodes and cloud sessions has been a game changer for how we build.“ Er ergänzt: „Two months ago, we started the mission to 'build OpenClaw with OpenClaw'.“ Die Speicherverwaltung wurde zudem überarbeitet: Sitzungen und Transkripte werden von JSON-Dateien in SQLite-Datenbanken migriert.

Die Konsolidierung des Speichers, als „Grounded dreaming“ bezeichnet, ist standardmäßig aktiviert und läuft im Hintergrund. Persönlicher Gesprächs-Abruf, die „Active Memory“, muss hingegen manuell aktiviert werden.

Zum Thema Sicherheit betont Hannes Rudolph, Community Manager der OpenClaw Foundation, dass Zugangsdatenanfragen maskiert werden. Dadurch gelangen Geheimnisse nicht in den Chat-Verlauf oder den Modellkontext. Zugleich weisen die Entwickler darauf hin, dass gemeinsame Sitzungen „keine Tenant-Isolation oder Sicherheitsgrenze“ darstellen.

Werte im Secret Store sind laut Projektangaben nicht verschlüsselt im Ruhezustand und hängen von den Dateisystemberechtigungen des OpenClaw-Zustandsverzeichnisses ab.

Ökosystem und Wettbewerbsdruck

OpenClaw 2.0 enthält weitere technische Erweiterungen. Über Provider-Discovery sind neue Modelle verfügbar, darunter Qwen 3.8 Max/Flash und DeepSeek V4 Flash Vision. Zusätzlich werden unter anderem NVIDIA Nemotron 3.5 Lightning und GLM-5.3/Flash genannt.

Die Version bietet zudem Unterstützung für GPT-6 Astra. Die Messaging-Integration wurde ebenfalls ausgebaut: Telegram, Slack und Discord erhalten eigene Oberflächen. Unterstützung für Dienste wie WhatsApp, iMessage und Signal ist vorgesehen.

Für Version 2.0 wurden laut Projektangaben 16.977 Pull Requests zusammengeführt. Rund 987 Personen haben dazu beigetragen, davon 569 mit ihrem ersten Beitrag. Die Pull Requests machen etwa die Hälfte aller bisherigen zusammengeführten Beiträge des Projekts aus.

Das Update erscheint in einer Zeit, in der sich OpenClaw im Umfeld etablierter und aufstrebender Agenten-Lösungen wie ChatGPT Work von OpenAI, Claude Cowork von Anthropic oder Microsoft Scout behaupten muss. OpenClaw war Anfang 2026 ein virales Phänomen, der anfängliche Hype hat nach Angaben mehrerer Berichte jedoch nachgelassen. Das Projekt differenziert sich durch seinen Open-Source-Ansatz, der Nutzern Kontrolle über eigene Hardware, Modelle und Daten ohne Abonnement ermöglichen soll.

Anbieter wie Atomic Bot betreiben OpenClaw auch in der Cloud und bieten damit eine Alternative zur lokalen Installation.

Peter Steinberger wechselte im Februar 2026 zu OpenAI, um dort an Agenten zu arbeiten. Die OpenClaw Foundation, die das Projekt seit Juli 2026 als gemeinnützige Organisation trägt, steht nach den vorliegenden Berichten vor der Aufgabe, Relevanz und Positionierung im Wettbewerb zu sichern. Analysten sehen die Shared Cloud Sessions als möglichen Schritt, um kollaborative Anwendungsfälle zu erleichtern und die Nutzerbasis zu erweitern, was für die zukünftige Entwicklung des Projekts entscheidend sein könnte.