Oura strebt Milliarden-IPO an der Nasdaq an
Oura, der Hersteller von Smart Rings, hat Unterlagen für einen Börsengang in den USA bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht. Das 2013 in Finnland gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz mittlerweile in San Francisco. Oura plant, unter dem Ticker-Symbol „OURA“ an der Nasdaq gelistet zu werden.
Der Börsengang wird mit einer Bewertung von über 16 Milliarden US-Dollar in Verbindung gebracht. Insider schätzen, dass das Unternehmen bis zu drei Milliarden US-Dollar einwerben könnte. Bereits im Mai tätigte Oura eine vertrauliche Einreichung.
Das Kerngeschäft von Oura umfasst den Verkauf von Finger-Sensorringen, die in Verbindung mit einer App Gesundheitsdaten erfassen. Dazu zählen Schlaf, Aktivität, Stress, Herzgesundheit und Frauengesundheit. Das Unternehmen positioniert sich als „Health Intelligence“ und Präventivgesundheitsplattform. Es wird angegeben, die Analysen würden auf über 50 Gesundheits- und Wellness-Kennzahlen basieren.
Dynamisches Wachstum und strategische Positionierung
Oura weist in den letzten Geschäftsperioden ein starkes Wachstum auf. In den neun Monaten bis zum 30. Juni des aktuellen Geschäftsjahres stieg der Umsatz auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Zuwachs von 74 Prozent gegenüber 697 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Das Nettoeinkommen erreichte 60,8 Millionen US-Dollar in den neun Monaten des aktuellen Jahres. Im Vorjahreszeitraum lag es bei 1,6 Millionen US-Dollar. Der auf Aktionäre zurechenbare Verlust betrug 924,3 Millionen US-Dollar für die neun Monate bis zum 30.
Juni des aktuellen Jahres. Dieser Verlust beinhaltet den Effekt einer zugerechneten Dividende an bestimmte Inhaber von rückkaufbaren wandelbaren Vorzugsaktien.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026, das am 30. Juni endet, prognostiziert Oura einen Umsatz nahe zwei Milliarden US-Dollar. Für das Jahr 2024 wurden 500 Millionen US-Dollar und für 2025 rund eine Milliarde US-Dollar kommuniziert. Berichte, auf die sich Heise und Yahoo Finance unter Berufung auf Bloomberg beziehen, nennen für 2026 eine Umsatzerwartung von 1,5 Milliarden US-Dollar.
Das Geschäftsmodell basiert auf dem Verkauf der Ringe sowie auf einem abonnementbasierten Service für die App-Nutzung. Das aktuelle Modell, der Oura Ring 5, wurde im Mai 2026 eingeführt und kostet 399 US-Dollar. Hardware machte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 80 Prozent des Umsatzes aus. Abonnements trugen in diesem Zeitraum 20 Prozent bei.
Der Mitgliedschafts-Umsatz stieg in den neun Monaten auf 240,5 Millionen US-Dollar, ein Plus von 121 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge dieses Geschäftssegments lag bei 89 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten verkaufte Oura 3,6 Millionen Ringe.
Aktuell zählt das Unternehmen rund fünf Millionen zahlende Mitglieder, ein Anstieg von 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die gewichtete durchschnittliche Retentionsrate über zwölf Monate liegt bei etwa 85 Prozent.
Technologie und Marktstellung
Oura nutzt die erfassten Gesundheitsdaten, die sich auf fast 42 Milliarden Stunden physiologischer Daten belaufen. Diese Daten speisen KI- und Machine-Learning-Modelle. Nach Unternehmensangaben decodieren diese Modelle komplexe physiologische Muster und verbessern die Genauigkeit, Personalisierung sowie Vorhersagefähigkeit der Gesundheitsanalysen.
Oura verweist darauf, dass die Technologie mittels Polysomnografie validiert und durch unabhängige Studien gestützt ist.
Laut Omdia entfielen im ersten Halbjahr 2025 rund 74 Prozent der weltweiten Smart-Ring-Auslieferungen auf Oura. Die Ringe sind nach Angaben des Unternehmens in über 4.600 Einzelhandelsgeschäften weltweit erhältlich. Renaissance Capital nennt etwa 8.400 Retail-Standorte.
Oura hat strategische Partnerschaften geschlossen. Dazu zählt die Rolle als offizieller Wearable-Partner von Team USA und den Olympischen & Paralympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Eine weitere Zusammenarbeit besteht mit LillyDirect zur Unterstützung von GLP-1-Nutzern.
Investitionen und Bewertungshistorie
Oura hat private Finanzierungen von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar erhalten. Im Oktober 2025 schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über mehr als 900 Millionen US-Dollar ab, die von Fidelity Management & Research Company angeführt wurde. Diese Runde war mit einer Bewertung von rund elf Milliarden US-Dollar verbunden.
Im Dezember 2024 hatte eine Series-D-Runde über 200 Millionen US-Dollar eine Bewertung von 5,2 Milliarden US-Dollar erzielt. Dexcom investierte in diesem Zusammenhang 75 Millionen US-Dollar.
Die erwartete IPO-Bewertung wird mit über 16 Milliarden US-Dollar beziffert. Unter den benannten Underwritern für den Börsengang sind Goldman Sachs, Morgan Stanley, J.P. Morgan, Allen & Co., BofA Securities und Jefferies. Als Co-Manager ist Robinhood Securities genannt.
Im August 2026 erweiterte Oura seinen Verwaltungsrat um Führungskräfte von Netflix und Robinhood. Zudem wurden der erste CIO und der erste Senior Vice President of AI and Software Engineering eingestellt.
Ausblick und Herausforderungen
Eine am 20. August in Kalifornien eingereichte Sammelklage wirft Oura irreführende Angaben zur Genauigkeit der Schlafmessung vor. Die Kläger behaupten, die Ringe könnten physiologische Signale zur Bestimmung von Schlafstadien nicht tatsächlich erfassen und würden sich stattdessen auf KI-Schätzungen verlassen.
Die Zuverlässigkeit dieser Schätzungen wird infrage gestellt. Oura weist die Vorwürfe zurück und kündigt an, sich „im geeigneten Rechtsforum zu verteidigen“. Das Unternehmen verweist dabei auf Validierung mittels Polysomnographie und unabhängige Studien.
Ein möglicher Zeitpunkt für den Börsengang wird von Analysten für September oder Oktober 2026 erwartet. Die Reaktion des Marktes auf die Sammelklage und die generelle Bewertung von Wearable-Tech-Unternehmen bleiben relevante Faktoren für den Erfolg des geplanten IPOs.







