München – Das HR-Tech-Unternehmen Personio übernimmt das Berliner Fintech Circula. Damit erweitert das Unternehmen seine Plattform um Ausgabenmanagement und ergänzt das „People Operating System“-Angebot für den europäischen Mittelstand. Personio verfolgt das Ziel, HR-relevante Prozesse zu bündeln und das Ausgabenmanagement für Mitarbeitende in sein Angebot zu integrieren.

Strategische Ergänzung für umfassendes Mitarbeitermanagement

Personio, ein europäisches HR-Tech-Unternehmen, übernimmt das Berliner Fintech Circula. Die Übernahme wurde Ende Mai 2022 bekanntgegeben. Personio will damit seine Softwarelösung für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ausbauen.

Circula bietet Lösungen für Reisekosten- und Spesenabrechnung, Auslagen, Firmenkarten, Eingangsrechnungen und steueroptimierte Mitarbeiter-Benefits. Diese Funktionen sollen in Personios Plattform integriert werden.

Hanno Renner, CEO und Mitgründer von Personio, begründet die Entscheidung mit der Komplexität des Ausgabenmanagements in Europa. Er verweist darauf, dass die Regelungen länderspezifisch variieren, ähnlich wie bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Circula habe diese Komplexität in den vergangenen neun Jahren adressiert.

Personio nennt als Ziel, Gehalt, Auslagen und Benefits an einem Ort zusammenzuführen. Das Unternehmen bezeichnet dies als „Premiere in Europa“. Personio sieht die Übernahme als Schritt hin zur Vision, zum führenden System für das Management der Belegschaft in europäischen Unternehmen zu werden.

Synergien und gemeinsame Kundenbasis

Personio und Circula arbeiten nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren zusammen. Viele der derzeit über 16.000 europäischen Personio-Kunden nutzen bereits beide Dienste. Über 500 Kunden arbeiten laut Angaben bereits mit der aktuellen Integration von Circula und Personio.

Circula richtet sich an deutsche Mittelstandsunternehmen und verfügt über eine Integration in das Datev- und Steuerberater-Ökosystem. Circula wird künftig als „Circula by Personio“ auftreten. Das Circula-Team wechselt zu Personio.

Das Produkt soll vollständig in Personios Angebot integriert werden. Für bestehende Circula-Kunden, die Personio nicht nutzen, bleibt die Lösung weiterhin verfügbar und soll eigenständig weiterentwickelt werden.

Nikolai Skatchkov, Mitgründer von Circula, betont, dass die Datev-Integration und das Circula-Know-how für Kunden bestehen bleiben. HR, Auslagen und Payroll werden nun als gemeinsame Lösung gedacht. Circula wurde 2017 gegründet.

Personios Wachstumsstrategie und Marktpotenzial

Die Übernahme von Circula ist die zweite Akquisition für Personio im Jahr 2022. Zuvor hatte Personio bereits den Recruiting-KI-Anbieter Aurio und die Mitarbeiter-Experience-Lösung Back übernommen. Personio verfolgt damit eine Strategie, durch Zukäufe die Produktpalette zu erweitern und seine „People Operating System“-Vision voranzutreiben.

Personio wurde 2015 gegründet. Nach einem zweiten Series-E-Closing im Juni 2022 lag die Unternehmensbewertung bei 8,5 Milliarden US-Dollar. Insgesamt hat Personio nach Quellenangaben über 500 Millionen US-Dollar an Finanzierung aufgenommen, inklusive der Series E über insgesamt 470 Millionen US-Dollar.

Der Markt für Spend Management wird in Quellen mit einem erwarteten Volumen von 31,9 Milliarden US-Dollar bis 2030 angegeben. Personio führt die Übernahme als Baustein an, um HR-Funktionen und Ausgabenmanagement zusammenzuführen. Damit will das Unternehmen eine zentrale Lösung für Unternehmen anbieten.

Ausblick auf die Integration

Personio plant, das Circula-Produkt vollständig in das bestehende Angebot zu integrieren und die Teams zusammenzuführen. Das Unternehmen nennt als Ziel, Personalwesen (HR), Gehaltsabrechnung (Payroll) und Ausgabenmanagement (Spend Management) auf einer Plattform zu bündeln. Diese Entwicklung könnte die Effizienz in der Personalverwaltung für KMU in Europa maßgeblich beeinflussen und neue Standards im integrierten Mitarbeitermanagement setzen.

Marktbeobachter werden die Geschwindigkeit und den Erfolg dieser umfassenden Integration aufmerksam verfolgen.