Oura setzt geplanten Börsengang aus – Unsicherheit am IPO-Markt dämpft Tech-Aktivität
Oura, Hersteller von Smart Rings, hat seinen geplanten Börsengang (IPO) an der US-Technologiebörse Nasdaq vorerst verschoben. Der IPO war ursprünglich für Dienstag angesetzt. Unternehmenschef Tom Hale nennt unsichere Marktbedingungen für neue Aktien als Hauptgrund für die Verschiebung. Die Nachfrage nach den angebotenen Aktien lag laut Einreichungen rund viermal so hoch wie das Angebot.
Die Entscheidung des finnisch-amerikanischen Unternehmens reiht sich in eine insgesamt zurückhaltendere Stimmung am IPO-Markt ein.
Milliardenbewertung und starkes Wachstum vor der IPO-Bremse
Oura strebte im Vorfeld des Börsengangs eine Bewertung von mehr als 16 Milliarden US-Dollar an. Als Erlös aus dem IPO, gemeinsam mit Altaktionären, waren in Berichten bis zu 3 Milliarden US-Dollar genannt worden.
Geplant war ein Angebot von insgesamt 50 Millionen Aktien, davon 13,5 Millionen Aktien von Oura selbst und 36,5 Millionen Aktien von Altaktionären. Die vorgesehene Preisspanne lag bei 40 bis 44 US-Dollar je Aktie.
Das Unternehmen, 2013 in Finnland gegründet mit US-Hauptsitz in San Francisco, weist für die neun Monate bis zum 30. Juni 2026 einen Umsatz von 1,21 Milliarden US-Dollar aus. Im Vorjahreszeitraum erzielte es 697,6 Millionen US-Dollar, was einem Plus von 74 Prozent entspricht.
Gleichzeitig erreicht Oura einen Nettogewinn von 60,8 Millionen US-Dollar, nach 1,6 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Ein den Stammaktionären zurechenbarer Nettoverlust von 924,3 Millionen US-Dollar resultiert aus einer bilanziellen Sonderposition, der „Deemed Dividend“, in Höhe von 985 Millionen US-Dollar für Inhaber wandelbarer Vorzugsaktien, die nicht operativer Natur ist. Die Bruttomarge steigt im selben Zeitraum von 51 auf 55 Prozent.
Die Einnahmen stammen überwiegend aus dem Hardware-Verkauf: 974 Millionen US-Dollar entfallen auf Ringverkäufe, 240,5 Millionen US-Dollar auf Abonnements. Abonnements machen damit rund 20 Prozent des Umsatzes aus und weisen eine Bruttomarge von 89 Prozent auf. Der Einstiegspreis für den Ring liegt bei 349 US-Dollar; das Abonnement kostet 6 US-Dollar pro Monat oder 70 US-Dollar pro Jahr.
Marktführerschaft und prominente Unterstützung
Seit der Einführung des ersten Oura Rings im Jahr 2015 sind mehr als 5,5 Millionen Einheiten verkauft worden; über die Hälfte davon entfällt laut Angaben auf das vergangene Jahr. Oura gibt rund 5 Millionen zahlende Mitglieder in 56 Märkten an – eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Die im Geschäftsbericht ausgewiesene durchschnittliche Kundenbindungsrate über zwölf Monate liegt bei 85 Prozent.
Marktangaben beziffern Ouras Anteil an den weltweiten Smart-Ring-Lieferungen auf 79 bis 85 Prozent; die Analysefirma Omdia schätzt den Anteil im ersten Halbjahr 2025 auf rund 74 Prozent.
Investoren der zuletzt bekannten Finanzierungsrunde im Oktober 2025 sind unter anderem Fidelity Management and Research Company als Lead-Investor, ICONIQ und Whale Rock. Die Runde wird in Berichten mit rund 900 Millionen US-Dollar und einer Bewertung von 11 Milliarden US-Dollar beziffert. Zu den bekannten prominenten Unterstützern und Investoren zählen Marc Benioff, Will Smith, Shaquille O’Neal und LeBron James.
Oura arbeitet mit Sport- und Gesundheitsorganisationen zusammen, etwa als offizieller Wearable-Partner von Team USA für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2026 und 2028 sowie mit Ligen wie der NBA und UFC. Partnerschaften im medizinischen Bereich umfassen Berichte zufolge Dexcom (Glukosemessung) und ResMed (Schlafgesundheit). Im Februar 2026 stellt Oura ein eigenes Large-Language-Model für den Chatbot Oura Advisor vor.
Wettbewerb und die Suche nach dem richtigen Zeitpunkt
Der Smart-Ring-Markt intensiviert sich zusehends. Konkurrenten sind unter anderem Samsungs Galaxy Ring, Amazons Helio Ring und Anbieter wie Ultrahuman. Im weiteren Wearable-Segment konkurriert Oura mit Angeboten wie der Apple Watch, Whoop, Fitbit und Garmin.
Analysen prognostizieren einen Anstieg des globalen Smart-Ring-Marktes von 4,9 Millionen verkauften Einheiten im laufenden Jahr auf 6,3 Millionen Einheiten bis 2030.
Die Verschiebung des IPO folgt Berichten zufolge einem Muster, das auch andere Unternehmen am IPO-Markt zeigen. Im August 2026 wird zudem eine Sammelklage in Kalifornien gegen Oura wegen angeblich irreführender Aussagen zur Genauigkeit der Schlafanalyse eingereicht. Tom Hale äußert am Dienstag: „Wir streben an, einen außergewöhnlichen Börsengang für unsere Mitarbeiter und Investoren zu liefern, und wir haben den Luxus, unseren Zeitpunkt zu wählen.“
Die Finanzierung im Oktober 2025 bringt Berichten zufolge rund 900 Millionen US-Dollar ein und bewertet das Unternehmen mit etwa 11 Milliarden US-Dollar. Damit verfügt Oura laut eigenen Angaben über frisches Kapital. Ein abschließendes Urteil darüber, ob das Unternehmen deshalb auf einen unmittelbaren Börsengang verzichten kann, enthalten die Einreichungen nicht.
Die kommenden Quartalszahlen sowie das im Mai 2026 vorgestellte Produkt Oura Ring 5 stehen noch zur Bewertung der künftigen Entwicklung des Unternehmens an. Analysten beobachten nun, wie Oura die aktuelle Marktphase ohne den geplanten Kapitalzufluss meistern wird.







