Oracle investiert 18 Milliarden US-Dollar in ein Rechenzentrum in New Mexico, um Kapazität für KI-Workloads bereitzustellen. Das Projekt mit dem Namen Project Jupiter stößt indes auf Hindernisse. Oracle hat dem Projektentwickler Blue Owl Capital eine Force-Majeure-Mitteilung zugestellt, mit der es Zahlungen zeitlich verschieben will.

Lokale Proteste, Klagen von Umweltverbänden und Streit um Durchleitungsrechte für eine Erdgaspipeline verzögern den Bau. Diese Vorgänge belasten die Finanzierungsmärkte für KI-Infrastruktur.

Rückschlag für Oracles KI-Ambitionen

Project Jupiter ist auf rund 1.400 Hektar im Doña Ana County, Santa Teresa, New Mexico, geplant. Das Gesamtvolumen des Projekts beziffern mehrere Quellen mit 18 Milliarden US-Dollar. Die geplante Inbetriebnahme war ursprünglich für 2028 vorgesehen.

Berichte nennen das Projekt als Teil der sogenannten „Stargate-Initiative“. Diese wird in Medien mit einem umfassenden Vorstoß zum Aufbau von KI-Infrastruktur in den USA in Verbindung gebracht.

Oracle plant, in dem Rechenzentrum Supercomputer bereitzustellen, die auch von OpenAI genutzt werden sollen. Berichte erwähnen zudem einen Vertrag, wonach OpenAI Cloud-Dienste von Oracle über fünf Jahre im Umfang von rund 300 Milliarden US-Dollar in Anspruch nehmen würde. OpenAI soll Kapazität aus dem fertigen Rechenzentrum beziehen.

Die Herausforderungen für Project Jupiter materialisierten sich in einer Force-Majeure-Mitteilung, die Oracle an Blue Owl verschickte. Ziel der Mitteilung ist nach Berichten, vertraglich vereinbarte Mietzahlungen zu verschieben, bis das Rechenzentrum näher an der Betriebsbereitschaft ist. Oracle und Blue Owl betonten in Stellungnahmen, die finanziellen Verpflichtungen für das mehrjährige Projekt blieben bestehen.

Michael Egbert, Vice-President bei Oracle, wurde zitiert: „Project Jupiter remains on our planned schedule. We are fully committed to New Mexico and confident in our path forward.“ Ein Sprecher von Blue Owl sagte: „Oracle and the company remain fully aligned on Project Jupiter. This notice does not change the financial commitments to this multiyear project.“

Regulatorische Hürden bremsen Expansion

Als Gründe für die Verzögerungen nennen mehrere Berichte lokale Proteste, Klagen von Umweltverbänden und die fehlende Erteilung von Durchleitungsrechten durch die staatliche Landbehörde von New Mexico für eine Erdgaspipeline. Diese Pipeline sollte Brennstoff für Gasturbinen liefern, mit denen die Anlage mit mehreren Gigawatt Leistung versorgt werden sollte. Quellen nennen unterschiedliche Angaben zur geplanten Kapazität: 2,45 Gigawatt in einer Darstellung, andere Berichte sprechen von etwa 2,2 Gigawatt, die durch Gasturbinen bereitgestellt werden sollten.

Die Ablehnung eines geplanten Routenverlaufs durch Behörden hat die Pipeline-Planung nach Berichten um mehr als sechs Monate verzögert.

Analysten wie Kim Forrest, Gründerin und CIO bei Bokeh Capital Partners, nannten den Fall in Kommentaren einen „poster child“ für die Herausforderungen im KI-Infrastruktursektor. Sie wiesen damit auf die Risiken für Realisierbarkeit und Zeitpläne hin.

Turbulenzen an den Kreditmärkten

Die Schwierigkeiten bei Project Jupiter belasten die Kreditmärkte für Infrastrukturfinanzierungen. Ein Konsortium aus Banken hat Berichten zufolge rund 18 Milliarden US-Dollar an Projektfinanzierungsdarlehen bereitgestellt. Namentlich genannt werden unter anderem Santander, Jefferies und BNP Paribas. Weitere Berichte nennen Konsortialführer wie Sumitomo Mitsui, Goldman Sachs und Mitsubishi UFJ.

An den Sekundärmärkten werden die entsprechenden Papiere laut Berichten mit Kursen von rund 89 bis 91 Cent je US-Dollar gehandelt. Mehrere Quellen werten das als ungewöhnlich, weil Infrastrukturkredite für KI-Projekte zuvor häufig näher am Nennwert notierten. Institutionelle Anleger zeigen sich zurückhaltend beim Kauf dieser Papiere.

Ratingagenturen stuften die Anleihen bei Emission mit „negative triple B“ ein. Berichten zufolge liegt Oracles Unternehmensrating nach einer Herabstufung durch S&P im Juli nur noch eine Stufe über dem Ramschniveau.

Berichte nennen unterschiedliche Kursreaktionen an den Aktienmärkten. Einige Medien berichten von einem Rückgang der Oracle-Aktie um rund fünf Prozent, andere von mehr als sechs Prozent. Auch die Kurse von Blue Owl verzeichneten Rückgänge von unterschiedlichen Größenordnungen.

In den Märkten steigen nach Berichten die Risikoprämien. So wurde in Zusammenhang mit anderen großvolumigen Platzierungen genannt, dass bis zu 9,9 Prozent Coupons angeboten wurden.

Analysten von Morgan Stanley beziffern den globalen Investitionsbedarf für Rechenzentren bis 2028 auf rund 2,9 Billionen US-Dollar. Cloud-Betreiber könnten demnach etwa 1,4 Billionen US-Dollar aus operativem Cashflow beisteuern. Eine Lücke von rund 1,5 Billionen US-Dollar müsste somit anders finanziert werden.

Ausblick: Investitionsdynamik unter Druck

Die Vorgänge um Project Jupiter zeigen, dass neben Finanzierungsrisiken auch regulatorische und umweltpolitische Hürden die Realisierung großer KI-Rechenzentren verzögern können. Die Reaktion der Märkte auf Oracles Verschiebungsbitte für Mietzahlungen gilt in Berichten als Indikator dafür, wie Infrastrukturprojekte im KI-Sektor künftig bewertet werden könnten.

Beobachter werden verfolgen, ob Oracle und Blue Owl den ursprünglichen Zeitplan bis 2028 halten können und welche Folgen die Verhandlungen über Zahlungsaufschub und Genehmigungen für künftige Infrastrukturprojekte haben. Dies beeinflusst die Investitionsdynamik in einem expandierenden Sektor maßgeblich.