Oracle und Paytm stehen im September im Fokus der Finanzwelt. Beide Unternehmen, geführt von ihren Gründern, werden im Kontext des Investmentkonzepts „Founder-Led Stocks“ diskutiert. Dieses besagt, dass Gründer mit „real skin in the game“ langfristigen Wert über kurzfristige Optimierung stellen.
Während Oracle mit starken Cloud-Zahlen und umfangreichen Entlassungen Schlagzeilen macht, profitiert Paytm von neuen staatlichen Richtlinien im indischen Zahlungsverkehr und setzt auf Künstliche Intelligenz (KI).
Oracle trotzt Kritik mit starkem Cloud-Wachstum
Oracle, unter der Führung seines Gründers Larry Ellison, übertraf im ersten Quartal des Fiskaljahres 2027 die Markterwartungen. Das Unternehmen meldete einen Gesamtumsatz von 19,3 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Erwartungen lagen bei 19,13 Milliarden US-Dollar.
Der bereinigte Gewinn pro Aktie erreichte 1,92 US-Dollar, was ebenfalls 30 Prozent über dem Vorjahreswert liegt; die Schätzungen beliefen sich auf 1,75 US-Dollar.
Besonders stark wuchs das Cloud-Infrastruktur-Geschäft (OCI): Der OCI-Umsatz stieg um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar. Der gesamte Cloud-Umsatz legte um 62 Prozent auf 11,6 Milliarden US-Dollar zu. Oracle investiert parallel hohe Summen in Datenzentren und KI-Infrastruktur.
Die Kapitalausgaben stiegen von 8,5 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal des Fiskaljahres 2026 auf 28,5 Milliarden US-Dollar im gleichen Quartal des Fiskaljahres 2027. Für das Fiskaljahr 2027 prognostiziert das Unternehmen Kapitalausgaben von 90 bis 95 Milliarden US-Dollar.
Die Gen2-KI-Infrastruktur von Oracle nutzen unter anderem OpenAI. OpenAI skaliert OCI Supercluster mit bis zu 32.768 Nvidia-GPUs pro Cluster. OCI wird dabei als Erweiterung der Microsoft Azure KI-Plattform beschrieben.
Parallel zu den Geschäftszahlen führt Oracle Restrukturierungen durch, die zu Entlassungen führen. Im Fiskaljahr 2026 baute das Unternehmen bereits über 21.000 Mitarbeiter ab. Eine Entlassungsrunde im September 2026 soll global zwischen 5.000 und 6.000 Stellen betreffen.
Für Indien werden Schätzungen von etwa 1.000 bis 1.500 betroffenen Mitarbeitern genannt. Berichte beschrieben, dass manche Mitarbeiter Kündigungs-E-Mails in den frühen Morgenstunden erhielten und den Zugang zu internen Tools verloren. Finanzchefin Hilary Maxson sagte in diesem Zusammenhang, es gehe nicht darum, „doing more with less“, sondern Prozesse zu vereinfachen und Ressourcen dort einzusetzen, wo sie den größten Effekt haben.
Die Aktie reagierte kurzfristig positiv auf die Quartalszahlen und stieg im vorbörslichen Handel am 11. September um mehr als fünf Prozent. Am 18. September schloss die Aktie bei 147,61 US-Dollar, einem Rückgang von 1,98 Prozent. Seit Jahresbeginn 2026 hatte die Aktie nahezu 20 Prozent verloren. Über die letzten zwölf Monate lag der Rückgang bei fast 30 Prozent.
Oracle hat zur Finanzierung der Expansion erhebliche Verbindlichkeiten aufgenommen, was weiterhin ein Faktor bleibt.
Paytm profitiert von neuen UPI-Gebühren und KI-Fokus
One97 Communications, bekannt als Paytm, wird von Gründer Vijay Shekhar Sharma geführt. Die indische Regierung führte eine Merchant Discount Rate (MDR) von 0,4 Prozent auf P2M-Transaktionen über 2.000 Rupien ein. Für Beträge ab 75.000 Rupien gilt eine Deckelung bei 300 Rupien pro Transaktion.
Die Regelung trat am 15. Oktober in Kraft. Für das gesamte UPI-Ökosystem wurde ein potenzielles jährliches Umsatzpotenzial von bis zu 16.000 Crore Rupien, also 160 Milliarden Rupien, genannt.
Sharma erklärte, die Maßnahme werde „mehr Revenue and bottom line to our business“ bringen. Dies erhöhe die Profitabilität und ermögliche Investitionen in die Händlerakquise. Paytm strebt an, freien Cashflow zu generieren. Das Unternehmen wies im Fiskaljahr 2026 erstmals einen vollen Jahresgewinn aus. Sharma sagte, Paytm könne durch die neue MDR Marktanteile im UPI-Segment zurückgewinnen.
Paytm entwickelt zudem eigene KI-Fähigkeiten und bezeichnet diese als „native capability“. Sharma erläuterte, das Unternehmen nutze eigene Fähigkeiten und pilotiere Dienste mit Unternehmenskunden. Paytm plant ferner eine internationale Expansion.
Diese soll nach Unternehmensangaben durch interne Mittel bei profitablerem Wachstum finanziert werden. Kurzfristig sind nach Angaben des Unternehmens keine Dividendenausschüttungen vorgesehen.
Ausblick: Strategische Weichenstellungen im September
Der September markiert für Oracle und Paytm einen Monat mit strategischen Entscheidungen. Bei Oracle werden Analysten insbesondere die Entwicklung der Cloud-Margen und die Integration der KI-Initiativen beobachten. Dies geschieht vor dem Hintergrund hoher Kapitalausgaben und erhöhter Verschuldung.
Ob Anleger die Investitionen als langfristige Stärke oder als Risiko einschätzen, dürfte den Aktienkurs mitbestimmen.
Bei Paytm steht die Integration der neuen MDR-Regel in das Geschäftsmodell und die Realisierung des erwarteten Umsatz- und Profitabilitätsschubs im Vordergrund. Entscheidend wird sein, ob Paytm Marktanteile zurückgewinnen kann und die KI-Strategie erfolgreich skaliert. Beobachter werden zudem die internationale Expansionsplanung und die Frage verfolgen, ob interne Rücklagen dafür ausreichen.
Die Entwicklungen bei beiden Founder-Led Stocks im September prägen die strategischen Perspektiven der Unternehmen in den schnell veränderlichen Tech- und Finanzmärkten.







